Trügerische Sicherheit

Aus die Maus...
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Falls es kommt, kommt es dick!

Vor längerer Zeit stand in einem Lokalkompass-Artikel, was hier zunächst zitiert werden sollte:
____________________________________________________________________
[…] (Zitat Anfang)
Einige Vordenker stellen sich vor, dass man sich sogar einen Kredit per Smartphone besorgen kann. Braucht man zum Beispiel für ein Gerät 500 Euro, die man nicht hat, soll man Händler- und Artikelnummer in sein Smartphone tippen können, um eine Kreditanfrage vom Stapel zu lassen. Die Anfrage geht dann an einen Pool von Banken, die vollautomatisiert ein Angebot unterbreiten (natürlich wurde vollautomatisch mit Lichtgeschwindigkeit auch die Kreditwürdigkeit, der „Score“ des Kunden abgefragt). Aus der Liste der Antworten kann sich der Anfragende das ihm Angenehmste aussuchen und die Annahme des Angebotes bestätigen. Von diesem Moment an genügt ein einziger Tastendruck, um die Kreditsumme auf das Konto des Händlers zu übertragen und die Ware damit zu bezahlen. Das gilt dann freilich nur für diesen einen Händler und den vorher bestimmten Kaufgegenstand; der Kredit steht keineswegs für etwas anderes zur Disposition.

Bargeld? – Bargeld hat sowieso niemand mehr. Alles läuft drahtlos über Smartphones oder spezielle elektronische Geldbörsen, mit denen sogar Schulkinder ausgestattet sind. Natürlich alles und ununterbrochen unter voller Kontrolle der Banken. Und wenn die Banken aus politischen, strategischen oder individuellen Motiven heraus einmal den AUS-Schalter für einen Einzelnen oder ein ganze Gruppe umlegen, sind Betroffene finanziell „tot“: Nichts geht mehr. Keine Busfahrt, keine Currywurst, kein Bier und keine Zigaretten. Das macht die Sicherheit der Stromversorgung – notfalls auch wieder mit Atomstrom – so wichtig. Denn fällt in einer Region der Strom aus, fallen schlagartig auch alle wirtschaftlichen und viele verkehrstechnischen Aktivitäten aus. Wo sich da nun Schwächen zeigen werden und Einfallstore für Schadenstifter auftun, steht dahin. Jedoch allein durch die schiere Menge mag es zu Problemen kommen wie beim Autoverkehr: Je mehr Autos, desto weniger Verkehr im Sinne zügiger Fortbewegung. Als Autofahrer wird man zu bestimmten Zeiten nur noch zum Teilhaber an aktiver und passiver Verkehrsbehinderung.

Doch wen juckt das? – Jene „Mächtigen“, die nicht einmal selbst ihren Kaffee umrühren müssen und von den Medien wie gottgegebene Herrscher behandelt werden, sorgen sich nur um den Machterhalt, mit allen Tricks um das Funktionieren von „Wirtschaftswachstum“ und vor allem um das eigene Wohl über ihre Amtszeit hinaus, …
[…]
Die Digitalisierung all dessen, was man einer Maschine so beschreiben kann, dass sie es wie ein Mensch und auch an dessen Stelle tun kann, hat eine weitere Welle der „Industrialisierung“ ausgelöst, diesmal die Industrialisierung der geistigen Arbeit. Menschen werden für bestimmte Prozesse immer entbehrlicher und „freigesetzt“.
[…]
Die Digitalisierung ist der Humus, auf dem Kraut und Unkraut gesellschaftlicher Aktivitäten in Zukunft das Geschick der gesamten Menschheit bestimmen werden. Modernste Herstellungsverfahren verbilligen die Produkte bei gleichzeitig zunehmender Leistungsfähigkeit.
[…]
Die „Moral von der Geschichte“ ist ganz simpel die, dass die Industrie – einschließlich des von Präsident Eisenhower so genannten „militärisch-industriellen Komplexes“ – umwälzende Systeme auf die Menschheit loslässt und erst einmal nur an ihren Profit denkt. Es geht um Wirtschaftswachstum, selbst wenn dabei die endlichen Ressourcen dieser Welt verschwenderisch verbraten werden. Sogar aus den Desastern, die weltweit zu Hunderttausenden erlebt werden mussten, schlägt die Wirtschaft noch Kapital.
[…]
Schlimm mag auch sein, dass sich der „Vater“ Staat nicht ausreichend um den Schutz seiner digital verliebten Bürger kümmert...
[…]
Kann es noch schlimmer kommen? – Ohne Zweifel: Ja. – Denn die Menschen werden immer abhängiger von den digitalen „Dienern“, die in Wahrheit zu Herrschern werden.
[…] (Zitat Ende)
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Das sozusagen zur „Einstimmung“.
Und nun – neu:
Ein regionaler Stromausfall oder der Ausfall der Vermittlungsstelle eines Telefonanbieters reicht aus, das Leben der Menschen in der betroffenen Region zu lähmen. Wer einen Festnetzanschluss besitzt oder ein Mobiltelefon… – egal, er ist kommunikationstechnisch „tot“. Wer ausschließlich seine Scheck- oder Kreditkarte benutzt, um ganz vornehm bargeldlos seine Einkäufe zu bezahlen… – er ist kommunikationstechnisch „tot“ und nicht mehr zahlungsfähig. Die elektronische Kasse ist „von der Welt abgeschnitten“ und taugt nur noch für Barzahler, die genügend Geld bei sich tragen.

Sehen wir uns an, was der Autor aus dem Internet auf dem Display seines Computers betrachten konnte, weil bei ihm das Strom- und Kommunikationsnetz noch funktionierte:


(http://www.youtube.com/watch?v=SJWcj-CL3LM – Länge: 11:40)

Fragt man sich: „Kann so etwas auch bei mir passieren? Da wo ich wohne oder arbeite?“ – Ja, jederzeit. Und zwar sogar durch eine ganz einfache Ab- oder Umschalt-Operation bei einem Stromlieferanten.

Man erinnere sich an den europaweiten Stromausfall anlässlich einer Schiffspassage durch das Flüsschen Ems. Der Spiegel dazu: „Der Stromausfall nahm ein gigantisches Ausmaß an: In Deutschland fiel bei mehreren Millionen Menschen der Strom aus, auch in Frankreich waren rund fünf Millionen Menschen ohne Elektrizität. Aus Österreich, Belgien, Italien und Spanien wurden ebenfalls Ausfälle gemeldet.“ Dabei hatte E.on-Netz zur Vorsicht als „eine Routinemaßnahme“ nur eine Höchstspannungsleitung über die Ems vorübergehend abgeschaltet, „weil es für große Schiffe zu riskant ist, unter einer nicht abgeschalteten Hochspannungsleitung durchzufahren“. Also kein Terroranschlag, keine Sabotage, nur die „routinemäßige“ Betätigung von Schaltern.

Holen wir etwas aus: Bekanntlich wird die Bundesrepublik am Hindukusch verteidigt. Es geht um die „Bekämpfung von Terrorismus“, um al-Qaida und um die Taliban. Jetzt haben sich islamistische Fundis schon Mali weitgehend unter den Nagel gerissen und wollen nach Möglichkeit das ganze Land erobern, um einen strengen Islam und die Scharia zu verwirklichen sowie dem Dschihad zu frönen, wie es sich für einen guten Muslim gehört. Und schon ist die Bundesrepublik militärisch wieder dabei, um den Vormarsch der Muslim-Fundis zu behindern oder gar zu stoppen und dabei ihrem französischen Freund gefällig zu sein, der angesichts seines militärischen Potentials einen solchen Gefallen überhaupt nicht braucht.

Natürlich zieht Deutschland dadurch nicht die Wut strenggläubiger Muslime auf sich, obwohl die sich freilich im Recht fühlen. Denn aus den Sphären der „Ungläubigen“ ist vor allem nur Verderbnis ins Morgenland gekommen: Unzüchtige Kleidung, Fernsehen, Gleichberechtigung der Frauen und ähnliches Zeug, an dem Allah keinen Gefallen haben kann. Außerdem haben „Ungläubige“ aus Gier – vor allem zur Plünderung von Bodenschätzen wie Öl und Metalle – die Araber und Afrikaner mit Krieg, Zerstörung und Tod überzogen sowie die Landwirtschaft in Afrika erheblich beeinträchtigt. Wer von Allah geliebt werden möchte, darf und muss sich dagegen wehren. – Vielleicht auch gegen Deutsche? – Kann sein. Denn wenn wir die Welt anders sehen als Muslime und ihnen sogar unsere Ansichten („Freiheit“ und „Demokratie“) auch mit Gewalt aufzwingen wollen, haben Muslime möglicherweise das Recht auf eine ganz andere Sichtweise und greifen unter Umständen zu einer „asymmetrischen“ Gegenwehr. – „In schā'a llāh...!

Die Sicherheit der BRD ist unantastbar...

Deutschland ist aber sicher. Es ist geschützt durch Geheimdienste, die ja auch den Serienmördern der NSU auf die Spur gekommen sind. Sie konnten zudem geplante Terroranschläge verhindern. Zwar hat ein Anschlag nur deshalb nicht geklappt, weil die Konstruktion der Bombe auf dem Bonner Bahnhof nicht voll funktionierte. Mithin können wir uns hier bei uns auch deshalb sicher fühlen, weil zur Not das Glück hilft. Wohl „der liebe Gott“.

In Wahrheit ist unser komplex organisiertes und technisch hochkompliziert funktionierendes Dasein im höchsten Maße auch dann Gefahren ausgesetzt, wenn keine Terroristen im Spiel sind. Bekanntlich ist eine Kette nur so stark wie ihr schwächstes Glied. Und wahrhaftig: An schwachen Gliedern herrscht kein Mangel. Im Münsterland waren viele Menschen für lange Zeit ohne oder ohne ausreichende Energie, als in einem Winter Strommasten unter der Last vereister Leitungen einfach umknickten und einen großen Landstrich in Dunkelheit verbannten. Diese Masten hätten aber auch umknicken können, wenn einige Durchgeknallte sie gesprengt hätten. Einige über die Republik verteilte Masten – sogar zeitgleich – umzulegen und dadurch ganz Deutschland oder vielleicht ganz Europa stromlos zu machen, dürfte kein großes Problem darstellen. Das wissen auch die Terroristen.

Doch wer braucht schon Terroristen, um eine große Katastrophe wie seinerzeit in Herborn zu verursachen, das weiträumig abgefackelt wurde? – Sollte es einem tollkühnen Sattelschlepper zum Beispiel bei Glatteis gelingen, ausgerechnet an einer kritischen Stelle einen entsprechend dimensionierten Verteilerkasten der Telekom und daneben auch noch eine kleine Umspannstation des lokalen Stromversorgers umzunieten, kann es zu ganz erheblichen Störungen, zu Ausfällen kommen, die eine erhebliche Region sozusagen „ausknipsen“. Kein Festnetz-Telefon, keine Kühlung in Gefrier- und Eisschrank, kein Fernsehen, kein Radio, kein Internet, keine Informationen. Nur wer eine akkubetriebene DVB-T-Glotze, ein Kofferradio oder ein Smartphone bei der Hand hat, kann sich vielleicht berichten lassen, was da los ist… – bis die Akkus leer sind.

Einkäufe ohne Bargeld in der Nachbarschaft können scheitern, beim Arzt funktionieren Geräte nicht, im Waschsalon dreht sich keine Trommel, auch der Gyros-Spieß steht still, und das Auto ist in der Garage gefangen, wenn das Tor schön luxuriös nur elektrisch betrieben wird. UPS und DHL stehen an den Haustüren und klingeln vergeblich, Oma kann die Eltern nicht unterrichten, dass ihr Enkelchen sich einen Finger gebrochen hat, aber – weil sie in einem anderen Stadtteil wohnt – gottseidank noch den Arzt rufen, der Pizzamann versucht erfolglos zu klingeln, und dass der Geldautomat bei der Sparkasse nicht funktioniert, erfährt man gar nicht erst, weil man von der Türautomatik nicht hereingelassen wird und sowieso alles dunkel ist. Viele Notrufe sind unmöglich.

Unsere Sicherheit balanciert auf einer Rasierklinge. Wir denken nur nicht daran und erst recht nicht darüber nach – auch nicht, wie wir uns vorsorglich schützen können.

Autor:

Manfred Schuermann aus Essen-Ruhr

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