Eigentümer stellen erstmals Pläne zum Erhalt des Hauses vor
Kettwiger Villa soll stehenbleiben

Ratsherr Guntmar Kipphardt, Eigentümer Horst Faltus und Architekt Armin Holle vor der Villa. 
Foto: privat
  • Ratsherr Guntmar Kipphardt, Eigentümer Horst Faltus und Architekt Armin Holle vor der Villa.
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Das Schicksal der Villa am Bögelsknappen bewegt die Gemüter, nicht nur in Kettwig. Jetzt liegen konkrete Pläne des Eigentümers vor: Der historische Teils des Gebäudes soll stehenbleiben.

Horst Faltus ist Geschäftsführer der Kettwiger Firma „PromA Ateliers“ und betont: „Selbstverständlich bleibt die Villa erhalten.“ Als Eigentümer des Streitobjektes habe er einiges an Gegenwind aushalten müssen. Nach Bekanntwerden von Bauplänen auch auf dem Nachbargrundstück sei er persönlich ins Kreuzfeuer geraten. Die öffentliche Diskussion werde mit harten Bandagen geführt. Dennoch habe man Geduld an den Tag gelegt: „Es ist uns bewusst, dass wir hier von einem stadtbildprägenden Haus sprechen. Deswegen haben wir uns auch so viel Zeit genommen. Wir wollten eine wirklich tragfähige Lösung präsentieren können. Die Villa ist ein Projekt, das mir am Herzen liegt. Ich fand sie immer erhaltenswert und bin froh, dass nun ein Konsens durchführbar ist. Viele Kettwiger sind eng verbunden mit dem Gebäude. Deshalb war mir sehr wichtig, dass sie zuerst erfahren, was geplant ist. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, mit den Plänen an die Öffentlichkeit zu gehen.“

Vertrauen aufgebaut

Guntmar Kipphardt nickt. Der Kettwiger CDU-Ratsherr moniert, niemand habe ernsthaft das Gespräch gesucht mit den Eigentümern. Er selbst habe sich frühzeitig getroffen mit den Verantwortlichen, um die Möglichkeiten abzuklopfen. Das habe auch mit dem Aufbau von Vertrauen zu tun: „Wir sind seit zwei Jahren im Gespräch. Das war zunächst sehr anspruchsvoll, im Laufe der Zeit haben wir uns aber angenähert. Jetzt können wir Licht ins Dunkel bringen. Die Villa bleibt stehen.“ Horst Faltus betont: „Herr Kipphardt hat sich immer ganz offensiv für dieses Objekt eingesetzt.“ Zum Umbau des historischen Gebäudes meint der Eigentümer: „In jetzigem Zustand macht es keinen Sinn. Wir möchten etwas bauen, mit dem alle leben können in den nächsten Jahrzehnten.“

Das ursprüngliche Haus

Als Partner hat Horst Faltus sich einen Architekten erwählt, der Expertise mitbringt. Armin Holle erläutert die Grundlagen seiner Überlegungen: „Wir wollen nicht das erhalten, was zurzeit ist. Vielmehr haben wir recherchiert und das ursprüngliche Haus entdeckt.“ Man wolle sich trennen von späteren Erweiterungen: „Das sind Funktions-Anbauten, die dem Gebäude nicht den Respekt zollen, den es verdient hat.“ Der hintere Anbau sei nicht erhaltungswürdig: „Alles ist verbaut, durch die versetzten Ebenen nicht barrierefrei darzustellen, der Keller nicht sattelfest.“ Horst Faltus ergänzt: „Vier Bauepochen haben sich vermengt in einem Gebäude.“ Armin Holle betont, die Verwandlung in eine dem Originalzustand gerecht werdenden Form sei um einiges teurer als ein Neubau. Und doch wolle man sich dieser anspruchsvollen Aufgabe widmen.

Historisches Vorbild

Armin Holle präsentiert seine Pläne und erklärt: „Wir wollen uns stark der alten Optik annähern, zum Beispiel die großen Rundbogenfenster wieder darstellen. Sogar die alten Fledermaus-Gauben kehren zurück. Es werde ein Riesenaufwand, alles in das Antlitz zu verwandeln, wie es einst war: „Das Dach ist marode und in seiner Statik gefährdet. Das gilt auch für die Decken.“ Die nachträgliche eingebaute Tür mit Treppe soll zurückgebaut, der Bruchsteinsockel frei gelegt und wieder aufgebaut werden. Am Giebel soll das unter Schiefer verschwundene Fachwerk frei gelegt werden. Horst Faltus wünscht sich die Villa wieder deutlich näher am historischem Vorbild: „Damit sie ein Gesicht bekommt, mit dem man einverstanden sein kann.“ Der Eigentümer weiß um die Dimensionen: „Dieses Objekt stellt uns vor technische und wirtschaftliche Probleme.“ Armin Holle legt dar, dass für eine reine Wohnnutzung moderne Grundrisse vorgesehen seien und neueste energetische Standards.

Politische Einflussnahme

Guntmar Kipphardt ist Vorsitzender des zuständigen Ratsausschusses und fragt: „Wie geht das jetzt weiter? Das Ganze muss sich wirtschaftlich darstellen. Es täte den Kettwigern weh, wenn das Gebäude weg käme. Das Grundstück ist aber nach § 34 BauGB zu beurteilen und entzieht sich somit einer politischen Einflussnahme. Also gab es nur die Chance, mit dem Eigentümer eine Vereinbarung zu treffen über den Verkauf und die Bebauung des städtischen Hinterlieger-Grundstücks.“ Die Firma „PromA Ateliers“ hatte als Höchstbietender die Ausschreibung bereits gewonnen, doch sowohl die BV IX als auch der Ausschuss hatten den Verkauf des Grundstücks gestoppt. Der Ratsherr verdeutlicht: „Politik ist die Kunst des Machbaren.“ Der Verkauf des eigentlich nur für den Eigentümer des vorderen Grundstückes interessanten Geländes sei ein gangbarer Weg. Hier habe Politik einen Hebel in der Hand.

Grundstücksverkauf

Für die nächste Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung, -planung und Bauen (ASPB) werde es einen gemeinsamen Antrag von CDU und Grünen geben. Beide Ratsfraktionen hätten sich im Architekturbüro Holle ausführlich informieren lassen und viele spezifische Fragen gestellt, auch und ganz besonders zu den ökologischen Auswirkungen einer Bebauung des hinteren Grundstückes. Horst Faltus betont, für den Eingriff in die Natur werde an anderer Stelle ein adäquater Ausgleich geleistet. Guntmar Kipphardt verströmt Zuversicht. Nach regen Diskussionen könnten beide Fraktionen der Gesamtplanung viel abgewinnen, sodass sich nun die Chance ergebe, einen Antrag an die Verwaltung zu stellen, den Verkauf des hinteren Grundstücks zu tätigen, wenn denn die geforderten Parameter wie Erhalt der Villa erfüllt würden: „Ich glaube, dass wir eine große Einigkeit herstellen können in der Politik.“ Im Kooperationsvertrag von CDU und Grünen werde ausdrücklich hingewiesen auf den Erhalt solcher Objekte: „Wir meinen das ernst.“

Sven Köhler ist Sprecher der CDU im ASPB und weiß sich im Schulterschluss mit den Grünen: „Uns war es wichtig, dass bei einer Bebauung die Villa erhalten bleibt. Das gelingt über den Verkauf des hinteren Grundstückes. Ohne diesen Verkauf besteht die Gefahr, dass die Villa abgerissen wird. Das gilt es zu vermeiden.“
Christoph Kerscht ist Fraktionsvorsitzender und planungspolitischer Sprecher der Grünen: „Wir haben da einen Konflikt. Einerseits freuen wir uns, dass es ein Konzept gibt, die Villa zu erhalten.“ Zur geplanten Bebauung auf dem Hintergrundstück meint Christoph Kerscht: „Wir hätten uns allerdings gewünscht, dass die Baukörper kleiner würden. Nach wie vor sind wir der Meinung, dass zu viel von der Natur genommen wird. Die Villa ist uns aber wichtig, daher tragen wir das Konzept mit.“

Autor:

Daniel Henschke aus Essen-Werden

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