Badbetriebsleiter Dustin Radde im Interview mit Marco Hortz
Erneutes Reggae-Spektakel im Naturbad

Das beliebte Reggae Festival auf dem Gelände des Mülheimer Naturbades jährte sich im letzten Jahr zum elften Mal. Vom 10. bis 12. August 2018 hieß es wieder Love, Peace and Music und es tummel-ten sich rund 12.000 Festivalbesucher im und um das Naturbad. Den Besuchern standen neben der innovativen Skimboard Anlage, den Wasserrutschen, dem Sprungturm und den natürlich aufbereite-ten Wasserflächen zahlreiche jamaikanische Genüsse und Andenken zum Kauf zur Verfügung. Alles wurde durch die jamaikanischen Reggae-Klänge begleitet. Rundherum war es mal wieder eine erfolg-reiche und ausverkaufte Veranstaltung. Bei dieser Gelegenheit stand mir der Leiter des Bades, Dustin Radde, für ein Interview zur Verfügung.

Hortz: Seit wann begleiten Sie das Reggae-Spektakel in Funktion der Badleitung?

Radde: Die PIA Stiftung betreibt das Naturbad bereits seit 2012, ich selbst bin ebenfalls seit 2012 im Bad beschäftigt. Dieses Jahr habe ich daher das siebte Festival begleitet; die Funktion als Betriebslei-ter übe ich nun seit 2015 aus.

Hortz: Wie nehmen Sie die Stimmung der Festivalbesucher wahr?

Radde: Es ist natürlich jedes Jahr aufs Neue etwas Besonderes, wenn das Ruhr-Reggea Festival beginnt. In den drei Tagen herrscht absoluter Ausnahmezustand im Naturbad Mülheim und auch in der Umgebung, da ebenfalls das Gelände des Parkplatzes, des Ruhrstadions und auch die Ruhrwie-sen für die Hauptbühne und zum Zelten für Festivalbesucher genutzt wird. Das Motto des Festivals Love Peace and Music fasst kurz und prägnant aber deutlich die Stimmung in den drei Tagen zu-sammen. In den letzten Jahren haben jährlich über zehntausend Reggae-Fans das Festival und damit auch das Naturbad besucht, das entspricht einem Hochsommerwochenende mit über 30 Grad. Es ist jedoch sehr schwer zu vergleichen, da der Schwerpunkt natürlich nicht hauptsächlich das Schwim-men, Planschen und Spielen ist, sondern eher auf den Musik-Acts und dem Angebot der Veranstalter liegt. Bei sommerlichen Temperaturen ist das Bad, wie im regulären Badebetrieb, gut besucht und unsere Attraktionen, wie beispielsweise der Sprungturm mit Plattformen von bis zu 10 Metern Höhe oder die beiden Wasserrutschen sind mehr als nur ein netter Zeitvertreib zwischen den Konzerten.

Hortz: Welches war das denkwürdigste Ereignis im Rahmen der Festivals in den letzten Jahren?

Radde: Da muss ich nicht lange überlegen. Es war in meinem ersten Jahr als Rettungsschwimmer bei sommerlichen Temperaturen im Bad. Es befanden sich knapp 4.000 Besucher im Bad und ich hatte die 10 Meterplattform bereits eine Weile geöffnet, als noch ein kleines Mädchen die Stufen hochklet-terte. Sie war ca. 10 Jahre alt und ich habe sie schon von den anderen Plattformen springen sehen, aber von ganz oben hatte sie sich bisher nicht getraut. Sie wollte so gerne springen, jedoch fehlte ihr noch ein bisschen Mut. Das lange Zureden und die Tipps für die schmerzfreie Eintauchphase haben nicht sehr viel genützt, also habe ich mir gedacht, hilft vielleicht das Anfeuern der Gäste. Einige hatten sich bereits um das Sprungbecken versammelt und warteten geduldig, ob die Kleine vielleicht doch noch springt. Dann habe ich langsam angefangen zu klatschen und die Leute machten mit; erst ein paar, dann wurden es mehr und mehr und aus allen Bereichen des Bades kamen die Gäste nach vorne oder standen von ihren Plätzen auf, um die Kleine anzufeuern. Das Klatschen wurde immer schneller und das Mädchen ist tatsächlich gesprungen. Die Freude und der Jubel der Leute waren wirklich unfassbar und immer, wenn mich jemand fragt, wie die Stimmung am Festival ist, erzähle ich gerne diese Geschichte. Noch immer bekomme ich jedes Mal Gänsehaut. Das ist Ruhr-Reggae!

Hortz: Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit dem Veranstalter?

Radde: Es ist jedes Jahr sehr unkompliziert und man kennt sich ganz gut. Die Verantwortlichen von U-Concert und deren Teams, sehr viele Gesichter der vielen Helfer sieht man jedes Jahr wieder, ma-chen einen wirklich guten Job. Die Kommunikation ist hervorragend und auch die Organisation von A-Z ist durchdacht und geht Jahr für Jahr auf.

Hortz: Was sind die Aufgaben des Naturbadpersonals?

Radde: Im Grunde, bis auf das Kassieren des Eintrittsgeldes, tut sich da nicht viel im Vergleich zum regulären Badebetrieb. Wir stellen die Wasseraufsicht, unser Kiosk und Imbiss hat geöffnet und die sanitären Anlagen werden von uns betreut. Natürlich kümmern wir uns ebenso um die Reinigung des Badgeländes; hier merkt man dann doch, dass Festival angesagt ist.

Hortz: Wie sieht Ihr Arbeitstag an einem der Festivaltage aus?

Radde: Der Badebetrieb für die Festivalbesucher beginnt am Wochenende bereits um 9:00 Uhr, vor-her stehen noch die Beckenreinigungsarbeiten an und das Gelände ist zu kontrollieren. Zudem wird das Personal aus den verschiedenen Bereichen für den Tag eingestimmt. Das Baden ist für die Besu-cher von 9:00 - 20:00 Uhr möglich, in der Zeit sind wir mit genügend Rettungsschwimmern vor Ort und stehen im ständigen Austausch, sowohl mit dem Veranstalter als auch mit dem Sicherheitsperso-nal sowie mit den Kräften des Deutschen Roten Kreuzes. Nachdem um 20:00 Uhr die Wasserflächen geschlossen wurden, stehen noch die Aufräumarbeiten und die Vorbereitungen für den nächsten Tag an. Kein Festivaltag ist wie der andere, doch durch eine gute Vorbereitung und die hervorragende Kommunikation untereinander blicken wir von der PIA Stiftung mittlerweile auf sieben unkomplizierte Festivals zurück.

Hortz: Gibt es neue Sicherheitsmaßnahmen im Vergleich zu den Vorjahren?

Radde: Davon ist mir nichts bekannt, jedoch achten die Veranstalter schon seit Jahren auf gute Ein-lasskontrollen an den verschiedenen Durchlaufzonen und auf gut geschultes Sicherheitspersonal, sodass es in den vergangenen Jahren keine besonderen Vorkommnisse gab. Auch 2018 gab es einen reibungslosen Ablauf.

Hortz: Wie haben sich die allgemeinen Besucherzahlen des Naturbades entwickelt?

Radde: Das Jahr 2018 war natürlich ein absolutes Rekordjahr. Inklusive der knapp 12.000 Festivalbe-sucher lagen wir bei über 90.000 Badegästen. Das sind knapp doppelt so viele wie im Vorjahr. Insge-samt sind wir mit dem Besucherstrom seit 2012 aber zufrieden. Der größte Faktor hier ist natürlich das Wetter. Speziell in der Hauptsaison, also in den Sommerferien, hoffen wir auf viele Tage mit hochsommerlichen Temperaturen. In der Regel kann das Naturbad um die 50.000 Besucher pro Sai-son verzeichnen, je nachdem wie viele Tage um die 30 Grad dabei sind, dann auch gerne deutlich mehr, wie der letzte Sommer gezeigt hat.

Vielen Dank für das Interview. Auf ein erfolgreiches Festival 2019 und eine sonnenreiche Saison.

Autor:

Marco Hortz aus Mülheim an der Ruhr

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