Marxlohs Image als Studienobjekt
Soziologie-Studenten der Uni Duisburg-Essen untersuchten Marxlohs "schlechten" Ruf

Die am Projekt beteiligten Studierenden vor dem Gerhard-Marcator-Haus auf dem Campus Duisburg. Foto: Bartosz Galus
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  • Die am Projekt beteiligten Studierenden vor dem Gerhard-Marcator-Haus auf dem Campus Duisburg. Foto: Bartosz Galus
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Das Gerhard-Mercator-Haus auf dem Campus Duisburg war bis auf den letzten Platz gefüllt. Doch nicht etwa wegen einer Vorlesung, sondern wegen einer Projektvorstellung zu einem brisanten Thema: dem Stadtteil Marxloh. Studierende des Instituts für Soziologie (IFS) hatten über mehrere Semester hinweg zum Image des sogenannten „Problemstadtteils“ geforscht, Interviews geführt, Artikel ausgewertet. Jetzt wurden die Ergebnisse vorgestellt.

„No-Go-Area“, viel Clan-Kriminalität und marode Häuser. Die Assoziationen zum Stadtteil Marxloh haben sich in den letzten Jahren alles andere als zum Positiven gewandelt. Einzig wer heiraten will oder eine Schwäche für orientalisches Gebäck hat, dem sei ein Besuch in Marxloh zu empfehlen, heißt es oft. Doch wer ist eigentlich verantwortlich dafür, dass Marxloh aktuell den Ruf eines Problemstadtteils inne hat? Und noch wichtiger: Was ist dran an diesem Ruf? Mit diesen und weiteren Fragen haben sich Master-Studierende der Soziologie an der Uni Duisburg-Essen (UDE) befasst und sind zu interessanten Ergebnissen gekommen.

Die eine Seite des Forschungsprojektes befasste sich mit der Perspektive der Menschen vor Ort in Marxloh. Dazu fuhren die Studierenden mehrfach in den Stadtteil und führten Interviews mit Menschen unterschiedlicher sozialer Stellungen. „Wir haben mit Vertretern aus der Politik gesprochen, mit Angehörigen der Kirche, Gewerbetreibenden und weiteren Personengruppen“, erklärt Valentin Rottensteiner, einer der beteiligten Studenten. Damit habe man versucht, einen Querschnitt durch die gesellschaftlichen Strukturen in Marxloh zu ziehen, ergänzt Valentin Rottensteiner. Um aus den Interviews aber wissenschaftliche Ergebnisse abzuleiten, mussten die Studierenden anschließend die Aussagen der Befragten noch mit ihren sozialen Umständen in Zusammenhang setzen.

Schlechter Ruf eilt Marxloh voraus

Der erste Befund der Studierenden ergab, dass das schlechte Image Marxlohs nicht der gelebten Realität vor Ort entspreche, betonte Franziska Loos und ergänzte: „Das eine Image gibt es nicht. Aufgrund verschiedener Perspektiven muss man hier von einem gemischten Image sprechen.“ Ob Marxloh dabei als „hoffnungsloser Fall“ oder als „Stadtteil mit Potenzial“ angesehen werde, hinge oftmals davon ab, inwiefern sich die Menschen am gesellschaftlichen Leben Marxlohs beteiligen,so die Auswertung der Soziologen. Wer sich umfassend mit dem Stadtteil und den sozialen Angeboten vor Ort beschäftigt, der habe tendenziell ein erheblich positiveres Bild auf Marxloh.

Im zweiten Teil der Präsentation ging es schließlich um die Sicht der Medien auf Marxloh. Das Ergebnis: Auch innerhalb der Medien werden unterschiedliche Sichtweisen auf den Stadtteil konstruiert. Samir El Faramawy erklärt: „Nicht nur die Inhalte, sondern auch die Art und Weise der Thematisierung unterscheiden sich deutlich zwischen Berichterstattungen der lokalen und nationalen Medien.“

Medien prägen schlechtes Image mit

„Während in lokalen Zeitungen zumeist über aktuelle Projekte und die Menschen vor Ort berichtet wird“, so Samir El Faramawy, werde in nationalen Berichterstattungen oft über Clan-Kriminalität und Gewalt berichtet, wodurch der Ruf als No-Go-Area erst konstruiert werde. Folgt man den Ergebnissen der Studierenden, ist Marxloh also nicht so schlecht wie sein allgemeiner Ruf. Es gebe durchaus Sichtweisen auf den Stadtteil, die jenseits von „Gefahrenzone“ oder „Schandfleck“ liegen und seine positiven Seiten betonen.

Autor:

Sascha Mangliers aus Duisburg

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