Menschen zu helfen verschafft Freude

Anita Brückner an ihrem Schreibtisch. Seit seiner Gründung vor 36 Jahren leitet die heute 70jährige den Stadtverband der Arbeiterwohlfahrt (AWo) Hattingen.   Foto: Römer
  • Anita Brückner an ihrem Schreibtisch. Seit seiner Gründung vor 36 Jahren leitet die heute 70jährige den Stadtverband der Arbeiterwohlfahrt (AWo) Hattingen. Foto: Römer
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Spielen Sie eigentlich Lotto? Wenn ja: Wussten Sie, dass Sie damit „die gute Sache“ unterstützen? Einnahmen aus dem Lotto werden von Westlotto nämlich treuhänderisch an die Landesregierung überwiesen, damit von dort aus das Allgemeinwohl gefördert wird. In Hattingen geschieht das beispielsweise über die Arbeiterwohlfahrt.

Ein „Urgestein“ der Hattinger AWo, wie die Arbeiterwohlfahrt abgekürzt wird, ist Anita Brückner.
Auch wenn sie jetzt, kurz nach ihrem 70. Geburtstag, ihre Vorstandsämter auf Kreis- und Bezirksebene nach vielen, vielen Jahren abgegeben hat, spielt die AWo nach wie vor eine große Rolle in ihrem Leben.
Seit nunmehr 36 Jahren ist Anita Brückner nun schon Stadtverbandsvorsitzende. Genauso lange, wie der Stadtverband alt ist, der damals gegründet wurde, um Terminüberschneidungen zu vermeiden, eine bessere Absprache der Ortsverbände und vor allem gegenseitige Unterstützung zu gewährleisten.
Erst wenige Monate zuvor, 1975, war die Schwiegertochter des ehemaligen Hattinger Bürgermeisters Willi Brückner (im Ehrenamt von 1956 bis 1977) der AWo beigetreten.
„Ich wollte einfach ehrenamtlich irgendwo tätig werden“, blickt Anita Brückner, die gelernte Bauzeichnerin, zurück. „So bin ich auf die Arbeiterwohlfahrt gestoßen. Hier konnte ich helfen, habe zehn Jahre lang Kindererholungsmaßnahmen durchgeführt. Noch heute treffe ich manchmal einige dieser Kinder in der Stadt, die inzwischen selbst schon Kinder haben. ,Hallo Anita!‘, heißt es dann plötzlich und wenn man dann heute noch die Dankbarkeit spürt, dann weiß man, dass man nicht alles schlecht gemacht hat im Leben.“
Nachdem die Kinderfreizeiten durch den Kreisverband eingestellt worden waren, organisierte die AWo Hattingen Ferien für Senioren.
Nach wie vor lautet das Motto nicht nur der Hattinger AWo: „Helfen und unterstützen“. Kurz nach dem Ende des Ersten Weltkriegs, genau am 13. Dezember 1919, gründete Marie Juchacz (1879 bis 1956) die AWo als „Hauptausschuss für Arbeiterwohlfahrt in der SPD“. Seitdem ist ihr Grundgedanke jung geblieben: Menschen sollen sich gegenseitig helfen. Diejenigen, die Unterstützung brauchen, sollen von anderen nicht allein gelassen werden.
„Wir wollen verhindern, dass Menschen vereinsamen, und ihnen helfen, den Weg aus der Isolation zu finden“, beschreibt Anita Brückener die Arbeit vor Ort. „Kinder- und Altersarmut sind große Themen für uns. Das nimmt immer mehr zu. Hier versuchen wir zu helfen, wo es geht.“
Dabei finanziert sich die AWo vor allem durch Mitgliedsbeiträge, aber eben auch durch Spenden. Und die in Hattingen „legendären Awo-Basare. Nach den Worten der Stadtverbandsvorsitzenden sind da vor allem Holthausen zu nennen und Winz-Baak.
Und Anita Brückner, die in ihrem Keller bereits jetzt im Sommer fleißig Weihnachtssterne aus Holz aussägt und die örtlichen Baumärkte nach Holzspenden abklappert. Wie die Bastel-, Häkel- und Strickarbeiten der vielen anderen AWo-Frauen sollen diese Erzeugnisse auf den Basaren verkauft werden.
Zugute kommt der Erlös daraus und vom „Helfen hilft“-Fonds des Kreisverbandes Bedürftigen vor Ort. Kindern beispielsweise. Die Adressen erhält die AWo über das Sozialamt, wenn die Bedürftigen damit einverstanden sind. Manche Familien überwinden aber auch die Scham und melden sich selbst. So kann die AWo beispielsweise Kinderkleidung gezielt kaufen und abgeben.
Oder jetzt im Sommer durch die regelmäßige Spende von auch schon einmal bis zu 1.600 Euro insgesamt armen Kindern die Sommerferien durch die Teilnahme am Hattinger Ferienspaß versüßen. Diese Aktion hat bereits Tradition bei der AWo.
Umso bedauerlicher bei gestiegener Bedürftigkeit unter den Menschen findet es Anita Brückner, dass der AWo Nachwuchs fehlt. Mittlerweile liegt nach ihrer Schätzung das Durchschnittsalter der AWo-Mitglieder bei rund 65 Jahren.
Anita Brückner: „Es ist schwierig, Jüngere fürs Ehrenamt zu gewinnen. Meistens erhält man als Antwort: ,Was bekomme ich dafür?‘ Da fehlt einfach heutzutage die grundsätzliche Bereitschaft fürs Ehrenamt. Zwar werden in diesem Jahr unsere Ortsverbände Winz-Baak und Hattingen-Mitte 90 Jahre, aber von ursprünglich sieben Ortsverbänden gibt es heute nur noch Mitte, Holthausen, Winz-Baak und Bredenscheid-Stüter. Mir, und da geht es den anderen AWo-Mitgliedern nicht anders, verschafft mein Ehrenamt die Befriedigung, anderen geholfen zu haben.“
Wer die Awo über ihren Stadtverband Hattingen unterstützen möchte: Konto 70011, Sparkasse Hattingen (BLZ: 430 510 40).

Autor:

Roland Römer aus Hattingen

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