Mülheim Theater an der Ruhr:
"Clowns können und dürfen alles!"

Roberto Ciulli sorgt sich um gesellschaftlichen Zusammenhalt, um demokratisch Erkämpftes, um die  Freiheit der Kunst. Foto: Andreas König.
  • Roberto Ciulli sorgt sich um gesellschaftlichen Zusammenhalt, um demokratisch Erkämpftes, um die Freiheit der Kunst. Foto: Andreas König.
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Roberto Ciulli und „Das Lachen der Erkenntnis“ im Theater an der Ruhr:

Wer das Glück hat, eines goldenen Herbstnachmittags das Theater an der Ruhr im Raffelbergpark zu besuchen, erfährt schnell den besonderen Charakter dieser einzigartigen Mülheimer Kulturschutzzone und ihres Hüters:

Hier im alten Kurbad-Bau hat Roberto Ciulli, mehr Zauberer und weiser Lehrmeister als regierender Intendant, 1980 ein Theater gegründet, das sich der Weltkunst verschrieben hat. International, integrativ und inspirierend, das selbst im Chaos des Bühnengeschehens das Beste im Menschen anrührt.

So wie in seinem Stück-Dauerbrenner „Clowns 2 ½“. An diesem frühen Abend führt Roberto Ciulli selbst in seine folgende Aufführung ein: Ohne Mikro nah am Publikum aus Schülern, Fans, Neugierigen und Erst-Besuchern zieht er sie begeisternd zu den Ursprüngen des Theaters.

Zum römischen Circus Maximus, wo lange die Raubtiere die Stars waren. Bis die Pausen-Clowns zu den erst heimlichen und dann - durch ihre Kunst, Menschen zum Lachen zu bringen - zu den absoluten Publikums-Lieblingen wurden. Roberto Ciulli geht es ein paar tausend Jahre später ebenfalls um das „gute Lachen“, um das Lachen der Erkenntnis. Dazu gehört auch, dass man über sich selbst lachen kann. Das kann der böse Lacher nicht, sein Aus-Lachen aus Schadenfreude führt in den dummen Hass.

Ciullis Clowns-Stück ist eine Hommage an die großen Clowns der 20er Jahre. Denn was wäre selbst das Kino ohne sie: Stan Laurel und Oliver Hardy, Buster Keaton, Charlie Chaplin? Sie wurden und werden bis heute überall auf der Welt verstanden. Im Circus gibt es den schlauen, scheinbar überlegenen „Weiss-Clown“ und - seinen Gegenpart, den „dummen August“. Und wenn man das verstanden hat, fällt einem plötzlich auf, wie viele solche Charakter-Paare auch in der Politik zu finden sind. Oder schon in der Schule. Spätestens an dieser Stelle hat das fröhliche Lachen der Erkenntnis auch den Letzten im Raffelberg-Publikum erreicht.

Im Kampf gegen das böse Lachen und die Dummheit

Und die dann insgesamt acht Clowns der folgenden Inszenierung enttäuschen das so sensibilisierte Publikum nicht. Im Gegenteil, sie bezaubern mit einfachsten Mitteln, Körpersprache, Witz und Charme. Eben mit der uralten Kunst der Circus-Clowns, die auch im hier gespielten Altersheim ihre Wirkung entfaltet: Passiert ein Pipi-Malheur, wird ein Schiffchen aus Papier in den See gesetzt. Ein Ritual wie morgendliches Zeitung-Lesen schlechter Nachrichten machen die alten Clowns mit rhythmischem Zerreißen zum Konzert, kreativer Protest gegen Bedrohung: Mit Witz und Charme meistern sie jede Situation, verrückterweise ist das Alter gar kein Thema mehr.

Und beim Gespräch blitzen aus dem weisen Alten vom Raffelberg der Schalk und Aufruhr seiner Jugend: Roberto Ciulli sorgt sich um gesellschaftlichen Zusammenhalt, um demokratisch Erkämpftes, um die Freiheit der Kunst: Die Welt ist allmählich nach rechts gerückt. Und so sind „der Roberto“ und sein Theater wieder mitten drin im Kampf gegen das böse Lachen und die Dummheit. Er wird die Menschen weiter infizieren, mit dem guten Lachen der Erkenntnis. „Clowns Terror“ heißt sein neues Stück, für das die szenen-entwickelnden Proben bereits laufen. Premiere im März, unverzagt, trotzig, mutig, die Menschen liebend. Zum Lachen, aber überhaupt nicht lächerlich.

Autor:

Caro Dai aus Essen-Werden

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