Auf Krisen vorbereiten
Stadtdirektor Sebastian Kopietz über die Arbeit des Krisenstabs und smarte Infrastruktur

Bochums Stadtdirektor Sebastian Kopietz beim Pressegespräch.  | Foto: Vera Demuth
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Im Dauereinsatz ist der im Februar 2020 wegen der Coronapandemie eingerichtete Krisenstab der Stadt Bochum seit zweieinhalb Jahren. Zum einen ist die Pandemie noch nicht vorüber; zum anderen beschäftigen die Stadtverwaltung seit diesem Februar die Folgen des Angriffskriegs auf die Ukraine. Zurzeit bereite sich die Stadt auf die Energiemangellage vor, erklärt Stadtdirektor Sebastian Kopietz, der auch Leiter des Krisenstabs ist.

Von Vera Demuth

Maßnahmen, wie die Stadt mit der Energiekrise umgehen will, liefert Kopietz allerdings noch nicht. „Wo wird das Licht ausgeschaltet? Dazu können wir heute noch nichts Konkretes sagen.“ Zurzeit erarbeitet eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe kommunale Maßnahmen zum Energiesparen. Danach soll ein politischer Beratungsprozess folgen, bevor Mitte August ein „größeres Paket“ vorgelegt werden soll. Dass es sich um eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe handelt, daran lässt Kopietz keinen Zweifel. „Jeder Kubikmeter und jede Kilowattstunde, die wir nicht verbrauchen, helfen.“ Dies betreffe Industrie, Stadtverwaltung und Privatpersonen.

Vorbereiten auf Extremwetter

Auch das Hochwasser im Juli 2021 beschäftigte den Krisenstab. Mit Blick auf den Klimawandel betont Kopietz, dass solche extremen Wetterereignisse zunähmen. „Jeder muss sich fragen: Bin ich vorbereitet?“, appelliert er an die Bochumer Bürger. Tipps zur Notfallvorsorge, zum Beispiel zur Selbstbevorratung, bietet die Stadt unter www.bochum.de/krisenfall.
Ebenfalls vorbereitet sein will die Stadt, wenn es im Herbst eine neue Coronawelle geben sollte. „Nach wie vor erkranken Menschen schwer und sterben“, macht der Stadtdirektor deutlich. Daher weist er darauf hin, in Innenräumen vorsichtig zu sein, zu lüften und Maske zu tragen. Zur notwendigen Vorbereitung gehört es nach Kopietz' Ansicht auch, zum Herbst hin die Home-Office-Regelung reaktivieren zu können. Impfungen gegen das Coronavirus sind weiterhin montags bis freitags von 14 bis 16 Uhr im Gesundheitsamt möglich.

Echtzeitdaten für die Feuerwehr

Um die Sicherheit der Bochumer geht es auch bei der Fire-App, mit der sich die Smart City Innovation Unit (SCIU) auseinandersetzt. Die SCIU, der Mitarbeiter von Stadt und Stadttöchtern angehören, hat vor einem Jahr ihre Arbeit aufgenommen und wird mit 15,2 Millionen Euro vom Bund gefördert. Die vor drei Monaten eingeführte Fire-App ist ein digitales Einsatzunterstützungssystem für Feuerwehr und Rettungsdienst. In Echtzeit können die Einsatzkräfte per Tablet unter anderem Daten zum aktuellen Einsatz, 3D-Ansichten des Einsatzortes, Feuerwehrlaufkarten von Gebäuden mit Brandmeldesystemen sowie Karten mit allen Hydrantenstandorten abrufen. Sollte die Verbindung mal ausfallen, stehen die Karten auch offline zur Verfügung.
Um die Rattenbekämpfung im Kanalnetz kümmert sich die SCIU ebenfalls. Schon lange werden die Fallen funküberwacht. Bislang mussten sie jedoch per Auto angefahren werden, um überprüfen zu können, ob die Fallen belegt sind. "Ein Riesenaufwand", sagt Kopietz. Stattdessen werden die Daten nun per LoRaWAN-Funknetzwerk übertragen.

Baumbewässerung automatisieren

Das LoRaWAN-Netz kommt zudem bei der elektronischen Bodenfeuchte-Messung zum Einsatz, die die SCIU derzeit an drei Orten erprobt. An Universitäts-, Wasserstraße und im Westpark sind Bäume mit Bodensensoren versehen. Mit Hilfe dieser Daten in Kombination mit Wetterinformationen des Deutschen Wetterdienstes sollen automatische Routinen für die Bewässerung der Stadtbäume entwickelt werden. Später sind weitere Einsatzorte angedacht. "Wir sind dabei, Erfahrungen zu sammeln", erklärt Kopietz.

Autor:

Vera Demuth aus Bochum

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