+++Interview+++ Karsten Brill vom Marie-Curie-Gymnasium ist Lehrer des Jahres 2021
Ein "Ausgezeichneter Pauker"

Alle wollen ein Selfie mit Karsten Brill - so auch die Generalkonsulin Fiona Evans der U.S. Botschaft Berlin, als sie vor zwei Jahren das Gymnasium in Bönen besuchte. Foto: MCG
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  • Alle wollen ein Selfie mit Karsten Brill - so auch die Generalkonsulin Fiona Evans der U.S. Botschaft Berlin, als sie vor zwei Jahren das Gymnasium in Bönen besuchte. Foto: MCG
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Vor 40 Jahren wurde Karsten Brill in Unna eingeschult. Foto: privat
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Wer erinnert sich nicht gern an seine Lieblingslehrer? Die Abiturienten des Marie-Curie-Gymnasiums in Bönen mussten nicht lange überlegen und nominierten Karsten Brill (46) für den Deutschen Lehrerpreis. Unter 6400 Mitstreitern setzte er sich durch und sahnte als "Lehrer des Jahres" das Preisgeld von 500 Euro in der Kategorie "Ausgezeichneter Lehrer" ab.
Karsten Brill ist ein Pauker aus Leidenschaft. Er unterrichtet Englisch und Deutsch und veröffentlicht nach Schulschluss Pressemitteilungen für das Marie-Curie-Gymnasium Bönen im Lokalkompass - alles Gründe für ein Stadtspiegel-Interview, das wohl längst fällig war.

Waren Sie überrascht, dass Sie gewonnen haben?

Karsten Brill: "Ja, ich war sehr überrascht und vor allem gerührt, weil ich mit solch einer Auszeichnung natürlich überhaupt nicht gerechnet habe. Es haben sich auch lauter ehemalige Schülerinnen und Schüler aus Essen-Werden gemeldet, mein Instagram-Account glühte. Es ist ein schönes Gefühl, wenn die Leute auch Jahre nach Schulende noch sagen, dass sie aus meinem Unterricht etwas mitgenommen haben."

Wer waren Ihre Lieblingslehrer in der Schulzeit?
Karsten Brill: "Ich war auf dem Pestalozzi Gymnasium Unna und hatte viele gute Lehrerinnen und Lehrer dort: Frau Stiller, Frau Caninenberg, Miss Black, Doc Dietrich, Herr Meyer-Cordes, Herr Sprenger, Frau und Herrn Lethaus – und Frau Reichel. Frau Reichel traf ich später im Referendariat als meine Ausbilderin wieder."

Meine Lieblingslehrer

Welche Fächer mochten Sie als Schüler so gar nicht?
Karsten Brill: "Ich bin generell gerne zur Schule gegangen. In Kunst hatte ich allerdings immer eine Vier auf dem Zeugnis. Ich glaube, ein einziges Mal hatte ich eine Zwei bei einem Winterbild, das man mit Plaka-Farbe gestalten musste. Zu den Naturwissenschaften habe ich nie richtig einen Zugang gefunden, denke ich. Das lag aber nicht an meinen Lehrerinnen und Lehrern, sondern eher an mir."

Würden Sie gerne mal in den USA unterrichten?
Karsten Brill: "Ich habe von 2000 bis 2002 an der University of Missouri-Columbia in den USA studiert und dort auch den Master-Abschluss gemacht. Im Rahmen des Stipendiums habe ich damals an der Uni Deutsch unterrichtet. Das hat mir viel Spaß gemacht. Während dieser Zeit habe ich auch mehrere mehrwöchige Praktika an der West Middle School gemacht und durfte mehrere Wochen bei einer tollen Lehrerin namens Joyce Spainhower hospitieren. Das hat mir viele Einblicke in das amerikanische Schulsystem ermöglicht und ja, es hat Spaß gemacht."

Und was ist mit England?

Karsten Brill: "Ich war ein Jahr lang Fremdsprachenassistent in Großbritannien: an einer Jungen- und an einer Mädchenschule in Wilmington, Kent. Auch das war eine tolle Zeit, mit 22 in London. Nach diesem Jahr stand mein Entschluss fest, Lehrer zu werden."

Traumberuf Briefträger?

Sie wollten ja eigentlich Journalist werden, doch als Kind war Ihr Berufswunsch...
Karsten Brill: "Meine Mutter meinte, ich hätte früher immer Briefträger gesagt."

Muss es auch mal die Note "Ungenügend" sein oder vergeben Sie niemals eine Sechs?
Karsten Brill: "Eine Sechs gibt es selten, aber manchmal muss es sein. Danach wird natürlich das Gespräch gesucht."

Was machen Sie mit dem Preisgeld?
Karsten Brill: "Ausgeben! Der Abijahrgang 2020, der mich nominierte, hatte keinen richtigen Abschluss. Von dem Geld gehen wir in den Biergarten, wenn das dann wieder möglich sein sollte."

Preisgeld im Biergarten verjuxen

Manchmal "Heimweh" nach dem Gymnasium in Werden oder "Bönen 4 ever"?
Karsten Brill: "Ich war 13 Jahre in Werden und fühle mich natürlich immer noch verbunden mit der Schule. Die Kinder, die ich von der 5. bis 7. Klasse als Klassen- und Englischlehrer hatte, kommen nach den Sommerferien in die Jahrgangsstufe 11 (Q1). Da werde ich schon manchmal ein bisschen wehmütig und würde sie gerne im Englisch-LK zum Abitur führen. Das Marie-Curie-Gymnasium Bönen ist aber auch eine tolle Schule mit außerordentlich netten Schülerinnen und Schülern und einem sehr engagierten Kollegium. Ich muss noch über 20 Jahre lang unterrichten, insofern gucken wir mal. Vielleicht meldet sich ja auch noch die Deutsche Schule in London bei mir."

Fällt Ihnen das Lernen auch manchmal schwer?
Karsten Brill: "Ja und nein. Ich kenne mich inzwischen sehr gut, das heißt, ich weiß genau, wann es Sinn macht, mich an den Schreibtisch zu setzen und wann ich es eher lassen soll, weil sowieso nichts dabei herauskommt. Es hilft mir, mir genaue Ziele zu setzen, zum Beispiel Samstag mache ich nichts für die Schule, aber Sonntag setze ich mich an die Korrekturen. Sonst hat man immer ein schlechtes Gewissen, weil man die Aufgaben vor sich herschiebt."

"Mein Ratschlag gegen Lampenfieber vor dem Abitur..."
Karsten Brill: "Vertraut auf euch! Ich habt alles vorher im Unterricht mehrfach geübt."

In der Freizeit:

Bier oder Schampus?
Karsten Brill: "Definitiv Bier oder Cola ohne Zucker."
Sport oder Netflix?
Karsten Brill: "Sport macht mir Spaß, wenn ich mich überwunden habe, von der Couch aufzustehen. Aber der Netflix-Algorithmus kennt mich schon sehr gut."
Reden oder lieber schweigen?
Karsten Brill: "Da in der Schule zu viel Action ist, schweige ich abends schon mal gerne."
In die Berge oder ans Meer?
Karsten Brill: "Lieber ans Meer. Ich habe noch nie in meinem Leben auf Skiern gestanden. Werde ich auch nicht mehr.
Bald wieder nach London?
Karsten Brill: "Na klar, ich hoffe noch dieses Jahr oder spätestens 2022."

Autor:

Anja Jungvogel aus Hagen

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