Wir wollen hier endlich wieder spielen können

Kämpfen für ihren Spielplatz in der Laubergasse: Kinder und Eltern aus Blankenstein.
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  • Kämpfen für ihren Spielplatz in der Laubergasse: Kinder und Eltern aus Blankenstein.
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Die Stadt Hattingen hat kein Geld. Sparen ist angesagt, auch bei Spielplätzen. In Blankenstein soll der Spielplatz Laubergasse aufgegeben werden, der Spielplatz am Gethmannschen Garten/Stadtmuseum ist in einem erbärmlichen Zustand. Jetzt gehen die Blankensteiner auf die Barrikaden.

Bereits im letzten Jahr hat Henning Sandmann im Namen der Bürgergesellschaft Blankenstein an den SPD-Stadtverordneten Rainer Sommer geschrieben. „Antwort gab es aber bis heute keine“, so die Bürgergesellschaft.
Damals hatte man die Sachlage bereits schriftlich dargelegt, auch die Gespräche mit dem „Spielplatz-Beauftragten“ der Stadt Hattingen, Olaf Jacksteit. Der hatte in einem Gespräch erklärt, die Stadt wolle sich von einigen Spielplätzen aus Kostengründen trennen, unter anderem auch von dem Spielplatz Laubergasse. Insgesamt seien im städtischen haushalt nur 23.000 Euro zum Erhalt der städtischen Spielplätze eingestellt. Viel zu wenig.
Die Stadt Hattingen hatte Zahlen vorgelegt: Demnach hat sie 38 städtische Spielplätze in der Verantwortung, hinzu kommen weitere private Spielflächen. Außerdem gibt es 16 Spielgelegenheiten in Parks oder der Fußgängerzone sowie 17 Schulhöfe.
In Blankenstein unterhält die Stadt die Spielplätze Irrgarten, Laubergasse, Steinweg (bereits weggefallen und zur Bebauung freigegeben) sowie den Spielplatz „In der Hey“. Hinzu kommt der Schulhof Alt-Blankenstein,d er aber Spielgeräte für Schulkinder beeinhaltet.
Aktuelle befindet sich auf dem Spielplatz Laubergasse vor allem eines: Löwenzahn! Davon aber reichlich! Sand und eine Bank sind auch noch da. „Drumherum wird gebaut, vor allem für junge Familien. Aber die nötige Infrastruktur, die soll nicht geschaffen werden. Ich habe seit Jahren auf den unattraktiven Spielplatz in bester Lage aufmerksam gemacht und wurde von der Stadt immer vertröstet“, regt sich Spielplatzpatin Tanja Pongarcz auf. Vielleicht, so vermutet sie, solle hier auch Bauland entstehen...
Der Spielplatz wird von den Eltern heiß favorisiert. Er sei beschattet und daher für die Kleinsten auch im Hochsommer zu nutzen. Er liege zentral und verkehrsberuhigt und vor allem habe man hier keine Probleme mit pöbelnden Jugendlichen und Vandalismus. Das hingegen ist im Sommer am Spielplatz Irrgarten häufiger der Fall. „Und das ist auch viel zu weit“, befinden die Mütter.
Außerdem lässt auch der „Irrgarten“ zu wünschen übrig, fand man doch unter der Spielfläche einen Bunker. Abbau eines Spielgerätes, Baustellen-Schilder, Zuschütten eines Loches um den Preis, an anderer Stelle ein neues Loch zu entdecken und – neu – ein Gutachten über die Stabilität des ganzen Platzes zerren an den Nerven der Eltern.
Außerdem: Die vorhandenen Spielgeräte seien nicht für Kinder unter sechs Jahren geeignet und um die geht es. „Hattingen will Pluspunkte sammeln für eine familienfreundliche Stadt. Doch die Kinder kommen nicht mit sechs Jahren auf die Welt. Es muss ein Angebot vor Ort für die Kinder vorhanden sein und man kann auch nicht immer auf private Anbieter schielen. Die Stadt hat eine Verantwortung für die Infrastruktur und stielt sich heraus“, so die einhellige Meinung der versammelten Eltern.
Die Bürgergesellschaft hat im Zuge der Diskussion selbstverständlich ihre Hilfe angeboten. Man sei bereit, gemeinsam mit der Spielplatzpatin sich um den Unterhalt der Laubergasse zu kümmern.
Doch dafür müsste der Spielplatz erstmal eingerichtet werden. Die früheren Spielgeräte entsprechen nicht mehr der gesetzlichen Norm und mussten zurückgebaut werden. Außerdem wurde unter dem Spielplatz ein Fundament gefunden, welches bei einer Neubestückung des Platzes entfernt werden müsste. Die rund sechzig Kinder im Umfeld (Zahlen aus 2011!) müssen eben zum Irrgarten gehen. Wie der aussieht, wurde bereits beschrieben.
Den Kindern sind irgendwelche Normen und Verordnungen egal: Sie wollen endlich wieder spielen und zwar in der Laubergasse.
Und die Eltern erwarten endlich Antworten von der Stadt – und würden sich freuen, wenn es Sponsoren gäbe, die gemeinsam mit der Bürgergesellschaft Blankenstein den Spielplatz wieder zu einem freundlichen Aufenthaltsort für kleine Kinder machen würden.
Auf Nachfrage des STADTSPIEGEL hat sich Bürgermeisterin Dr. Dagmar Goch die Örtlichkeiten angesehen und zeigte sich entsetzt. Sie machte die Spielplatzsituation zum Thema im Verwaltungsvorstand am letzten Montag. Stadtsprecher Thomas Griesohn-Pflieger erklärt: „Es sind jetzt mehrere Personen aufgerufen, Vorschläge zur Änderung der Situation zu machen. Das kann eine Reaktivierung der Laubergasse bedeuten oder eine andere Alternative. Jedenfalls kann und soll es so nicht bleiben und das Ergebnis soll auch möglichst rasch vorliegen.“
Der STADTSPIEGEL bleibt natürlich weiter am Ball und wird über den Fortgang berichten. Ganz offensichtlich kommt jetzt Bewegung in die Situation.

Kämpfen für ihren Spielplatz in der Laubergasse: Kinder und Eltern aus Blankenstein.
Das ist der Spielplatz Laubergasse heute. Foto: Pielorz
Autor:

Dr. Anja Pielorz aus Hattingen

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