"Teilzeit- und Minijobs sind weiblich und die Frauen können davon nicht leben"

Jutta Dincã, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Hattingen Foto: Pielorz
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Am Freitag ist Internationaler Frauentag. 1975, im internationalen Jahr der Frau, richteten die Vereinten Nationen erstmals am 8. März eine Feier aus. Dieses Datum als Internationalen Frauentag anzuerkennen, beschloss die Generalversammlung der UN im Dezember 1977. Doch was haben wir in Hattingen damit zu tun?

„Große Solidarität gibt es bei Frauen und Männern zu Themen, die sehr konkret sind und daher greifbar. Dazu zählen beispielsweise Ehrenmorde oder Beschneidungen. Schwierig wird es bei Themen, die auf eine gesellschaftliche Veränderung abzielen würden“, erklärt Hattingens Gleichstellunsgbeauftragte Jutta Dincã.
Dazu zählen Fragen zu überwiegend weiblich besetzten Teilzeit- oder Minijobs, von deren Bezahlung die Frauen allein nicht leben könnten. Dazu zählt aber auch die Diskussion um das Betreuungsgeld, die sogenannte „Herdprämie“. „Für mich ist dieses Modell ein Rückschritt. Gut ausgebildete Frauen werden dadurch nicht dem Beruf für längere Zeit den Rücken kehren. Wer keine gute Ausbildung hat und dieses Modell bevorzugt, wird vermehrt auf Schwierigkeiten bei der Rückkehr in den Beruf stoßen, weil die Arbeitsaufnahme zu lange dauert.“
Es sei, so Dincã, eine gesellschaftliche Diskussion.
Die 31jährige Juristin ist gebürtige Hattingerin und besuchte das Gymnasium Waldstraße. Sie studierte Jura in Bayreuth, Münster und Enschede, verbrachte die Zeit des Referendariats in Kiel und übernahm danach die administrative Studiengangsleitung an der Bochumer Ruhr-Universität für Kriminologie und Polizeiwissenschaften.
Frauenfragen begleiteten sie allerdings auch: so war sie die studentische Vertretung im Senatsausschuss für Frauenfragen und beschäftigte sich am Lehrstuhl für Vergleichende Politische Ökonomie mit dem Schwerpunkt Feministische Ökonomie.
Seit Oktober 2012 besetzt sie mit zwanzig Stunden die Gleichstellungsstelle der Stadt Hattingen. „Ich bin nicht nur für Frauen zuständig. Es geht vielmehr um Fragen beider Geschlechter, denn nach der Konzentration auf die Förderung von Mädchen und Frauen muss jetzt auch bei den Jungen und den Männern etwas passieren. So gibt es aktuell eine Anfrage eines Mannes auf Elternzeit. Das ist immer noch selten.“
Die Gleichstellungsbeauftragte vermittelt Hilfe und Wissen zum Thema und ist bei Personalentscheidungen der Stadt immer dabei.
Kritikern, die die Frauenbewegung bespötteln, hält sie entgegen: „Wir haben immer noch viele Dinge, die nicht in Ordnung sind. Zum Beispiel die finanziellen Sorgen durch minderbezahlte Tätigkeit. Oder die steuerliche Schlechterstellung der Kinder im Verhältnis zu Ehegattensplitting. Wir wissen, dass Frauen gern mehr arbeiten würden und viele Männer auch weniger Stunden am Arbeitsplatz verbringen würden. Unsere Arbeitswelt und auch gesellschaftliche Denkbarrikaden stehen dem oft entgegen. Hier gibt es noch viel zu tun.“

Info: www.hattingen.de/gleichstellung oder unter Telefon 02324/2043010, E-Mail: frauenbuero@hattingen.de

Autor:

Dr. Anja Pielorz aus Hattingen

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