Geburtenrückgang: Das „Aus“ für Heißener Schulen?

Der Geburtenrückgang macht auch Mülheim zu schaffen. Längst werden nicht mehr fünf oder sechszügige Schulklassen gebildet, denn vorbei sind die Zeiten überfüllter Klassenräume. Ganz im Gegenteil: Einige Grund- und Weiterführende Schulen sind regelrecht erleichtert, wenn sie einen zweizügigen Klassenentwurf ermöglichen können. So steht auch die Heißener Schullandschaft vor dem großen Problem: Weniger Schüler werden an den Schulen angemeldet, doch die Schulen sollen trotz mangelnder Auslastung nicht geschlossen werden. Was tun? Hierzu erarbeitete die Stadt den speziell für Mülheim abgestimmten Bildungsent-wicklungsplan vom 17. Mai, in welchem umfassend, auf knapp 250 Seiten, Konzeptvorschläge, Bestandsaufnahmen und mögliche Entwicklungen der Schulen dargelegt werden. Dieser Bildungsentwicklungsplan ist für jeden einsehbar auf der städtischen Homepage www.muelheim-ruhr.de, Stichwort: Bildungsentwicklungsplan.
Die Untersuchungen zur schulischen Bildung in Mülheim zeigen, dass im regionalen Ver-gleich der Städte des Ruhrgebietes, in Mülheim schon deutliche Verbesserungen für die Lern- und Lebenschancen aller Kinder und Jugendlichen im Sinne der Bildung bestehen. Un-tersuchungen auf Stadtteilebenen jedoch zeigen, dass es deutliche Unterschiede gibt: Es gibt Stadtteile, Quartiere sowie Schüler, die privilegiert oder benachteiligt sind. Dies hat unmit-telbar Auswirkungen auf den Bildungserfolg- oder misserfolg. Doch der Blick viel bislang nicht auf die Schulen, so dass die Verwaltung am 23. Mai den Entwurf des Mülheimer Bildungsentwicklungsplans veröffentlichte und die Beratungen in den jeweiligen Stadtteilen beginnen konnten.
So wurde auch am Donnerstag, 9. Juni, eine Informationsveranstaltung im Gymnasium Heißen abgehalten, um das Vorhaben des Entwicklungsplans vorzustellen. Peter Vermeulen, Beigeordneter für Schule, Jugend und Kultur, moderierte diese Veranstaltung und erläuterte direkt zu Beginn: „Die Kommune ist in der Mitverantwortung, Bildung in der Stadt zu unterstützen, zu begleiten, zu entwickeln. Bildung spielt eine sehr wichtige Rolle in unserer Gesell-schaft. Daher sind wir gefordert, Chancengleichheit für alle Kinder herzustellen und den Blick auf bestehende Ungleichheiten zu richten. Wir fordern ganz klar: 'Ungleiches ungleich zu behandeln!'.“ Zudem waren Vertreter der Verwaltung sowie der Bezirksbürgermeister für Heißen, Arnold Fessen, anwesend.
Der Entwicklungsplan für Heißen sieht eine in etwa gleichbleibende Schülerzahl vor, so dass dieser Stadtteil zu den weniger problematischen Stadtteilen Mülheims zählt. „Es muss jedoch das Leitbild wechseln“, so Vermeulen, denn „wir müssen weg von der Integration hin zur Einbeziehung der Schüler.“ Hierzu spricht er die ungleiche Chancenverteilung derjenigen Schüler an, die an einer Behinderung leiden und an Förderschulen unterrichtet werden, da Grund- und weiterführende Schulen nicht ausreichend ausgestattet sind, um diese Kinder und Jugendlichen zu unterrichten. Vermeulen hofft diesbezüglich, dass „es definitiv darauf hinauslaufen wird, dass wir von den derzeit vier Integrationsschulen in Mülheim lediglich eine behalten werden und die Kinder in den anderen Schulen unterrichtet werden.“
Zudem soll eine individuelle Förderung der Schüler, innerhalb der besuchten Schulen vorgenommen werden, indem das derzeit dreigliedrige Schulsystem zusammengelegt wird. Dies bewirkt, dass ein Schulwechsel für das Kind unnötig wird, wenn es den Anforderungen einer Schulklasse, einer Schulform nicht mehr entspricht und es seinen gewohnten Freundeskreis nicht aufgeben muss.
Vermeulen weist in diesem Zusammenhang auch auf die sichere Erreichbarkeit der Schulen hin, da in Heißen gerade die vielbefahrene Bundesstraße 1 eine Gefahrenquelle beim täglichen Schulweg, für die Schüler darstellt. Desweiteren gibt es im Stadtteil Heißen keine Konfessionsgrundschulen mehr. Der Grundsatz des Entwicklungsplans diesbezüglich lautet so Vermeulen: „ Wo sich die Kirche einbringen will und kann dort kann sie es tun.“
Zum Erhalt der Grundschulen Filchnerstraße, Fünter Weg und Sunderplatz gibt es auch Vorhaben. Alternativen währen Zusammenlegungen der einzelnen Grundschulen, sowie eine Sanierung beziehungsweise ein Anbau am Standort Fünter Weg. Konkrete Angaben können hier aber noch nicht gemacht werden, da eine differenzierte Ausarbeitung und eine genaue Untersuchung dieser Sachlage noch erfolgen muss.
Auch die unterschiedlichen Gebäudezustände müssen berücksichtigt werden. So ist es in Heißen der Fall, dass einige Schulen sanierungsbedürftig sind andere wiederum nicht. Desweiteren muss es zukünftig an den schulischen Gebäuden gewährleistet werden, Kinder mit Behinderungen zu unterrichten. Dies ist nur durch behindertengerechten Umbau des Gebäudes möglich, so dass die betroffenen Schüler barrierefrei ihre Klassenräume erreichen können. Umbauarbeiten sind infolge dessen bei den meisten Schulen unvermeidlich.
Auch besorgte Eltern und Lehrer kamen am Informationsabend zu Wort. So stellte Marion Krallmann, Schulleiterin des Gymnasiums Heißen treffend fest: „Die Eltern sind es bislang von den Grundschulen gewohnt eine Kinderbetreuung bis in den späten Nachmittagsbereich zu erhalten. Kommen die Kinder dann auf unser Gymnasium muss plötzlich umgeplant wer-den. Wer holt die Kinder von der Schule ab? Wer beaufsichtigt sie nachmittags? Natürlich versuchen wir, mit den Mitteln die uns zur Verfügung stehen, eine Nachmittagsbetreuung anzubieten. Jedoch benötigen wir dazu eindeutig mehr Unterstützung der Stadt. Ich denke das wird auch auf eine positive Resonanz bei den Eltern treffen.“ Der Applaus der anwesenden Eltern, sollte Marion Krallmann diesbezüglich recht geben. Auch einige Eltern von Grundschülern besuchten den Informationsabend, sodass sich ein besorgter Vater eines Grundschülers Gehör verschaffte: „Ich glaube, dass die Situation der Zusammenlegung von Schulformen generell eine gute Idee ist. Wenn ich mir jedoch vorstelle, dass mein kleiner Sohn im Grundschulalter plötzlich mit Elftklässlern des Gymnasiums zusammentrifft, dann frage ich mich, ob das eine gute Lösung ist. Der Umgang der Schüler untereinander mit einem so großen Altersunterschied ist meiner Meinung nach schwer. Es bestehen zu große Unterschiede. Ich hoffe sehr, dass die Stadt den Erhalt der Grundschulen in Heißen bewerkstelligen kann.“ Insgesamt war jedoch eine klare Tendenz der Eltern und Lehrer festzustellen. Verständlicher Weise wollen alle Schulen an ihrem Standort festhalten und eine größtmögliche positive Veränderung herbeiführen. Lehrer fordern mehr finanzielle Mittel um die Umgestaltung der Schule, des Unterrichts und der Nachmittagsangebote zu ermöglichen. Eltern hingegen wollen ein stabiles Schulumfeld für ihre Kinder schaffen, fordern einen sicheren Schulweg und sind gar nicht so abgeneigt, auch Kompromisse einzugehen, wenn es darum geht bevorstehenden Sanierungsarbeiten der Schulgebäude anzugehen.
Das weitere Vorgehen des Bildungsentwicklungsplans für Heißen sieht nun vor, dass die einzelnen Schulen eine Stellungnahme bis zum 17. Juni an die Stadtverwaltung abgeben können, um so ihre Vorschläge, Kritiken und Bedürfnisse in die letztlichen Entscheidungen mit einwirken zu lassen.
Bis zum 21. Juli schließlich, sollen konkrete Entscheidungen fallen, so dass im Herbst, pünktlich zu den Anmeldeverfahren der Schulen, klare Verhältnisse geschaffen werden. Denn auch Peter Vermeulen fordert: „Es müssen endlich Entscheidungen getroffen werden. Es gibt große Differenzen in den Gebäudezuständen, den Standorten sowie im schulischen Personal. All das muss aufgearbeitet werden, und dies ist nur möglich wenn Schulen, Eltern, Lehrer und die Verwaltung zusammenarbeiten.“

Autor:

Daniela Neumann aus Oberhausen

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