Bäume erhalten oder fällen? Wie gehen wir mit den Sturmopfern um?

Kann dieser Baum gerettet werden?

sind grün, für viele Gäste sogar überraschend grün. Nur leider hat das Pfingstunwetter vielen Bäumen der Stadt schwer zugesetzt, so dass die Stadt befürchtet nun 5.000 bis 10.000 fällen zu müssen.

Für einige Bäume kommt jede Hilfe zu spät. Sie hat es samt Wurzel aus dem Boden gerissen. Da lässt sich dann leider nichts mehr machen. Andere Bäume sind schwer beschädigt und es stellt sich die Frage, können diese gerettet werden bzw. will die Stadt diese retten?

Unserer Stadt eilt der Ruf voraus, dass man schnell mit der Säge zur Hand ist und das Fällen von Bäumen zeit- und ggf. auch kostenintensiven Pflegemaßnahmen vorzieht. Die Bürger haben da z.B. noch die Fällaktion für das Musikzentrum und zuletzt die Kastanienfällaktion im Stadtparkviertel in schlechter Erinnerung. Dort wurden zahlreiche Kastanien aus Verkehrsicherungsgründen vorbeugend gefällt, viele der verbliebenen hat jetzt der Sturm schwer beschädigt oder sogar ganz zerstört. Diesem Sturm konnten selbst gesunde Bäume nichts entgegensetzen, wenn sie die Sturmböen voll abbekommen haben.

Viele Bäume sehen schlimm aus. Können aber durch einen so genannten Kronensicherungsschnitt gerettet werden. Dabei wird „bei schwer geschädigten Bäumen, die erhalten werden sollen, … entsprechend den Erfordernissen der Verkehrssicherheit Kronenteile oder die gesamte Krone im Grob- und Starkastbereich" eingekürzt (ZTV-Baumpflege). Von einem Kronenschnitt wird gesprochen, so lange keine Schnitte im Starkastbereich vorgenommen werden müssen, keine stammbündigen Schnitte und keine Kappungen. Zudem soll 2/3- des Feinastmaterials des Baumes erhalten bleiben.

Wenn allerdings der Schnitt aufgrund der Schäden radikaler ausfallen muss, dass die Krone ganz oder in wesentlichen Teilen entfernt werden muss, so kommt es zwangsläufig zu einer so genannten Kappung des Baumes. Dann hat der Baum auf Dauer nur eingeschränkte Überlebenschancen, kann zum Sicherheitsrisiko werden und eine Fällung ist regelmäßig in Betracht zu ziehen. Denn eine Kappung bedeutet für den Baum ein erhöhtes Risiko von Baumfäule und Bruchgefahr sowie einen reduzierten Gesundheitszustand, der letztlich eine Verkürzung der Lebensdauer zur Folge hat.

Zu bedenken ist, dass bei einem Kronensicherungsschnitt wie bei Kappungen oder sonstigen starken Eingriffen regelmäßige Pflegemaßnahmen die Folge sind. Der Baum muss ganz oder teilweise eine neue Krone aufbauen. Damit dies gelingt, sind mindestens alle drei bis fünf Jahre, ggf. sogar häufiger, Pflegemaßnahmen notwendig, bei denen insbesondere bruchgefährdete Ständer entfernt bzw. Triebe ausgedünnt werden.

Dass bedeutet, die Stadt muss für die folgenden Jahre hinsichtlich der betroffenen Bäume mit einem erhöhten Pflegeaufwand rechnen, der auch nicht zu unterschätzende Kosten zur Folge hat.

Die Stadt und die Bürger müssen also jetzt entscheiden, wie geht man mit den Sturmschäden um:

Wollen wir möglichst viele Bäume erhalten und sind bereit die Folgekosten zu tragen?

oder

Retten wir nur die Bäume, die mit einem Kronensicherungsschnitt erhalten werden können und fällen alle diejenigen, die nur mit einer Kappung gerettet werden könnten?

oder

Ziehen wir bei allen schwer beschädigten Bäumen eine Fällung der Rettung der Bäume vor?

Damit man eine sinnvolle Entscheidung zum weiteren Vorgehen treffen kann, muss die Verwaltung nun ausrechnen, welche Handlungsalternativen mit welchen Folgekosten verbunden sind und wie diese Kosten ggf. durch Notfallmittel z.B. aus dem EU-Hilfsfond gedeckt werden können.

Kosten, die nicht durch Gelder aus Hilfsfonds gedeckt werden, muss die Stadt selbst aufbringen. Dafür gibt es im Haushalt keine Reserven, denn die Stadt ist pleite. Um die Kosten zu decken, müsste daher z.B. für einen begrenzten Zeitraum (z.B. 5 Jahre) die Grundsteuer erhöht werden.

Sind wir Bürger bereit, um die Bäume zu retten, höhere Grundsteuern zu bezahlen? Auch diese Frage müssen wir in den nächsten Monaten klären.

Ehe die Säge zum Zug kommt, müssen wir uns gut überlegen, was uns die alten Bäume, die unser Stadtbild in entscheidendem Maße prägen, die aber nun leider Opfer des Sturms geworden sind, wert sind.

Dabei ist auch zu bedenken, dass jeder Baum zudem einen wertvollen Beitrag für ein gutes Stadtklima liefert.

Volker Steude
Die STADTGESTALTER - politisch aber parteilos

BoWäH - Bochum und Wattenscheid ändern mit Herz

Autor:

Dr. Volker Steude aus Bochum

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