Lachen und Weinen lagen nah beieinander
Begründerin der Kinder- und Jugendtrauerbegleitung Mechthild Schröter-Rupieper zu Gast im Theater mini-art

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Journalisten sollten sachlich berichten, hab ich irgendwo mal gelesen. Da bin ich aber froh, dass ich BürgerReporterin bin, denn beim Thema Trauer sachlich zu bleiben, gelingt nur den wenigsten. Ich hoffe, die eine Geschichtenschreiberin ;-) kann zumindest annähernd Einblicke in diesen hoch emotionalen Abend und die zahlreichen zu Herzen gehenden Erzählungen der anderen Geschichtenschreiberin vermitteln!

Ein emotionaler Abend

Es muss wohl so sein. Dass auf der Rückfahrt von dieser aufwühlenden Lesung Nirwanas Song "Come As You Are" im Radio gespielt wird. Und damit an den 25. Todestag von Sänger Kurt Cobain erinnert wird. Ich stelle das Radio auf volle Pulle und gröhle lauthals mit. Auch eine Art, mit den Bildern, die ganz unvermutet und doch so folgerichtig in mir hochkommen, fertig zu werden. Bilder eines Abschieds, wie sie wohl jeder schon einmal in seinem Leben durchlebt und durchlitten hat.

Was am eindrucksvollsten bei mir angekommen ist? Zum einen, dass die Elterngeneration mit bestem Willen und Verstehen völlig anders mit Trauer und Schicksalsschlägen umgegangen ist, als es heute langsam versucht wird, zu leben. "Du bist jetzt der Mann der Familie", wird beispielsweise einem 5-Jährigen mit auf den Weg gegeben, dessen Vater gerade gestorben ist. "Du musst nun stark sein", der gut gemeinte Ratschlag der Großeltern. Doch Trauer bahnt sich früher oder später ihren Weg, und dann ist es schwer zu erkennen, dass Wut oder Frustration Spätfolgen unterdrückter Trauer sein können. 

Viel miteinander reden und erklären

Überaus einleuchtend der Appell von Mechthild Schröter-Rupieper an die Eltern, ihre Kinder an die Hand zu nehmen und mit ihnen zusammen durch die Trauer um Opa oder Oma zu gehen. Gemeinsam zur Beerdigung zu gehen und Fragen offen zu beantworten.  Denn heutzutage passiert es viel zu häufig in Altenheimen und auch Krankenhäusern, dass sich Pflegekräfte scheuen, sterbende Patienten oder Bewohner zu begleiten. Lieber wählen sie aus Furcht den Weg am Zimmer dieser Menschen vorbei. Doch einmal wird auch unsere Generation alt und auf dem Sterbebett liegen. Würden wir uns da nicht eine empathische Begleitung wünschen?

Apropos Fragen beantworten, Mechthild Schroeter-Rupieper warnt auch davor, eigene Ängste auf den Nachwuchs zu übertragen oder Kinder in Unklarheit über Tod und Beerdigung zu lassen. Denn dadurch entstehen im Kinderkopf beängstigende Szenarien: "Hat man Papa alle Knochen gebrochen, damit er in die Urne passt?" wurde sie von einem Kind gefragt. Sie bleibt in ständiger Interaktion mit ihrem Publikum. Sie "redet mit den Händen" und visualisiert das, was ihr wichtig ist - die Narben auf dem Herzen oder den Überdruck der Gefühle - mit einem ganz besonderen tränenden Herz, einer Dose mit Überraschungseffekt und einem Handschuh über der Hand für Körper und Seele.

Lachen mit Tränen in den Augen 

Und nein, es ist nicht "tod"ernst auf dieser Lesung. Eine Geschichte von Schröter-Rupierper handelt von einer liebevollen Parfumverkäuferin, ein anderes Erlebnis vom Springseil springen mit Hindernissen. Wir finden uns wieder, vergleichen mit unseren Erfahrungen. Und mal ist es auch ein Lächeln mit Tränen in den Augen, als ein Gast von seinem Besuch im Supermarkt erzählt, wo er die Lieblings-Ostereier seiner verstorbenen Mutter sieht. Danke, dass Du uns an Deiner Erfahrung hast teilhaben lassen!

Danke auch an Mechthild für die tollen Gedankenanstöße in Sachen Trauerbewältigung und -begleitung. An Herzenswunsch Niederrhein, die schon einige Kinder- und JugentrauerbegleiterInnen hat ausbilden lassen. Und natürlich an Crisha Ohler und Sjef van der Linden vom Theater mini-art, die diesen Abend mit vielen interessierten Besuchern in Bedburg-Hau möglich gemacht haben.

Autor:

Christiane Bienemann aus Kleve

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