"Herzlichen Glückwunsch zum 90.sten!" LORIOT

Der Art Directors Club trauerte um sein Ehrenmitglied in einer Zeitungsanzeige mit den Worten: "Lieber Gott, viel Spaß!"
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90 Jahre wäre Loriot heute geworden! Auf seiner Homepage ist die Welt noch in Ordnung:

http://jboard.loriot.de/jboard/v3/home/redirect.htmlo

Loriot, bürgerlich Bernhard-Viktor Christoph-Carl von Bülow, kurz Vicco von Bülow (* 12. November 1923 in Brandenburg an der Havel; † 22. August 2011 in Ammerland am Starnberger See) etablierte sich von den 1950er Jahren an bis zu seinem Tod in Literatur, Fernsehen, Theater und Film als einer der vielseitigsten deutschen Humoristen. Loriot betätigte sich auch als Karikaturist, Regisseur, Schauspieler, Bühnen- und Kostümbildner und wurde 2003 von der Universität der Künste Berlin zum Professor für Theaterkunst ernannt.

Der Künstlername Loriot ist die französische Bezeichnung des Pirols, des Wappentieres der Familie von Bülow. In der mecklenburgischen Heimat des Adelsgeschlechtes ist Vogel Bülow eine gängige Bezeichnung für den Pirol.

Auszeichnungen und Ehrungen (Auszug)

Stern für Loriot auf dem Boulevard der Stars in Berlin, daneben Blumen von Klaus Wowereit in Gedenken an den verstorbenen Künstler (2011)
Straßenschild des Loriotplatzes in Bremen (Ecke Contrescarpe/Herdentorsteinweg), eingeweiht am 26. Juni 2013
1943: Eisernes Kreuz II. und I. Klasse
1970: Pfeifenraucher des Jahres
1973: Adolf-Grimme-Preis in Silber und Goldene Europa
1974: Karl-Valentin-Orden
1974: Großes Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland
1978: Goldene Kamera
1979: Deutscher Kleinkunstpreis
1980: Bayerischer Verdienstorden
1980: Ehrenmitgliedschaft im Art Directors Club
1985: Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor
1986: Telestar Ehrenpreis für Fernsehunterhaltung
1986: Critici in erba
1988: Bambi
1988: Ernst-Lubitsch-Preis für die beste deutschsprachige Filmkomödie (Ödipussi)
1990: Verdienstorden des Landes Berlin
1992: DIVA – Deutscher Entertainment Preis
1993: Bambi
1993: Ehrenbürgerschaft in seiner Heimatstadt Brandenburg an der Havel und seiner Wahlheimat Münsing
1993: Mitgliedschaft in der Bayerischen Akademie der Schönen Künste
1995: Bayerischer Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst
1996: Ehrenlöwe des Fernsehpreises Der Goldene Löwe
1997: Mitgliedschaft in der Akademie der Künste (Berlin)
1998: Großes Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland
1999: Weilheimer Literaturpreis
1999: Oberbayerischer Kulturpreis
2000: DIVA – Deutscher Entertainment Preis
2001: Ehrendoktortitel der Universität Wuppertal
2003: Ehrenmitgliedschaft im Ensemble des Münchner Staatstheaters am Gärtnerplatz
2003: Honorarprofessur an der Universität der Künste Berlin
2004: Jacob-Grimm-Preis Deutsche Sprache
2005: Pro meritis scientiae et litterarum
2007: Wilhelm-Busch-Preis
2007: Platz 1 bei der Wahl zum besten Komiker in der ZDF-Sendung Unsere Besten zum Thema „Komiker & Co.“
2007: Deutscher Comedypreis Ehrenpreis
2007: Kultureller Ehrenpreis der Landeshauptstadt München
2009: Ehrenpreis der Deutschen Filmakademie
2009: Stern der Satire in Mainz
2009: Bremer Stadtmusikantenpreis
2010: Stern auf dem Boulevard der Stars in Berlin
2010: Ehrenmitgliedschaft in der Deutschen Gesellschaft für Soziologie
2011: Wohlfahrtsmarken mit vier bekannten Cartoons
2012: Postume Benennung der Spinnenart Otacilia loriot
2013: Ein Teil des Hillmannplatzes in Bremen (Ecke Contrescarpe/Herdentorsteinweg) vor dem Bistro Grashoff erhielt den Namen Loriotplatz.

Loriot moderierte von 1967 bis 1972 die Fernsehsendung Cartoon für den Süddeutschen Rundfunk der ARD, die er auch als Autor und Co-Regisseur verantwortete. Es handelte sich ursprünglich um eine Sendereihe internationaler Zeichentrickfilme, in die er auch eigene Arbeiten einbrachte und damit künstlerisch die engen Rahmenbedingungen, die das Medium Zeitschrift seinen Zeichnungen auferlegt hatte, verließ. Loriots anfänglich reine Moderation von einem roten Sofa aus wurde zunehmend zu einem eigenständigen humoristischen Element der Sendung. Später baute Loriot auch Sketche, in denen er selbst die Hauptrolle übernahm, in die Folgen ein.

1971 schuf Loriot mit dem Zeichentrick-Hund Wum ein Maskottchen für die Aktion Sorgenkind in der ZDF-Quizshow Drei mal Neun, dem er selbst auch die Stimme lieh. Zu Anfang war Wum noch der treue Freund eines Männchens, des eigentlichen Maskottchens, dem er jedoch mehr und mehr die Show stahl und das er schließlich völlig verdrängte. Zu Weihnachten 1972 wurde Wum dann zum Gesangsstar: Mit dem Titel Ich wünsch' mir 'ne kleine Miezekatze war er so erfolgreich, dass er für neun Wochen die Spitze der deutschen Hitparade belegte. Dabei handelte es sich bei Wums Gesang um von Bülows Sprechgesang. Wum blieb auch in der Nachfolgesendung Der Große Preis bis in die 1990er Jahre hinein als Pausenfüller erhalten, bald schon als Duo zusammen mit dem Elefanten Wendelin und später mit dem Blauen Klaus, einem Außerirdischen, der mit seiner fliegenden Untertasse einschwebte. Loriot schrieb und zeichnete die Trickfilmgeschichten, die jedes Mal mit einer Aufforderung an die Zuschauer schlossen, sich an der Fernseh-Lotterie zu beteiligen, und gab allen Figuren seine Stimme. Mit der letzten Folge von Der große Preis endeten auch die Abenteuer von Wum und Wendelin. Heute ist das Paar auf der letzten Seite der Fernsehzeitschrift Gong zu sehen.

Das grüne Sofa aus der Fernsehserie Loriot, Ausstellung im Haus der Geschichte in Bonn (2009)Nach Ende der Serie Cartoon produzierte der Süddeutsche Rundfunk eine Sondersendung anlässlich des Besuchs der britischen Queen 1974 (Loriots Telecabinet), die bereits einiges von dem vorwegnahm, was im Laufe des Jahrzehnts noch kommen sollte. 1976 entstand mit Loriots sauberer Bildschirm die erste Folge der sechsteiligen Fernsehserie Loriot bei Radio Bremen, in der er sowohl Zeichentrickfilme als auch gespielte Sketche (letztere oft zusammen mit Evelyn Hamann) präsentierte. Diese Sketche und Trickfilme wurden in Deutschland sehr populär, werden noch immer regelmäßig im Fernsehen wiederholt und sind inzwischen komplett auf DVD erhältlich. Die Anmoderationen und humoristischen Einlagen von Loriot und Evelyn Hamann zwischen den Filmbeiträgen fanden auf einem grünen Sofa statt. 1983 produzierte Radio Bremen zu seinem 60. Geburtstag für die ARD die Sendung Loriots 60. Geburtstag.

Loriots Werke beschäftigen sich hauptsächlich mit zwischenmenschlichen Kommunikationsstörungen. „Kommunikationsgestörte interessieren mich am allermeisten. Alles, was ich als komisch empfinde, entsteht aus der zerbröselten Kommunikation, aus dem Aneinander-vorbei-Reden.“ (Loriot)

Seine Cartoons leben vom Kontrast zwischen der dargestellten Situation, der dabei zur Schau getragenen Würde seiner Knollennasenmännchen und den Legendentexten. Eines dieser Elemente fällt immer aus dem Rahmen, etwa der Legendentext „Wir fordern die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau, auch wenn der Säugling dabei vorübergehend an Gewicht verlieren sollte“ unter der Darstellung eines sich distinguiert ein Kleinkind an die Brust legenden knollennasigen Herrn. Ein anderer Cartoon zeigt, wie einem Anstreicher, der am oberen Rand eines hohen Schornsteins arbeitet, der Pinsel herunterfällt, wozu der Legendentext trocken anmerkt: „Reine Dachshaarpinsel sind zwar empfindlich, aber bei feinen Arbeiten sauberer im Strich.“

Themen der Cartoons sind insbesondere das Alltagsleben, Szenen aus der Familie und der bürgerlichen Gesellschaft und oft die sprichwörtliche „Tücke des Objekts“. Loriot machte das Absurde sichtbar, das in normalen Alltagssituationen steckt, und verspottete etwa in seinen „Ratgebern“ die insbesondere in der deutschen Nachkriegsgesellschaft verbreitete Sehnsucht nach festen, erlernbaren Regeln im gesellschaftlichen Umgang, deren Beachtung vor Peinlichkeiten bewahren sollte. Die Komik entsteht bei Loriot nun gerade in den Sketchen oft dadurch, dass die Figuren sich auch in unpassenden und grotesken Situationen (etwa wenn zwei einander unbekannte Herren versehentlich in derselben Badewanne gelandet sind) darum bemühen, sich an diese gesellschaftlichen Regeln und Normen zu halten, wodurch ein oft absurder Humor erzeugt wird. In seinen Filmen und Sketchen zeigte Loriot gewissermaßen die ‚Tapferkeit‘ von Menschen, die in den verschiedensten Situationen durch ihre bürgerlichen Umgangsformen eine Katastrophe (oder zumindest den destruktiven Ausbruch von Aggressionen) zu verhindern und so ihre Würde zu wahren versuchen. Auffallend sind daneben gekonnt eingesetzte schlüpfrige Akzente. Loriots Humor zeichnete sich durch einen meisterhaften Gebrauch der deutschen Sprache aus.

Einige Erfindungen und Formulierungen Loriots wurden im deutschen Sprachraum Allgemeingut. Dazu gehören das Jodeldiplom, die Steinlaus (die sogar mit einem Eintrag im Pschyrembel vertreten ist) und der Kosakenzipfel mit den den Konflikthöhepunkt des zugehörigen Sketches markierenden Beschimpfungen „Jodelschnepfe“ und „Winselstute“, aber auch Sätze wie „Da hab’ ich was Eigenes, hab’ ich mein Jodeldiplom“, „Und Reiter werden ja immer gebraucht!“, „Bitte sagen Sie jetzt nichts …“, „Das ist fein beobachtet“, „Früher war mehr Lametta!“, „Ein Klavier, ein Klavier!“, „Das Bild hängt schief!“, „Es saugt und bläst der Heinzelmann, wo Mutti sonst nur saugen kann“ (sowie die Variante „wo Mutti sonst nur blasen kann“), „Männer und Frauen passen (einfach) nicht zusammen!“, „Frauen haben auch ihr Gutes“ oder das lakonische „Ach (was)!“.

Meinen Dank an Wikipedia, Fritzi, YouTube und den Lokalkompass!

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Autor:

Uwe H. Sültz aus Lünen

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