Anneliese Hartung kann ihren MS-kranken Mann nicht mehr anheben (mit Video)
„Dann muss ich die Feuerwehr rufen“

Annelies Hartung pflegt ihren Mann Hans-Wilhelm ganz alleine. Auf einen Pflegedienst wartet sie bislang vergeblich
  • Annelies Hartung pflegt ihren Mann Hans-Wilhelm ganz alleine. Auf einen Pflegedienst wartet sie bislang vergeblich
  • Foto: Stefan Pollmanns
  • hochgeladen von Christian Schaffeld

Anneliese Hartung findet einfach keinen Pflegedienst. Die 68-Jährige ist bei der Pflege für ihren Mann Hans-Wilhelm auf sich allein gestellt. Die einzige Hilfe bekommt sie von der Feuerwehr.

Anneliese und Hans-Wilhelm Hartung leben in ihrem Reihenhaus in Langenfeld. Häufig fällt Hans-Wilhelm hin, weil er sich aufgrund seiner fortgeschrittenen MS nicht mehr halten kann. Hilflos liegt der 72-Jährige dann am Boden, weil er für seine gesundheitlich ebenfalls angeschlagene Ehefrau zu schwer ist. Oft macht sich dann Verzweiflung beim Ehepaar breit. "Wenn mein Mann stürzt, muss ich die Feuerwehr rufen." Diese hilft Hans-Wilhelm dann wieder hoch. "Die Jungs sind zwar super nett und kommen dann auch, trotzdem kann das ja kein Dauerzustand sein", beklagt die gebürtige Richratherin frustriert. Ein Fall, wie er auch in anderen Städten regelmäßig vorkommt.

Für die Feuerwehr gehört es zum Job dazu

Mike Filzen, Pressesprecher der Feuerwehr in Essen, kennt es nur zu gut. "Es kommt auch in Essen vor, dass Menschen stürzen und wir ihnen buchstäblich wieder auf die Beine helfen müssen." Für die Feuerwehr gehört das zum Job dazu. "Das ist ein klassischer Fall für einen Rettungsdiensteinsatz." Dabei spielt es keine Rolle, ob der Mensch pflegebedürftig oder gesund ist. "Es kann immer ein medizinischer Notfall vorliegen", so Filzen.

1996 an MS erkrankt

Hans-Wilhelm Hartung ist im Jahr 1996 an der Nervenkrankheit MS erkrankt und konnte noch über Jahre für sich selbst sorgen. Das ist mittlerweile nicht mehr möglich. Sein Körper ist zu schwach. Da Anneliese ihren Mann nicht anheben kann, ist sie auf der Suche nach einem Pflegedienst. "Ich brauche professionelle Hilfe", gesteht die rüstige Seniorin. Doch die Suche gestaltet sich laut der Langenfelderin als äußerst schwierig. "Die Pflegedienste sind fast alle komplett ausgebucht". Die Anbieter, die es nicht sind, haben allerdings nur Termine zu Zeiten frei, die für die Hartungs untragbar wären. "Da müsste mein Mann um zehn Uhr aufstehen und um 17 Uhr schon wieder ins Bett gehen. Das wollen wir nicht", sagt die 68-Jährige verzweifelt.

Spontane Urlaube sind unmöglich

Die Pflegebedürftigkeit ihres Mannes hat auch für sie Konsequenzen. "Spontan mit Freundinnen in den Urlaub fahren geht nicht." Zwar gibt es in Langenfeld eine Kurzzeitpflege der Awo, doch um dort einen Platz zu bekommen, dauert es über ein Jahr. Und auch sonst sind die Hartungs mittlerweile sehr eingeschränkt. "Ich kann die Treppen im Haus nicht mehr überwinden, lebe nur noch im Erdgeschoss", sagt Hans-Wilhelm Hartung nachdenklich.

Gartentor sorgt für mehr Lebensqualität

Um die Lebensqualität gerade in den Sommermonaten ein wenig zu erhöhen, ließ das Ehepaar im heimischen Garten ein Tor einbauen. Da sich auf dem Weg vom Esszimmer zum Wohnzimmer zwei Stufen befinden und an der Gartentür eine etwa zehn Zentimeter hohe Schwelle ist, hätte Hans-Wilhelm sonst nicht mehr in den Garten gekonnt. "Wir fanden den Fußweg neben unserem Haus eigentlich nie gut. Jetzt hat er aber doch etwas gutes."
Den Weg dorthin schafft der 72-jährige gebürtige Düsseldorfer nun auch ganz allein. Mit seinem elektrischen Rollstuhl geht es aus der Haustür heraus, einmal links um die Ecke und schon erreicht er den Garten. 

Patientenlift hilft beim Aufstehen

Doch die Hartungs haben noch weitere Dinge unternommen, um sich das Leben zu erleichtern. So haben sie mittlerweile einen Patientenlift, mit dem Anneliese ihren Mann Hans-Wilhelm aus dem Rollstuhl anheben und aufs Bett setzen kann. Dabei wird ein Gurt um Hans-Wilhelms Bauch geschnürt. Der Lift macht dann den Rest. Wie das genau funktioniert, ist in unserem Video zu sehen. Dieser Lift ist Voraussetzung, um einen Pflegedienst zu bekommen. Die Hartungs können sich den teuren Lift leisten, doch das können längst nicht alle. Die, die es nicht können, bleiben auf der Strecke.
Aber vielleicht hat das Ehepaar Hartung ja Glück und findet den lang ersehnten Pflegedienst. Zu Wünschen wäre es den Beiden jedenfalls.

Autor:

Christian Schaffeld aus Oberhausen

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