Ungewöhnlicher Fund in Witten
Kanonenkugel im Kleff gefunden

Ganz schön schwer: Die Kanonenkugel, die Brigitte Werda im Garten gefunden hatte, wiegt gute vier Kilogramm. Wie sie dahin kam? Ein Rätsel.
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  • Ganz schön schwer: Die Kanonenkugel, die Brigitte Werda im Garten gefunden hatte, wiegt gute vier Kilogramm. Wie sie dahin kam? Ein Rätsel.
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Brigitte Werda staunte nicht schlecht, als sie und ihr Lebensgefährte Thomas Balkenhol ihren Garten in Witten umgegraben hatten. Denn zum Vorschein kam völlig überraschend - eine Kanonenkugel. Und damit fing die ganze Geschichte erst an.

Etwa 50 Zentimeter tief lag das runde, harte und vor allem schwere Objekt. Zunächst konnten beide ihren ungewöhnlichen Fund nicht zuordnen. "Ich dachte sogar an einen Asteroidensplitter oder ähnliches", verrät die gebürtige Wittenerin. Nachdem sie den Gegenstand gewaschen und abgeklopft hatte, kam dann die Erkenntnis: Es muss sich wohl um eine Kanonenkugel handeln. Die Neugierde war groß: Wie kam diese Kugel unter die Erde, ausgerechnet an der Hauswand eines Gebäudes aus dem Jahre 1933?

Spurensuche in die Vergangenheit

Aus einer "Liebe zum Alten und zu Klüngel" und einem Interesse an lokaler Historie begann Brigitte Werda mit ihrer Recherche, die sie zunächst zur Stadt Witten führte. Da landete sie aber in der Warteschleife. Sie versuchte es weiter, recherchierte eigenständig im Netz und kam so auf einen Bericht über eine Essener Familie, die am Baldeneysee einen ähnlichen Fund machte. In Essen war man zwar interessiert, aber leider nicht zuständig, so wurde Werda nach Münster verwiesen, dort wiederum ans LWL, genauer an die Bodendenkmalpflege oder archäologische Pflege. Dort nahm sich Archäologe Manuel Zeiler ihres Falles an. "Er war sofort begeistert", erzählt Werda.
Gemeinsam mit LWL-Mitarbeiter Manuel Zeiler ging die Arbeit nun richtig los, galt es doch zu bestimmen, aus welcher Zeit die Kugel mit einem Durchmesser von etwa elf Zentimetern und einem überraschenden Gewicht von vier Kilogramm stammen könnte. "Es handelt sich um einen sogenannten Sechs-Pfünder aus Eisen, die sind relativ schwer und eher selten", berichtet Zeiler. Er konnte mit den Angaben die Kugel ins 17. bis 19. Jahrhundert datieren. "Sowohl der 30-jährige als auch der siebenjährige Krieg sind möglich", so Zeiler weiter.

Genaue Herkunft bleibt unklar

Warum die Kanonenkugel nun ausgerechnet an der Hauswand von Brigitte Werda lag, bleibt allerdings unklar. Möglich wäre, dass es sich um einen Verlustfund handelt, denn in Kampfhandlungen war die Kugel wohl nicht verwickelt - sonst wäre sie zersplittert. Vielleicht hat jemand die Kugel aufgrund des Eisenwertes mitgehen lassen, um sie einmal einzuschweißen. Die genaue Ursache wird wohl im Verborgenen bleiben.
Nun ist die Kanonenkugel aber wieder an die Oberfläche gekommen, wo sie einen "Ehrenplatz" bei Brigitte Werda und Thomas Balkenhol bekommen wird. Denn: "Laut Denkmalschutzgesetz muss ein Fund nur ans Land zurückgegeben werden, wenn dieser von hoher wissenschaftlicher Bedeutung ist", erläutert Manuel Zeiler. Entweder muss dafür das Objekt einzigartig für die Geschichte der Menschheit sein (wie zum Beispiel die Himmelsscheibe von Nebra) oder für den historischen Kontext bedeutsam sein. Beides trifft auf Brigitte Werdas Kugel nicht zu, sie darf sie also behalten. Wer ebenfalls einen interessanten Fund macht, der gegebenenfalls historisch relevant sein könnte, kann sich direkt an Manuel Zeiler vom LWL unter manuel.zeiler@lwl.org wenden.

Autor:

Nicole Martin aus Witten

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