Jürgen W. - Wie mich heute ein Held des Alltags vor Radikalisierung schützte...

Meine plötzliche Begegnung mit Jürgen W.
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Altenessen, Stadtteil der Gegensätze, pulsierend, krank machend, beflügelnd, gefährlich, kreativ, dreckig, schön und der soziale Frieden steht hier auf dem Spiel.

Es war schön im Essener Norden, als ich am Wochende auf Zollverein speiste, wunderbare Stunden mit zahlreichen Künstlern im Kaiserpark verbrachte oder am Sonntagabend das Grün im Spindelmannpark bewunderte. Es war schön, aber wie so oft grüßte das Nord-Murmeltier und es überfluteten mich wieder die Hässlichkeiten eines Stadtteils, in dem unter den Augen von Politik und Verwaltung eine "Marxloisierung" immer mehr sichtbar wird.

Krieg auf der Straße

In der Nacht von Sonntag auf Montag habe ich kaum geschlafen. Seit den Abendstunden gab es immer wieder unerträgliche Rasereien rund um die Gladbecker Straße und den Berthold-Beitz-Boulevard. Mein Pulsmesser bestätigte mir, dass das krank macht. Die Stadtverantwortlichen interessieren sich dafür nicht, denn schon seit Ewigkeiten hätten sie mit einer (nächtlichen) Geschwindigkeitsbegrenzung mit flankierendem Dauerblitzereinsatz reagieren können. Stattdessen schaut man zu, wie Fahrzeuge als Waffen eingesetzt werden, Waffen gegen die Bürgergesundheit.

208 PKW-Stellplätze statt Gärten und Sport

Anstatt die lauten Schreie aus der Bürgerschaft wahr- und ernstzunehmen, überplant man Altenessen in grotesk anmutender Weise und ignoriert dabei stur sämtliche Bürgerbedürfnisse. 14 Kleingärtner müssen in Kürze ihre Oasen räumen, damit dort, wo eigentlich "blühende Wohnlandschaften" auf einem Sportplatz entstehen sollten, ein Parkplatz entsteht. 208 Übergangs-Stellplätze über einem U-Bahnhof? Finden Sie den Fehler.
Womöglich wurden hier ein Sportplatz und großartige Erholungsflächen geopfert, damit am Ende das Gleiche entsteht wie an so vielen Stellen in Altenessen: Nichts! Vor allem aber Nichts, was dem Anwohner zugute kommen würde.

Müll-SEK statt Müll-Blablabla

Dass der Essener Norden ein besonders großes Problem mit illegaler Müllentsorgung an allen Ecken hat, ist nun hinlänglich bekannt. Tote Ratten und Rinderköpfe in Hinterhöfen, bekackte Windeln vor Kindergärten, jeden Tag ein neues Möbelstück an einer neuen Stelle, so geht es hier Tag für Tag unter den Augen einer Stadtverwaltung weiter. Was der Essener Norden braucht, ist ein Müll-SEK, das schnell greifbar ist und zielgerichtet die Verursacher findet und bestraft. Wenn hier in Kürze keine schnelle Hilfe kommt, wirds ungemütlich, das spürt man an jeder Ecke.

Der Montag

Müde und ausgelaugt schaue ich morgens aus dem Fenster. Die illegale Müllkippe, die seit Tagen den Fußweg versperrt, ist noch da. Das wenige Unkraut, das vor ca. einer Woche aus den Baumbeeten (die zum Teil ohne Baum ihr Dasein fristen) entfernt wurde, ist auch wieder da. Zum Glück, denn diese kleinen grünen Farbtupfer tun der B224 sehr gut. Ich gehe zum DHL-Laden und rede mit "Wutbürgern". Ein Vulkan der Unzufriedenheit bricht aus. Ich spüre, wie ein unheilvoller Lavastrom den sozialen Frieden bedroht.

Jürgen W.

Auf dem Rückweg sehe ich, dass ein Mann Müll aufsammelt. Ich spreche ihn an und sage, dass es wohltuend ist zu sehen, wie sauber es an dieser Stelle im Moment ist. Der Mann heißt Jürgen W., 68 Jahre alt, Anwohner der Gladbecker Straße und ehemaliger Mitarbeiter der Entsorgungsbetriebe Essen. Immer wieder sammelt er freiwillig Unrat in seiner Umgebung ein. Ich ziehe den Hut und freue mich. Mein Puls ist wieder normal. Jürgen W. erzählt auch, dass er es hier fast nicht mehr aushält, er will mit seiner Frau weg ziehen. Seine Geschichte dahinter zeigt mir einmal mehr, dass hier viel zu viele Menchen abgehängt werden oder sich alleine gelassen fühlen. Auf mich wirkte Jürgen W. heute in allererster Linie wie ein Goldstück. Er sollte hier weiter glänzen. Wäre gut für meinen Puls und den sozialen Frieden.

Autor:

Susanne Demmer aus Essen-Nord

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