Sonderausstellung im Ruhr Museum
"Aufbruch im Westen. Die Künstlersiedlung Margarethenhöhe"

Plakat zur Ausstellung "Aufbruch im Westen. Die Künstlersiedlung Margarethenhöhe" im Ruhr Museum auf Zeche Zollverein. Die Ausstellung ist ein Beitrag zum Jubiläum 100 Jahre Bauhaus.
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  • Plakat zur Ausstellung "Aufbruch im Westen. Die Künstlersiedlung Margarethenhöhe" im Ruhr Museum auf Zeche Zollverein. Die Ausstellung ist ein Beitrag zum Jubiläum 100 Jahre Bauhaus.
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Die Siedlung Margarethenhöhe in Essen ist den meisten ein Begriff. Doch dass diese auch Künstlersiedlung war, ist vielleicht eher unbekannt. Das Ruhr Museum auf Zeche Zollverein nimmt mit der Sonderausstellung „Aufbruch im Westen. Die Künstlersiedlung Margarethenhöhe" das Jubiläum "100 Jahre Bauhaus" zum Anlass, die Geschichte der Margarethenhöhe als Künstlersiedlung zu zeigen.

Die Gartenstadt verheißt bis heute idyllisches Leben mit pittoreskem Charme inmitten der Großstadt. Bereits 1906 von Margarethe Krupp als Stiftung für Wohnungsfürsorge gegründet, sollten nicht nur Werksangehörige, sondern alle Essener Bürger an diesem Ort von besseren Wohnangeboten profitieren. Die Margarethenhöhe wuchs in den nachfolgenden Jahren aber auch zur Künstlersiedlung heran. Hier lebten und arbeiteten in den 1920 und 30er Jahren etliche Künstler und Künstlerinnen aus verschiedenen Sparten.

Folkwang-Idee als Ursprung
Der Ursprung dieser Künstlersiedlung liegt in der Folkwang-Idee des Hagener Kunstmäzen Karl-Ernst Osthaus. Danach sollte der Alltag aller Menschen vom Zusammenspiel der Künste positiv geprägt sein. Kunst und Schönheit sollten das Leben entscheidend bereichern. In der Aufbruchsstimmung nach Kriegsende um 1919 fiel diese Idee auf fruchtbaren Boden. Auch Georg Metzendorf, Architekt der Margarethenhöhe, war davon stark beeindruckt und konnte Margarethe Krupp überzeugen, Mietwohnungen mit integrierten Ateliers zu bauen. Den Anfang machte 1919 das Kleine Atelierhaus für den Grafiker Hermann Kätelhön. Später folgte eine Keramische Werkstatt, das Werkhaus und das Große Atelierhaus.

Dieses Zusammenspiel von Wohnen und Arbeiten war bei den Künstlern stark gefragt. Bildhauer, Emailleure, Maler, Grafiker, Schriftgestalter, Buchbinder und Goldschmiede lebten und arbeiteten Tür an Tür. Sie produzierten für auswärtige Aufträge, aber auch so manche Baukunst wurde in der Siedlung mit verbaut und aufgestellt. Metzendorf ließ die Bereiche Handwerk, Kunsthandwerk und Kunst in einander fließen. Die Margarethenhöhe ist ein Gesamtkunstwerk. Vom Siedlungsentwurf über Architektur und Inneneinrichtung ist alles gestalterisch sorgsam bis ins Detail aufeinander abgestimmt.

Ausstellungsarchitektur mit Stadtcharakter
Die Ausstellung hat mit der weißen Laubenarchitektur Stadtcharakter. Die Besucher schlendern durch die Ausstellung wie durch die Gassen der Siedlung. In der Mitte befindet sich ein rundes Podest, das gleichsam als großer Platz wirkt, im Rund bevölkert mit Kunstwerken.

Die Ausstellung ist chronologisch aufgebaut und erzählt in 6 Kapiteln die Geschichte der Künstlersiedlung. Auch die Folkwangschule wird am Ende der Ausstellung in einem Kapitel beleuchtet. Gleich zu Anfang zieht das Modell der Margarethenhöhe die Besucher an. Zu sehen sind Pläne, Dokumente, Fotografien, Skulpturen, Keramik, Schmuck, Möbel und Beschläge sowie das Gästebuch der Stadt Essen, das Stahlbuch, die Meisterschale des Deutschen Fußballbundes, alles von der Künstler/innen der Margarethenhöhe geschaffen.

Vielschichtiger Künstlerkreis
In den Kabinetträumen werden die Künstler und Künstlerinnen mit ihren Arbeiten vorgestellt: neben dem Grafiker Hermann Kätelhön sind es die Bildhauer Joseph Enseling, Will Lammert und Richard Malin, die Maler und Grafiker Gustav Dahler, Kurt Lewy sowie Hermann und Philipp Schardt, die Goldschmiedin Elisabeth Treskow, die Buchbinderin Frida Schoy und der Fotograf Albert Renger-Patzsch. Die Ausstellung glänzt mit über 700 Objekten. Darunter viele Leihgaben aus privater Hand. Die Erben der damaligen Künstlerschaft haben die Exponate zur Verfügung gestellt. So kommen zur Ausstellung ihre Arbeiten zusammen. Denen, die sie geschaffen haben, wurde im Dritten Reich das Zusammenleben- und arbeiten unmöglich gemacht. Einzelne Künstler wurden verfolgt, andere arrangierten sich. Nach Kriegsende kehrten nur wenige zurück. Einen Neuanfang gab es nicht.

Eine überaus sehenswerte Ausstellung, die die Geschichte der Margarethenhöhe als Künstlersiedlung spannend erzählt.

Laufzeit: vom 8. April 2019 bis 5. Januar 2020

Mehr Infos zur Sonderausstellung und zum umfangreichen Begleitprogramm
auf der Webseite.
Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog erschienen.

Die Fotos entstanden während der Präsentation der Ausstellung.
Weitere Infos in den Bildunterschriften.
Viel Freude beim Anschauen.

Ruhr Museum
UNESCO Welterbe Zollverein
Areal 8, Kohlenwäsche
Gelsenkirchener Straße 181
45309 Essen
www.ruhrmuseum.de

Autor:

Andrea Gruß-Wolters aus Duisburg

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