Theater im Rathaus Essen: Interview mit Ilja Richter zu "Du kannst nicht immer 60 sein"

Ilja Richter gastiert zusammen mit Ulrich-Michael Heissig mit "Du kannst nicht immer 60 sein" im Theater im Rathaus Essen.
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  • Ilja Richter gastiert zusammen mit Ulrich-Michael Heissig mit "Du kannst nicht immer 60 sein" im Theater im Rathaus Essen.
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Ilja Richter ist wieder da. Auf der Bühne des „Theater im Rathaus“ präsentiert noch bis zum 29. Juni die Bühnenfassung seines Buches „Du kannst nicht immer 60 sein“. Ein Stück, das allein schon durch seine ungewöhnliche und dadurch irgendwie auch perfekt zu Multitalent Richter passende Entstehungsgeschichte neugierig macht. 61 Jahre ist der Berliner inzwischen alt und seit fast fünf Jahrzehnten in der Öffentlichkeit präsent. Seiner Inspiration geschadet hat dies gar nicht. Ganz im Gegenteil. Dementsprechend kreativ wurde dieses Interview. Aber lesen Sie selbst.

Wie viel Ilja Richter steckt denn nun wirklich in „Du kannst nicht immer 60 sein“?
„100 Prozent. Von der charmanten Anspielung auf einen alten Erfolgsschlager über das Kokettieren mit dem Alter bis hin zur Geschichte meines Lebens. Das alles und noch viel mehr steckt in dieser Überschrift, dem Buch und dem Theaterstück.“

Wie kam Ihnen die Idee zur Bühnenfassung Ihres Buches?
„Das kann jetzt etwas länger dauern. Aber Sie können die Geschichte ja auch kürzen. In Berlin sollten und sind inzwischen viele der alten, für viele Straßenzüge so charakteristischen Gaslaternen abgebaut werden. Dagegen habe ich eine Protestveranstaltung organisiert. Während der einzigen Probe dazu stand ich mit Ulrich Michael Heissig zusammen auf der Bühne. Quasi zeitgleich kam uns die Idee ‚wir müssen zusammen was machen‘. Aus seinen Solostücken als Irmgard Knef und meinen Buch wurde innerhalb weniger Monate dieses außergewöhnliche Stück.“

„Da steckt 100 Prozent Ilja Richter drin. Vom Kokettieren mit dem Alter bis hin zur Geschichte meines Lebens. Einfach ich.“ Ilja Richter

Warum außergewöhnlich?
„Alleine schon die Tatsache, dass Ilja Richter Ilja Richter spielt hat ja schon was. Oder etwas nicht? Und dazu kommt dann die Auseinandersetzung mit Irmingard Knef, die partout nicht die Bühne räumen will für Ilja Richter. Dazu haben wir Kim Pfeiffer als meine Prostata, die voller Empörung unbedingt viele Vorurteile die ich und sicherlich auch viele andere Männer haben, widerlegen will.“

Das klingt nach einer ironisch geprägten Komödie, die sich mit dem Älter werden in allen seinen Facetten auseinandersetzt. Da drängt sich die Frage auf, wie Sie als 61-Jähriger die 60-Jährigen sehen und vor 20, 30 Jahren als Sie ja auch schon auf der Bühne standen?
„Die Frage kann ich so nicht beantworten. Ich weiß heute nicht mehr ob und wie ich damals die Menschen um die 60 wahr genommen habe. Heute ist man als 60-Jähriger, wenn man nicht dem Jugendwahn verfällt und sich dadurch der Lächerlichkeit preis gibt, frisch und lebendig. Deswegen habe ich in meinem Buch ja auch einen kleinen Ratgeber für junge Frauen mit deutlich älteren Partner eingebaut, von dem ich hoffe, dass er mit dem gleichen Augenzwinkern gelesen wird, wie er auch geschrieben wurde.“

"Heute ist man als 60-Jähriger frisch und lebendig." Ilja Richter

Gibt es denn dann eine Veränderung im Publikum? Kann man heute das Alltägliche anders darstellen als etwa noch vor zehn Jahren?
„Ach Herr Krause. Sie machen es mir heute aber auch nicht leicht. Aber ich will es mal versuchen. Bleiben wir dabei doch gleich hier in Essen. Hier hat der geneigte Theaterbesucher das große Glück eine lebendige Theaterlandschaft zu finden. Er kann in die Oper gehen, im Grillo kritische zeitgenössische Stücke sehen oder hier im Theater gut gemachte Boulevardstücke. Das hat ihn geprägt und seinen Fokus erweitert. Doch wenn man ihm ein schweres Gegenwartsstück im TIR und eine Komödie im Grillo präsentieren würde - da würde er sicherlich schlucken. Aber er würde es sich anschauen. Einfach, weil er die Chance bekommen würde, etwas neues, außergewöhnliches zu sehen. Und das schätze ich am Menschen im Revier genauso wie in Berlin. Das er offen ist und einem hinterher genau sagt, was er davon hält.“

Zur Person:
Ilja Richter wurde 1952 in Berlin geboren. Seine erste Bühnenerfahrung sammelte er am Berliner Renaissance-Theater und an der Seite von Heidi Brühl im Musical „Annie Get Your Gun“. Seinen großen Durchbruch schaffte er als Moderator der Musicsendung „Disco“ im ZDF, für die er sich zwischen 1971 und 1982 mitverantwortlich zeigte. Seit dem Ende der 1980er-Jahre war Richter auch vermehrt als Autor, Regisseur und Schauspieler auf verschiedensten deutschen Bühnen tätig. Neben seiner Autobiografie „Spott aus! Licht an!“ veröffentlichte er mit „Bruno - von Bären und Menschen“ und „Du kannst nicht immer 60 sein“ inzwischen drei Bücher.

Mehr zum Thema:
Mehr über das Theater im Rathaus lesen Sie hier.

Autor:

Sven Krause aus Mülheim an der Ruhr

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