Zivildienstleistende waren für die Patienten da

Kirsten Quellmann, Leiterin des Altenheims St.Josef (l.), und Ursula Kollmannsberger, eine der Patientinnen. Sie fühlt sich im Heim pudelwohl „Die Leute hier sind mehr als liebevoll und nehmen sich viel Zeit. Gerade die Zivis!“ Foto: Winkelnkemper
  • Kirsten Quellmann, Leiterin des Altenheims St.Josef (l.), und Ursula Kollmannsberger, eine der Patientinnen. Sie fühlt sich im Heim pudelwohl „Die Leute hier sind mehr als liebevoll und nehmen sich viel Zeit. Gerade die Zivis!“ Foto: Winkelnkemper
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(von Alex Winkelnkemper)

Seit dem 1. Juli werden junge Männer nicht mehr zur Armee eingezogen, der Zivildienst fällt damit auch weg. Das bedeutet: Viele hundert Stellen sind von jetzt auf gleichnicht mehr da. Schließlich hatten sich in der Vergangenheit immer wieder viele „Zivis“ gefunden, die keinen Dienst an der Waffe versehen wollten. Durch deren Wegfall gibt es jetzt Probleme – vor allem in Branchen, die immer mit Zivildienestleistenden gerechnet haben. Zum Beispiel die Pflegebranche.

Zivildienstleistende spielten immer eine wichtige Rolle. „Das war einfach eine Tradition“, meint Kirsten Quellmann, Leiterin des Altenheims St. Josef.
Für dasselbe Geld kann sie keine neuen Mitarbeiter mehr einstellen. Zwar leide die Betreuung der Patienten nicht darunter, aber einige Zusatzleistungen drohten nun wegzufallen. „Zivis konnten einfach die Arbeit machen, die über den eigentlichen Bedarf hinaus ging. Sie hatten Zeit und konnten sich enorm intensiv mit den Menschen beschäftigen. Sie konnten eben schon mal ein längeres Gespräch führen oder mal etwas vorlesen und gar auch einmal ein Spiel machen.“
Zum Glück habe das Haus nun Altenhelfer bekommen, die diese Lücke wieder schließen können. Auch sei es wichtig gewesen, gerade junge Männer im Haus zu haben. „Das war ja quasi die Enkel-Generation für unsere Patienten. Da entstand oft ein enges Vertrauensverhältnis“, erzählt Kirsten Quellmann.
Und auch für die Zivis selbst habe die Arbeit durchaus Vorteile gebracht. „Das diente einfach auch der Sozialkompetenz von jungen Menschen. Und viele unserer Ex-Zivis haben sich später auch tatsächlich für einen Pflegeberuf entschieden.“
Zudem konnte mit dem Zivildienst genau die Zeit überbrückt werden, in der sich junge Menschen entscheiden müssen, in welche Bahnen sie ihr Leben nun lenken möchten. „Natürlich hilft so etwas auch bei der Berufsfindung! Selbst wenn es dann später in eine vollkommen andere Ecke läuft, kennen die jungen Leute danach ein regelmäßiges Arbeitsleben und können sich orientieren“, meint die Heimleiterin.
Selbst später im Studium haben Einige noch von ihrer Zivildienstzeit profitiert. „So manch einer hat sich dann später das Studium finanziert, indem er Wochenendschichten gemacht hat.“ Als Ausgleich gibt es in Zukunft den sogenannten Bundesfreiwilligendienst.
„Da hoffen wir natürlich auch auf Nachwuchs“, meint Kirsten Quellmann. „Wir haben auch jetzt schon Anfragen für Freiwillige Soziale Jahre und Praktika. Das größte Problem wird aber langfristig wohl sein, überhaupt junge Leute für den Altenpflegeberuf zu begeistern.“

Autor:

Roland Römer aus Hattingen

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