MKM Museum Küppersmühle für Moderne Kunst
Klang der Stille - Retrospektive zu Raimund Girke im MKM

Zum 20. Todestag von Raimund Girke (1930-2002) zeigt das Museum Küppersmühle eine umfangreiche Retrospektive
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Zum 20. Todestag von Raimund Girke (1930-2002) zeigt das Museum Küppersmühle im Innenhafen Duisburg eine umfangreiche Retrospektive unter dem Titel "Klang der Stille". Die Ausstellung umfasst 130 Werke aus fast 50 Schaffensjahren.

Gegenständliche Malerei hat Raimund Girke nicht interessiert. Schon früh hat er sich der Abstraktion verschrieben. Dabei hat sich Girke wie kaum ein anderer mit der sogenannten Nichtfabe Weiß beschäftigt. Für Girke war Weiß die "Königin der Farben" überhaupt. Er hat sie in den verschiedenen Phasen seines Schaffens geradezu erforscht und ausgelotet.

Raimund Girke sagte dazu:
„vielfarbigkeit lässt die farbe nicht zur wirkung kommen, es besteht ständige
konkurrenz. in der beschränkung auf eine farbe kommt diese zur vollen
ausstrahlung ihrer intensität. die hellste farbe, die strahlendste und intensivste
farbe ist das weiß. weiß ist die königin der farben; denn die farben sind
„taten des lichts“ (goethe) und weiß ist die farbe, die dem licht am nächsten
ist. schwarz und grau steigern das weiß, sie tragen es und spielen nur eine
untergeordnete, dienende rolle. sie modulieren das weiß in feinsten nuancen
und bringen es zum schwingen, sie vermitteln ihm über den ganzen bildbereich
hin eine kontinuierliche bewegung und damit leben. schwarz, grau und weiß
wechseln in dichter folge ständig ab und erzeugen die genannten schwingungen.“

(In: Das einfache das schwer zu machen ist (Kat.), Galerie Adam Seide, Hannover 1960)

Weiß ist die "Königin der Farben"

Schon gegen Ende der 1950er Jahre malt er fast monochrome Bilder. Er reduziert seine Palette auf wenige Farben, strukturiert die Bildoberfläche. Auch seine Maltechnik reduziert er immer mehr. Mit zunehmender Verfeinerung des Pinselstrichs greift er schließlich in den 1960er Jahren zur Spritzpistole, die ihm einen gleichmäßigen und homogenen Auftrag der nun fast ausschließlich weißen Farbe auf die Bildfläche ermöglicht. Diese Bilder sind fein strukturiert, mit kaum wahrzunehmenden Texturen, mit leichten Licht- und Schattenwirkungen. Eine Herausforderung an die Wahrnehmung.

Ab Beginn der 1970er Jahre ändert sich seine Maltechnik. Die feine Spritztechnik ersetzt er durch ausdrucksstarke, breite Pinselstriche. Es kommen mehr Bewegung und Tiefe in das Bildgeschehen.
Seit Mitte der 1980er Jahre lässt Girke mehr Farben wie Erdfarben und vielfältige Blautöne zu. Es entstehen dynamische, energiegeladene Bilder mit breiten, kraftvollen Pinselstrichen, die in Schichten mit- und gegeneinander oder vernetzt übereinander liegen. Diese Bilder haben eine große Tiefenwirkung, sie ziehen einen geradezu in sich hinein.

Klang der Stille

Klang der Stille - warum dieser Titel für die Ausstellung? Ihr Vater hat viel Musik, - auch beim Malen gehört, so erzählt Madeleine Girke, Tochter und Nachlassverwalterin, die mit Walter Smerling, Direktor des MKM, die Ausstellung kuratiert hat. Wie ein Musiker mit seiner Musik Empfindungen ausdrücken will, so will das ein Maler mit Farbe, Form und Pinselstrich. Kraftvolles und Feines, zur Meditation anregendes sind in dieser Ausstellung zu finden. Im übertragenen Sinne also Lautes und Leises und auch Stille. So liegt es nahe, dass auch Konzerte mit den Duisburger Philharmonikern in der Girke-Ausstellung geplant sind. Ein schöner und passender Rahmen.

Laufzeit der Ausstellung: vom 18.03. bis 26.06.2022
Der Katalog zur Ausstellung erscheint im April
Jeden Donnerstag freier Eintritt für Duisburger/innen gegen Vorlage des Personalausweises
Öffnungszeiten und weitere Informationen unter www.museum-kueppersmuehle.de

Die Fotos entstanden bei der Vorbesichtigung der Ausstellung.
Viel Freude beim Anschauen.

Biografie:
Wer mehr zu Raimund Girke erfahren möchte, hier Informationen der Pressestelle des MKM zu seiner Biografie:
Am 28. Oktober 1930 wurde Raimund Girke in Heinzendorf bei Breslau als Sohn des Lehrers und Schulleiters Arthur Girke und seiner Frau Elise Girke geboren.
Ende des zweiten Weltkriegs floh die Familie aus Niederschlesien und ließ sich im Osnabrücker Land nieder. Nach seinem Abitur 1951 in Quakenbrück studierte Girke bis 1952 an der Werkkunstschule Hannover und anschließend bis 1956 an der Staatlichen Kunstakademie in Düsseldorf, zuletzt bei Georg Meistermann.
1959 erhielt er den Preis der Stadt Wolfsburg für Malerei und 1962 den Kunstpreis der Jugend Baden-Württemberg. Von 1966 bis 1971 war er Dozent an der Werkkunstschule Hannover, von 1971 bis 1996 Professor an der Hochschule der Künste Berlin. Seit den 1980er-Jahren hatte Girke ein Atelier in Köln. 1995 erhielt er den Lovis-Corinth-Preis, 2002 den niedersächsischen Kunstpreis. Am 12. Juni 2002 verstarb Raimund Girke in Köln.

Auf frühe bahnbrechende Gruppenausstellungen zur monochromen Malerei, u.a. 1960 im Städtischen Museum Leverkusen, Schloß Morsbroich, und 1965 im De Cordova Museum, Lincoln, Mass., folgten bald Einzelausstellungen, etwa 1967 im Städtischen Kunstpavillon Soest, 1969 in der Kestner-Gesellschaft Hannover und 1974 im Städtischen Kunstmuseum Bonn. 1977 nahm Girke an der documenta 6 in Kassel teil. Weitere Gruppen- und Einzelausstellungen schlossen sich an, u.a. 1975 im Stedelijk Museum, Amsterdam, 1982 im Kunstmuseum Düsseldorf und 1994 in der Zeche Zollverein. 1995/96 wurde eine erste umfassende Retrospektive an den Stationen Sprengel-Museum Hannover, Von der Heydt-Museum Wuppertal, Saarlandmuseum Saarbrücken und der Kunsthalle Nürnberg gezeigt. 2000 fand in den Kunstsammlungen Chemnitz anläßlich von Girkes 70. Geburtstags seine letzte große Einzelausstellung zu Lebzeiten statt.
Nach seinem Tode 2002 wurden ihm neben zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland umfangreiche Retrospektiven im Josef Albers Museum Quadrat Bottrop (2009), zum 10. Todestag im Museum Kurhaus Kleve (2012) und zum 90. Geburtstag im Kolumba Kunstmuseum Köln (2020) gewidmet.

Autor:

Andrea Gruß-Wolters aus Duisburg

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