Laut- und geruchslos: Ist es Hexerei? - Lüner Anzeiger testet den Elektroller Kumpan 1954s

Diesmal wurde ein Roller in unserer Autotest-Serie unter die Lupe genommen: Im Stadtverkehr und auch auf dem ländlichen Straßennetz macht der Kumpan eine gute Figur. Auf letzterem Terrain macht die lautlose Fahrt besonders viel Spaß. | Foto: Magalski
6Bilder
  • Diesmal wurde ein Roller in unserer Autotest-Serie unter die Lupe genommen: Im Stadtverkehr und auch auf dem ländlichen Straßennetz macht der Kumpan eine gute Figur. Auf letzterem Terrain macht die lautlose Fahrt besonders viel Spaß.
  • Foto: Magalski
  • hochgeladen von Holger Schmälzger

Es scheint einer Szene aus einem Harry-Potter-Film zu gleichen: Markus Schmiers, Verkaufsberater vom Autohaus Trompeter, dreht eine Runde mit einem Roller. Es geht schnell vorwärts, doch dabei hört man keinerlei Motorengeräusche oder riecht Benzin und stinkende Abgase. Ist es etwa Zauberei oder ein Hexenwerk?

Nein keinesfalls! Aber das Zauberwort heißt hier Elektroantrieb, mit dem der Roller Kumpan 1954s angetrieben wird. Eine Woche testete die Redaktion des Lüner Anzeigers den Roller im Alltag.

Umweltschonend, fast lautlos und geruchslos. Dazu mit angegebenen 70 Cent pro 100 Kilometer Verbrauch äußerst günstig. Der Kumpan-Roller haut uns schon vor der ersten Testfahrt einige positive Argumente um die Ohren.
Und es geht weiter: Schon die erste Fahrt mit dem leisen und geruchslosen Gefährt vermittelt ein Gefühl: Spaß. Wobei der für zwei Personen zugelassene Roller eher ein Cruisergefühl vermittelt. Der 1954s ist im Gegensatz zu seinem kleinen und etwas spritzigeren Modellbruder 1953 ziemlich groß und kein Leichtgewicht. Dafür ist die Beschleunigung, die wir auf unserem Testmodell erfahren mehr als ordentlich.

Zunächst schiebt er noch einigermaßen verhalten. Doch nach rund anderthalb Sekunden erfährt man eine ansprechende Beschleunigung, die bis zur maximalen Geschwindigkeit nicht abreißt und konstant verläuft. Dieser Roller ist im Straßenverkehr alles andere als eine „Bremse“ für die anderen Verkehrsteilnehmer. Bis zu 54 k/mh schafft der 1954s, laut Hersteller beträgt die Reichweite je nach Fahrweise und Außentemperatur bis 60 Kilometer. Das nutzten wir allerdings nie an einem Stück aus. Der Roller kam zwischendurch an die Steckdose. So fanden wir das Gefährt für kurze und mittlere Strecken bis zu 20 Kilometer ideal. Die Akku-Ladung dauert rund sieben Stunden. Beim 1953 gibt es ein variables Akkusystem, dort kann man die Akkus entnehmen. Der geteste1954s benötigt eine normale Steckdose in Rollernähe.

Die Teile des Rollers werden im Ausland hergestellt, aber in Deutschland montiert. „Wir haben uns entschlossen, auf dem Sektor der E-Mobilität diesen ersten Schritt anzubieten“, erläutert Markus Schmiers vom VW-Autohaus Trompeter in Brambauer, warum man nun auch Elektroroller verkauft.
Der Roller hinterlässt nach nur einer Woche ein überwiegend positives Bild. Kleinere Kritikpunkte, wie zu kleine und unhandliche Rückspiegel oder der Blinker, den man nicht hört und so immer wieder vergisst auszuschalten, können den Gesamteindruck nur gering schmälern. Das Retrodesign ist zudem sehr ansprechend.

Unser Fazit: Wer nicht ganz genau auf den Euro schaut (2.999 Euro ohne Zubehör), etwas für die Umwelt tun will und dabei trotzdem flott die Kilometer im Kurzstreckenbereich hinter sich lassen will, bekommt mit dem Kumpan den richtigen Kumpel.

Man sollte sich einfach vorher überlegen, für welche Zwecke man einen Roller benötigt und sich beim Fachhändler beraten lassen, ob ein Elektroroller dafür in Frage kommt. Spaß macht das Gefährt auf jeden Fall.

Kommentar: Spagat: Spaß - Umwelt - Preis

Der Kumpanroller macht eine Menge Spaß, ist funktionell und ohne Frage sehr umweltumfreundlich. Dann ist da aber der recht stolze Preis für einen Roller mit rund 3.000 Euro. Ein Spagat, den die Industrie noch nicht bewältigen kann. Ist das außerdem ein zu bewältigender Spagat für den Nutzer, der günstig unterwegs sein will? Jedenfalls sieht man selten Elektromobile. Auch wir wurden bei den Testfahrten mit staunenden Blicken begleitet, weil die Menschen lautlose Roller nicht kennen.

„Lohnt sich ein Elektroroller?“ Das ist die Frage die sich auch mir zu Beginn stellte, und die auch viele Bekannte stellten, als Sie mich mit dem Roller sahen oder wir darüber sprachen. Nun ja, der Anschaffungspreis ist höher, dafür ist der „Verbrauch“ sehr viel geringer. Jetzt müsste man genau rechnen, wie viel man fährt, wie hoch die Anschaffungskosten sind. Einfaches, nüchternes Rechnen. Das aber wäre gerade dem Kumpan gegenüber unfair. Ist er doch eher ein Pionier. Die ersten Videorekorder und Flachbildschirme waren schließlich auch nicht so billig. Klar, nicht jeder kann es sich leisten, diese Pionierarbeit zu bezahlen. Aber wie viele Leute kaufen sich Spaßautos, die teuer sind und für die Umwelt nichts bringen. Ein großer Spagat, den man oft durch die Gegend fahren sehen kann. Seltsamerweise setzen viele zunächst für Elektromobile andere Maßstäbe. Schade.

Mehr zum Thema:
Macht Elektro den Benzinern Konkurrenz?
Ampera hat Elektropower für lange Strecken

Autor:

Holger Schmälzger aus Dortmund-Süd

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

13 folgen diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.