Es kommt so viel zurück - Blick auf Beziehungen hat sich verändert
Seit drei Jahren arbeitet Tanja Grimm in der Sterbebegleitung - aus Überzeugung

Tanja Grimm ist eine Frau, die gerne und viel lacht. Die Arbeit in der Sterbebegleitung hat die 39-Jährige bewusster werden lassen. Auch und vor allem, was Beziehungen angeht.
  • Tanja Grimm ist eine Frau, die gerne und viel lacht. Die Arbeit in der Sterbebegleitung hat die 39-Jährige bewusster werden lassen. Auch und vor allem, was Beziehungen angeht.
  • Foto: Brändlein
  • hochgeladen von Christa Herlinger

 „Ich hätte nie gedacht, dass ich das kann. Ich habe auch nie nach einem Ehrenamt gesucht, das hat mich gefunden.“ Tanja Grimm strahlt über das ganze Gesicht, wenn sie von ihrer Arbeit erzählt. Die Sterbe- und Trauerbegleiterin hat ihren Weg gefunden. Im Cosmas und Damian Hospiz in Borbeck steht sie Sterbenden in ihrer letzten Lebensphase bei.

Tanja Grimm ist ein Mensch, der gerne und viel lacht. Als sie vor vielen Jahren einen Bericht über Hospizarbeit im TV sieht, war sie fasziniert von der Offenheit und dem Mut, mit dem über die Arbeit berichtet wurde. Trotzdem war ihr sofort klar: „Das ist nicht meins“.

Kann ich das überhaupt?

Jahre später entdeckte sie im Borbeck Kurier die Einladung zu einem Infoabend für den nächsten Sterbebegleitungs-Kurs. „Das habe ich registriert und wieder weggelegt“, erinnert sie sich. Nachdem sie einen Artikel über das Cosmas und Damian Hospiz in Borbeck gelesen hatte, wurde diese Entscheidung aber noch einmal überdacht. Grimm ist zum Infoabend gegangen und war begeistert. Doch schon kamen die Zweifel wieder. "Kann ich das? Halte ich das aus? Oder muss ich die ganze Zeit weinen?"

Das Beste, was ich machen konnte

2015 hat Tanja Grimm Nägel mit Köpfen gemacht. Die junge Frau hat sich zum Befähigungskurs zur Sterbebegleitung angemeldet. Auch damals noch „immer mit der Option, das kann ich auch abbrechen." Versuchen wollte sie es aber in jedem Fall. Seit drei Jahren arbeitet die gelernte Justizangestellte jetzt in der Sterbebegleitung und ist heute überzeugt: „das war das Beste, was ich machen konnte“.

Thema ist angstbehaftet

Das Thema Tod und Sterben ist bei vielen Menschen angstbehaftet, da war Grimm keine Ausnahme. „Um diese Arbeit leisten zu können, muss man relativ gefestigt sein. Wichtig ist, dass man sich vorher klarmacht, dass es während des Befähigungskurses auch um die Reflektion des eigenen Lebens und der eigenen Verluste geht“, erklärt die 39-jährige. Nähe-Distanz-Übungen, Handreichungen am Krankenbett, ein Besuch beim Bestatter und Informationen über die Patientenvollmacht sind nur einige Themen des Kurses.

Unterstützung ist optimal

„Ich dachte im Vorfeld immer, ich kann das nicht. Aber die Arbeit sowohl in der Gruppe als auch mit den zu Begleitenden ist so erfüllend, weil man unglaublich viel zurückbekommt.“
Grimm fühlt sich von den anderen ehren- und hauptamtlichen Mitarbeitern sehr gut unterstützt. „Wir werden ganz toll begleitet hier, haben regelmäßige Supervisionen. Man fühlt sich hier gut aufgehoben“, freut sie sich.
Wichtig ist der Borbeckerin auch der Ausgleich zur oft emotionalen Arbeit. Ihre Familie, der Lebenspartner und ihr Freundeskreis sind ihr noch wichtiger geworden. „Der Blick auf die Beziehungen um einen herum hat sich verändert“, erklärt sie. „Sie sind viel mehr in den Fokus geraten und mir ist bewusster geworden, wie wichtig es ist, Beziehungen zu pflegen."

Autor:

Christa Herlinger aus Essen-Borbeck

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