Minipraktika am laufenden Band
Durch den Parcours in den Job

Die Macher: Karin Resse, Kathrin Snytings, Andreas Mitic, Viktor Möller, Maymol Devasia-Demming, Jan Sahm, Vladislav Vljanov , Niko Imlintz, Ilka Wolfsdorf und Wolfgang Mai präsentieren sich am Werktisch einer Ratinger Schreinerei. | Foto: Christian Schaffeld
  • Die Macher: Karin Resse, Kathrin Snytings, Andreas Mitic, Viktor Möller, Maymol Devasia-Demming, Jan Sahm, Vladislav Vljanov , Niko Imlintz, Ilka Wolfsdorf und Wolfgang Mai präsentieren sich am Werktisch einer Ratinger Schreinerei.
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Klassische Jobbörsen hat wohl jeder früher in der Schule miterlebt. Oft werden Schüler dort mit haufenweise Informationsmaterial überschüttet, das sie sowieso nicht lesen und spätestens beim nächsten Entrümpeln im Müll landet. Ein genaueres Ziel von dem, was sie später einmal beruflich machen möchten, haben die Schüler dadurch ebenfalls nicht. Der "Berufsparcours - Minipraktika am laufenden Band" will dem entgegen treten und veranstaltet zum bereits dritten Mal eine etwas andere Jobbörse.

Nachdem im ersten Jahr sieben und im zweiten Jahr 15 Unternehmen an dem Parcours teilnahmen, vermeldeten die Veranstalter in diesem Jahr einen neuen Rekord. 21 Unternehmen aus Ratingen stellen sich an einzelnen Stationen vor. Der Clou: Die Jugendlichen, die überwiegend den neunten Jahrgang besuchen, können durch praxisnahe Übungen sehen, ob sie für den jeweiligen Job geeignet sind, oder nicht. "Ein Ausbilder benötigt sieben Minuten, um zu erkennen, ob man den Jugendlichen für den Job gebrauchen kann, oder nicht", sagt Erfinderin Karin Ressel vom Technikzentrum Minden-Lübbecke. Deshalb haben die Schüler pro Station zehn Minuten Zeit. Nach 95 Minuten ist ein Durchgang beendet, sodass sich die nächsten der insgesamt 450 teilnehmenden Ratinger Schüler an den Stationen ausprobieren können. "Stellt sich ein Schüler geschickt an, kann er hier direkt einen Praktikumsplatz dingfest machen. Diese stehen für die Schüler des neunten Jahrgangs nämlich nach den Weihnachtsferien an", erzählt Mitorganisatorin Maymol Devasia-Demming vom Verein Allianz für Bildung und Lernen..

30 Gewerke können ausprobiert werden

Der Verein organisiert die Veranstaltung im Autohaus Sahm zusammen mit dem Technik-Zentrum Minden-Lübbecke und der Dumeklemmer Stiftung. Der Berufsparcours bietet den 450 teilnehmenden Schülern die Möglichkeit, innerhalb eines Vormittages bis zu 30 verschiedene Gewerke ganz praktisch auszuprobieren, um dabei ihre jeweiligen Talente zu entdecken. Gleichzeitig haben auch die teilnehmenden Unternehmen die Möglichkeit, die Schüler kennen zu lernen und von ihnen einen ersten Eindruck zu bekommen. In der Regel geschieht das sonst erst im Vorstellungsgespräch.

"Hemmeschwelle ist deutlich geringer"

"Ich denke, dass die Hemmschwelle hier deutlich geringer ist, als in einem Vorstellungsgespräch", sagt Jan Sahm, Inhaber des Autohauses und erster Vorsitzender des Vereins Allianz für Bildung und Lernen. "Das liegt daran, dass dort der Geschäftsführer oder Personalchef vor den Jugendlichen sitzt und komische Fragen stellt." Beim Berufsparcours stellen Meister oder Handwerker ihren Beruf vor. "Das ist viel authentischer, da das die späteren Arbeitskollegen sind, mit denen derjenige täglich in Kontakt treten würde. Mein Meister erkennt außerdem sofort, ob jemand eine begnadete Hand hat, oder nicht."

Nachwuchs im Handwerk fehlt

Insbesondere im Handwerk wird händeringend Nachwuchs gesucht. Das liegt mitunter daran, dass immer mehr Schüler ein Studium beginnen. Aktuell sind alleine in Nordrhein-Westfalen 773.879 Studierende an Universitäten und Hochschulen eingeschrieben - ein neuer Höchststand. Das geht aus den neuesten Zahlen des Statistischen Landesamtes hervor. 
Doch es ist auch möglich, ohne ein Hochschulstudium Karriere zu machen. "Wir wollen den Schülern zeigen, dass man nicht studieren muss, um erfolgreich zu sein. Dazu müssen wir den Schülern die Berufe aber auch zeigen", sagt Devasia-Demming. Insbesondere die Region in und um Ratingen herum boomt. Alleine in Ratingen gibt es zahlreiche Handwerksbetriebe. Aber auch im benachbarten Velberter gibt es durch die Schlösserindustrie wertvolle Jobs. 

Über den Berufsparcours:
-> Der Berufsparcours wurde vor 18 Jahren von Karin Ressel ins Leben gerufen.
-> Er soll jungen Menschen die Berufe näher bringen und eine Alternative zu klassischen Jobbörsen sein.
-> Mittlerweile hat Ressel über 220 Veranstaltungen mit mehr als 50.000 Jugendlichen organisiert.
-> Ressel ist mit ihrem Projekt deutschlandweit tätig. In Ratingen findet der Berufsparcours seit drei Jahren statt.

Autor:

Christian Schaffeld aus Oberhausen

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