Organtransplantationen in Mülheim
Veränderungen bei der Spende?

Organspenderausweise sollten Spender immer bei sich tragen. Das erleichtert Ärzten und Angehörigen eine schwierige Entscheidung.
  • Organspenderausweise sollten Spender immer bei sich tragen. Das erleichtert Ärzten und Angehörigen eine schwierige Entscheidung.
  • Foto: privat
  • hochgeladen von Sibylle Brockschmidt

Der Bundestag entschied am 16. Januar mit großer Mehrheit über eine moderate Reform der Organspenderegeln in Deutschland. Mehrheitlich wurde die von Gesundheitsminister Jens Spahn vorgeschlagenge Lösung der Widerspruchslösung abgelehnt. Bürger sollen jedoch in Zukunft stärker dazu angehalten werden, eine Entscheidung zu treffen. Neu geschaffen wird auch ein Online-Register für Spendenwillige.

Damit wird es nicht zur sogenannten Widerspruchslösung kommen, einen Organspendeausweis muss man also weiterhin auf eigene Initiative beantragen.[/text_ohne]
Es gibt zu wenige Spenderorgane in Deutschland: Auf eine Million Einwohner kommen knapp 11 ausgewiesene Organspender. Im Nachbarland Spanien sind es über 40. Damit befindet sich Deutschland in Europa am unteren Ende der Spendenwilligkeit und auch im weltweiten Vergleich steht die Spendenbereitschaft der Deutschen weit hinten.

Bundestag lehnt Entwurf ab

Der Bundestag entschied sich für eine leichte Änderung der bestehenden Zustimmungsregelung. So wird es in Deutschland auch weiterhin so sein, dass nur diejenigen für eine Organentnahme in Frage kommen, die sich zuvor aktiv für einen Spenderausweis entschieden haben.
Die MW startete gleich nach der Entscheidung des Bundestages eine kleine Umfrage in den Sozialen Netzwerken, um Meinungen der Bürger einzuholen. So unterschiedlich, wie die ganze Debatte der Politiker im Vorfeld der Entscheidung ablief, so unterschiedlich sind auch in der Bevölkerung die Meinungen.

"Wer sich nicht als Spender eintragen lässt, sollte im Bedarfsfall auch keine Organ bekommen", meint Mareike Breuer, Thomas Steckstor schrieb: "In diesem Fall hat die Politik mal nicht versagt", bis zu dem Kommentar von Andrea Mobini: "Jeder sollte Organspender sein, wer es nicht möchte sollte widersprechen. Es ist nicht zu viel verlangt, sich darüber Gedanken zu machen und eine Entscheidung zu treffen, Organspenden retten Leben". Auch Bedauern über die gescheiterte Lösung ist ein Thema.

Stellungnahme des EKM

"Wir sind mit diesem Thema überaus selten befasst, es kommt so gut wie nie vor, dass wir tätig werden müssen im Bereich der Organspende", sagt eine Sprecherin des Evangelischen Krankenhauses (EKM). Die Transplantationsbeauftragte, Prof. Dr. Eva Kottenberg, Anästhesistin, kann berichten, dass es eine Seltenheit ist, dass im Falle des Hirntodes eines Patienten die Angehörigen oder Betreuer nach einer Spendenwilligkeit vorsichtig befragt würden.

In aller Regel werden Patienten, die einen schweren Unfall mit Hirntod erlitten haben, sofort in die Essener-Universitätsklinik verlegt und nicht in das EKM. Ob das geänderte Gesetz der erweiterten Zustimmung zur Organspende eine Erleichterung wird, kann die Sprecherin der Klinik nicht abschätzen.

Abläufe im St. Marien-Hospital

Auch im St. Marien-Hospital verhält es sich ähnlich: Laut Corinna Bach, zuständig für die dortige Unternehmenskommunikation, ist nicht damit zu rechnen, dass die Neuregelung der erweiterten Zustimmung den Organisationsablauf in der Klinik verändert wird. Dies liegt daran, dass die Feststellung des irreversiblen Ausfalls des Gehirns nach einem festgelegten Ablauf erfolgt, der eine gewisse Zeit erfordert. Im Normalfall wird von Beginn an mit Angehörigen des Patienten über die Situation und das weitere Vorgehen gesprochen. In diesem Dialog wird in aller Regel dann auch über die Spendenwilligkeit des Patienten geredet.

Wenn die Information über die Spendenwilligkeit schon vorher, also direkt bei Behandlungsbeginn, vorliegt, verkürzt dies möglicherweise die Beratungen mit den Angehörigen, was für diese eine Entlastung darstellen kann. Ein Zeitgewinn für die Organspende an sich sei dabei aber nicht zu erwarten. Grundsätzlich kommt es dort selten zu Organspenden: Nach Aussagen des Chefarztes Prof. Dr. Jörg Meyer werden deutlich weniger als einmal im Monat Organe gespendet. Hierbei handelt es sich nicht immer um die Zentralorgane wie Niere-, Herz- oder Leber-, sondern auch um Hornhaut- und Drüsen-Spenden.

Corinna Bach erklärt auch, wann die Entscheidung über eine Organentnahme problematisch wird: "Wirklich schwierig kann die Entscheidungsfindung bei Patienten sein, die bei sehr schlechter Prognose keine Intensivmedizin wünschen, aber gleichzeitig ihre Bereitschaft zur Organentnahme sehr deutlich gemacht haben, zum Beispiel durch einen Organspendeausweis.
Der Wunsch nach Verzicht auf Intensivmedizin beziehungsweise lebenserhaltende Maßnahmen und der Wunsch nach Organspende schließen sich gegenseitig aus, ohne Intensivmedizin gibt es keine Organspende. In solchen Fällen bedarf es der vertrauensvollen Beratung mit den Verwandten und Bezugspersonen, um hier dem Willen des Sterbenden, der gleichzeitig Organspender sein möchte, bestmöglich zu entsprechen."

Autor:

Sibylle Brockschmidt aus Mülheim an der Ruhr

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