"Hitlerjunge Salomon" Sally Perel zu Gast: "Geschichte ist die beste Lehrmeisterin"
Zeitzeuge trifft Jugendliche

Nach seinem eineinhalbstündigen Vortrag, der mit lautem Applaus honoriert wurde, beantworte Sally Perel gerne noch Fragen der Gäste.
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  • Nach seinem eineinhalbstündigen Vortrag, der mit lautem Applaus honoriert wurde, beantworte Sally Perel gerne noch Fragen der Gäste.
  • Foto: Mustafa Sirin
  • hochgeladen von Antje Geiß

Einen besonderen Gast begrüßte das Jugendforum in der Auslandsgesellschaft: Der 93-Jährige Zeitzeuge Sally Perel erzählte den über 70 jungen Dortmundern von seinem Überleben in der NS-Zeit und diskutierte mit ihnen. Mit dem Film seiner Autobiographie „Ich war Hitlerjunge Salomon“ wurde Sally Perel in den 1990er Jahren international bekannt.

Sally Perel wird am 21. April 1925 im niedersächsischen Peine geboren. Seine Eltern sind fromme Juden, die 1935 vor den Nationalsozialisten zunächst nach Polen flüchten. Sally flieht 1939 nach dem Überfall Nazi-Deutschlands auf Polen weiter in die Sowjetunion bis nach Minsk, wo er 1941 deutschen Truppen in die Hände fällt. Er weiß, dass er nur eine Chance hat: seine Papiere entsorgen und eine andere Identität annehmen. „Meine einzige Waffe war die Lüge“, sagt Sally Perel in seinem Vortrag. „Ich wollte leben.“

Mutter: "Ihr sollt leben!"

Und er erinnerte sich daran, was seine Mutter ihm und seinem Bruder 1939 zum Abschied sagte: „Ihr sollt leben“. Er gab sich als Volksdeutscher aus und konnte seine Feinde überzeugen. Der Mut der Verzweiflung und die Ironie des Schicksals machten aus ihm Jupp Perjell, das jüngste Mitglied der deutschen Wehrmacht. Ein Jahr lang lebte er mit den Soldaten an der Ostfront und unterstützte sie als Dolmetscher. Danach schickte man ihn nach Braunschweig, wo er bis Kriegsende inkognito in einem Internat der Hitlerjugend lebte. Er trug nun die Uniform seiner Feinde.

Wahre Identität verbergen

Vier lange Jahre musste er in der HJ-Jugend seine wahre Identität verbergen und mit der Angst leben, entdeckt zu werden. Er beschrieb ausführlich, wie den jungen Deutschen der Hass eingeimpft wurde, wie er selbst der NS-Ideologie verfiel und die innere Zerrissenheit dieses Doppellebens, das ihn in die Rolle des Opfers wie in die des Täters zwang.
Mit viel Glück überlebte er den zweiten Weltkrieg, die vier Jahre unter seinen Feinden, die für ihn wie vier Ewigkeiten vorkamen. Seine Eltern und seine Schwester fielen dem Holocaust zum Opfer. Nur sein Bruder überlebte. 1948 wanderte Perel nach Israel aus und baute sich dort eine neue Existenz auf.

Zeichen gegen Hass setzen

Sally Perel ist ein begnadeter, warmherziger und humorvoller Erzähler, der schnell die Herzen aller Beteiligten gewann. Er erzählte über seinen beschwerlichen und bewegenden Lebensweg. Immer wieder hatte Sally Perel wichtige Botschaften für die Jugendlichen: sich gegen Rassismus zu engagieren und sich für ein Miteinander einzusetzen. "Die Geschichte ist die beste Lehrmeisterin" war einer seiner wichtigen Sätze. Ein weiterer war: „Ich bin ein Zeitzeuge, und wenn ich gehe, will ich Euch als Zeitzeugen hinterlassen.“ Er appellierte an die jungen Gäste, in der heutigen Welt, die geprägt ist von stetig aufkeimenden Nationalismus und Populismus ein Zeichen gegen den Hass zu setzen - denn er selbst weiß es aus eigener Erfahrung, wie der Hass ihn veränderte und verrohte.

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