Jakob Arnold gewährt mit seiner „Woyzeck“-Inszenierung im Prinzregenttheater erschütternde Einblicke in eine wahnhaft verzerrte Welt

Der Doktor (Sophie Killer, l.) treibt ein übles Spiel mit Woyzeck (Helge Salnikau).
  • Der Doktor (Sophie Killer, l.) treibt ein übles Spiel mit Woyzeck (Helge Salnikau).
  • Foto: Schuck
  • hochgeladen von Nathalie Memmer

In Jakob Arnolds „Woyzeck“-Inszenierung am Prinzregenttheater wird eines auf bestürzende Weise deutlich: Der Soldat Franz Woyzeck hat – außer seinem Kind – alle gegen sich, seine untreue Freundin Marie, seine Vorgesetzten und andere gesellschaftlich Höhergestellte, die sensationsgierige Öffentlichkeit, die den psychisch Kranken begafft.

Um das zu zeigen, hat Arnold, dessen Arbeit im Rahmen der Zusammenarbeit der renommierten Bühne mit dem Studiengang Regie der Folkwang Universität der Künste entstanden ist, einen raffinierten Kunstgriff gewählt, um Georg Büchners Dramenfragment aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts für die Zuschauer zugänglich zu machen: Woyzeck ist mit Helge Salnikau, Marie und alle anderen Rollen mit Sophie Killer besetzt.

Ein ganz besonderes Bühnenbild

Das scheinbar transparente Bühnenbild erlaubt es Woyzecks „Gegnern“ doch, unvermittelt aus dem Verborgenen aufzutauchen. Diese Opponenten machen Woyzeck klein, geben ihn der Lächerlichkeit preis, quälen ihn. Die einseitige Diät, die ihm ein Arzt zu Forschungszwecken, vor allem aber um seinen Sadismus zu befriedigen, verordnet, muss zu Schäden an Körper, Geist und Seele führen. Woyzecks Verzweiflung entlädt sich am Ende auf grauenhafte Weise.

Einprägsame sprachliche Bilder

Trotz – oder wegen – seiner Wahnvorstellungen gelingt es Woyzeck immer wieder, sein Verhältnis zur Welt in einprägsame sprachliche Bilder zu kleiden. Die neben Gerhart Hauptmanns Rose Bernd wohl erbarmungswürdigste Gestalt der deutschsprachigen Dramenliteratur wird von Salnikau ergreifend gespielt. Killer füllt ihre verschiedenen Rollen mit Lust an der satirischen Überspitzung aus. - Ein ganz besonderer Theaterabend, der ein Schlaglicht auch auf die heutige Stigmatisierung von Außenseitern wirft.

Termine
Das Prinzregenttheater, Prinz-Regent-Straße 50-60, zeigt „Woyzeck“ wieder am Samstag, 27. Januar, um 19.30 Uhr.
weitere Termine: Sonntag, 28. Januar, 18 Uhr; Samstag, 17. Februar, 19.30 Uhr; Sonntag, 18. Februar, 18 Uhr; Freitag, 23. März, 19.30 Uhr; Samstag, 24. März, 19.30 Uhr.
Das Theater ist unter Tel.: 77 11 17 zu erreichen.

Autor:

Nathalie Memmer aus Bochum

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