Das "Dankeschön" des Jahres

Corinna Krings sagt Danke: Nachdem sie im Spätsommer einen schweren Unfall hatte und viele Autofahrer ohne anzuhalten an der Unfallstelle vorbei fuhren, bedankte sie sich jetzt bei ihren Rettern, den Kameraden der Feuerwehr. Foto: Heinz Holzbach | Foto: Heinz Holzbach
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  • Corinna Krings sagt Danke: Nachdem sie im Spätsommer einen schweren Unfall hatte und viele Autofahrer ohne anzuhalten an der Unfallstelle vorbei fuhren, bedankte sie sich jetzt bei ihren Rettern, den Kameraden der Feuerwehr. Foto: Heinz Holzbach
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Ganz sicher steht Corinna Krings noch immer nicht auf ihren Beinen. Nach einem schweren Unfall im Spätsommer geht ohne Krücken gar nichts. Aber Corinna Krings will nicht jammern - sie will Danke sagen.

von annette henseler

„Mein Dank geht an die Feuerwehr. Ich war so erleichtert, als die Feuerwehrleute endlich bei mir waren“, sagt Corina Krings.
In Materborn wurde Kirmes gefeiert, die Besucher waren fröhlich, so mancher Gast ließ sich mit dem Taxi nach Hause bringen. Taxifahren, damit verdiente Corinna Krings damals den Lebensunterhalt für sich und ihre fünfjährige Tochter Celine. Und auch an jenem Kirmesabend war die junge Frau im Einsatz. „Ich hatte eine Fahrt von der Materborner Kirmes nach Asperden“, erzählt sie. Der Hinweg verlief wie meistens reibungslos. Auch der Rollsplit war kein Thema. Auf dem Rückweg geschah das Unvorstellbare: „Ich kam auf dem Rollspit ins Rutschen, wie auf Glatteis. Das Auto drehte sich - und ich sah nur noch einen Baum auf mich zukommen.“
Wenn Corinna Krings den Unfallhergang schildert, sind Angst und Schrecken auch Monate nach dem Unfall noch präsent. „Das Fahrzeug reagierte überhaupt nicht. Ich konnte nicht lenken, gar nichts. Dann hab ich an meine Tochter gedacht und wollte nur noch halbwegs heile da raus...“ Bremsen - das war das Einzige, was die Taxifahrerin noch tun konnte. „Ja, ich hab dann also gebremst. Deshalb bin ich nicht frontal im Baum gelandet. Zuerst krachte die rechte Beifahrertür in den Baum, dann drehte sich das Auto, die andere, hintere Beifahrertür flog gegen den Baum. Das Auto hat sich auch noch überschlagen.“
Endlich stand das Fahrzeug still. Corinna Krings erzählt: „Ich war wie gelähmt vor Schreck, konnte nicht mehr wirklich klar denken.“ Als sie sich dann nach hinten gedreht habe, habe sie nicht glauben können, was sie sah: „Der gesamte Fahrzeugboden war weg, einfach weg. Unglaublich.“ Die Türen ließen sich nicht öffnen - Corinna Krings konnte sich nicht selbst aus dem völlig zerbeulten Fahrzeug befreien. Hilfe musste her. Auf dem Boden - also auf der Straße - fand sie ihr Handy. „Mit dem konnte ich aber nur mit Headset telefonieren. Das war so eingestellt. Und ich hatte keine Ahnung mehr, wie ich das ändern sollte. Und mein Akku war fast leer.“ Zu guter Letzt gelang es der Taxifahrerin dann aber doch, in der Firmenzentrale anzurufen. „Ich vermiss Dich schon - wo bist Du denn?“, fragte die Kollegin. Corinna Krings: „Ich habe keine Ahnung, ich hatte einen Unfall, ich weiß nicht, wo ich bin.“ Asperden war das Stichwort, dann: „Ich komm Dich suchen und rufe Polizei und Feuerwehr.“
„Das glaubt niemand, wie ich aufgeatmet habe, als ich meine Kollegin gesehen habe - und dann war auch schon die Feuerwehr da.“
45 Minuten lang saß Corina Krings in ihrem Auto gefangen. Die Taschenlampe hatte sie gefunden. „Niemand, niemand hat angehalten. Die Leute sind einfach an der Unfallstelle vorbeigefahren“, ist die junge Frau bis heute fassungslos. „Ich habe den Fahrern mit der Taschenlampe in ihre Fahrzeuge geleuchtet - sie müssen mich gesehen haben. Außerdem sind sie über die Autoteile gefahren, die auf der Straße lagen. Niemand hat sich gekümmert.“
Michael Hendricks, Feuerwehr Bedburg-Hau, bestätigt diese Aussage. „Ich kann und will nicht glauben, dass es so etwas gibt. Aber ich habe es selbst erlebt. Ich bin erschüttert und kann ein solches Verhalten nicht nachvollziehen.“
Auch wenn die Feuerwehrkameraden nicht auf Dank aus sind, hat es sie doch gefreut, dass Corinna Krings den Telefonhörer in die Hand nahm, um sich zu bedanken. „Das kommt sehr, sehr selten vor - in den letzten 15 Jahren habe ich das lediglich zweimal erlebt.“
Corinna Krings hat eine Weihnachtsbotschaft: „Man denkt nicht immer darüber nach, dass man selbst einmal in eine Situation kommen kann, in der man ohne die Hilfe eines Anderen nicht klar kommt. Helfen und uns unterstützen sollten wir uns gegenseitig - ohne zu fragen, was ich davon habe.“
Allen Feuerwehrleuten, allen im Rettungsdienst Beschäftigten und allen ehrenamtlich Engagierten wünscht das Klever Wochenblatt gemeinsam mit Corinna Krings in diesem Jahr ein besonders schönes und friedvolles Weihnachtsfest.

Autor:

Annette Henseler aus Kleve

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