Tierschutzpartei sieht Verstoß gegen Tierschutzgesetz
Taubenhäuser und betreute Fütterung für das Überleben der Stadttauben

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Die aktuelle Corona-Pandemie und der Lockdown vieler Geschäfte in der Innenstadt beeinflusst nicht nur unser aller Leben, sondern verursacht auch weitreichende Folgen in der Tierwelt. Aktuell verschlechtert sich die ohnehin schon prekäre Lage der Dortmunder Stadttauben. Durch die menschenleeren Straßen ist es den Tieren nicht mehr möglich, ausreichend Nahrung zu finden, und wenn sich die Situation nicht verbessert, werden viele der Tiere kläglich verhungern. Städte wie Bonn und Köln haben vor diesem Hintergrund bereits Ausnahmegenehmigungen für die Fütterung erteilt.
Das Ordnungsamt der Stadt Dortmund führt auf dortmund.de die Gefahr der Ansteckung durch Tauben mit Krankheiten und Parasiten und die Verschmutzung der Umgebung durch Taubenkot als Probleme auf, die durch den Präsenz von Stadttauben für den Menschen entstehen. Die Ansicht, dass die Stadttauben ein Gesundheitsproblem für den Menschen darstellen und ihre Anwesenheit zerstörerisch für Bauten und Denkmäler ist, ist dabei weit verbreitet und selbst tierfreundliche Stadtbewohner sehen in ihnen „Ratten der Luft“, die es zu bekämpfen gilt. Es ist dabei laut einem Prüfbericht der TU Darmstadt aus dem Jahr 2004 erwiesen, dass Taubenkot nicht materialschädigend ist und das von Tauben keine größeren gesundheitlichen Gefahren ausgehen, als von anderen Vögeln und Tieren auch.

Stadttauben sind keine Wildtiere

Die natürliche Nahrung von Tauben besteht primär aus Körnern und Samen, die in den Städten rar sind. Somit haben die Tauben keine Möglichkeit, in Städten an artgerechtes Futter zu gelangen, und sind darauf angewiesen, sämtliche verfügbare, menschliche Essensreste zu fressen: von Brotkrümeln bis hin zu verschimmelter Pizza. Das schwächt ihr Immunsystem immens, lässt sie schneller erkranken und führt oft zu einem flüssigen „Hungerkot“. Da sie ihre Küken versorgen müssen, betteln sie um jeden Krümel.

Wichtig ist es in diesem Zusammenhang auch festzuhalten, dass die Dortmunder Tauben keine Wildtiere sind! Stadttauben stammen von verwilderten Haus- und Brieftauben ab, die einst aus der am Mittelmeer heimischen Felsentaube gezüchtet wurden. Im Gegensatz zu unseren heimischen Wildtauben, wie die Ringel- und Turteltauben, die in Bäumen brüten, leben und brüten Felsentauben in Felswänden. Als Abkömmlinge der Felsentaube brauchen Stadttauben also kleine, flache Flächen, auf denen sie ihre Nester bauen können. Diese finden sie in Häuserfassaden und anderen städtischen Strukturen, doch nahezu überall werden sie durch Abwehrnetze und Metallspitzen vergrämt. In der Folge sind die Tiere gezwungen, immer dichter zusammenzurücken. Das ist nicht nur für sie selbst unangenehm, sondern erweckt bei vielen Menschen den Eindruck, es gäbe eine übermäßige Zahl an Stadttauben. Hinzu kommt, dass jedes Jahr hunderte neue Tauben in den Städten stranden. Es handelt sich dabei desorientierte Tiere, die für Wettflüge oder Hochzeiten aufgelassen wurden. Sie schließen sich der Stadttaubenpopulation an und vergrößern das Leid.

Fütterungsverbot als Lösung?!

In vielen Städten und Gemeinden wird, wie auch bei uns in Dortmund bereits seit dem Jahr 1983, das Fütterungsverbot als Lösung propagiert. Die Idee dahinter ist, dass Tauben nur deshalb so viel brüten, weil sie zugefüttert werden. Die Vorstellung, dass durch ein großes Futterangebot auch die Zahl der Tauben ansteigen kann, erscheint jedem verständlich.
Tatsächlich aber ist das Nicht-Füttern tierschutzwidrig. Denn wie eine Studie an Baseler Taubenschlägen zeigte, hören selbst unter- und mangelernährte Tauben nicht auf, Eier zu legen und Küken auszubrüten. Aber sie können sie nicht mehr ernähren und die Küken verhungern schlicht im Nest. Nach ihrem Tod versuchen die Eltern es dann laut einer Studie aus dem Jahr 2016 erneut mit der nächsten Brut.

„Nur durch eine von der Stadt selbst durchgeführte, bzw. von Tierschutzvereinen unterstützte und betreute Fütterung der Stadttauben kann die Population auf tierschutzgerechte Weise reguliert werden. Es kann dabei weder im Sinne der Stadt sein, dass die Tiere unter Verstoß gegen das TierSchG elendig verhungern, noch dass eine unkontrollierte private Fütterung (teilweise aus falsch verstandener Tierliebe mit nicht artgerechtem Futter) durchgeführt wird“ zeigt Angelika Remiszewski von der Dortmunder Partei Mensch Umwelt Tierschutz (Tierschutzpartei) eine mögliche Lösung auf.

Die tierschutzgerechte Methode

Die einzige wirksame und tierschutzgerechte Methode, um die Taubenpopulationen auf Dauer zu verkleinern und gesunde Tiere zu bekommen, ist die Einrichtung betreuter Taubenschläge nach dem Augsburger Modell. Die Stadt Augsburg betreibt dabei als bundesweiter Vorreiter zwölf betreute Taubenschläge im Stadtgebiet. Dadurch nimmt die Präsenz von futtersuchenden Taubenschwärmen in der Innenstadt und damit die Belästigung der Bürger*innen durch bettelnde Tauben ab. In den Taubenschlägen können Tauben Paare bilden und brüten. Die Eier werden allerdings ausgetauscht gegen Attrappen, so dass die Tiere weiter an ihr Nest gebunden bleiben, aber keine Küken aufziehen werden. Betreute Taubenschläge werden bereits in vielen Städten mit Erfolg betrieben, ein einzelner ist jedoch nicht ausreichend, um der Situation in einer Großstadt wie Dortmund gerecht zu werden.
Da Tauben das ihnen vom Menschen angezüchtete Verhalten nicht ändern können, stehen wir als Bürger*innen in der Verantwortung, den Tauben zu helfen, ihnen alternative Lebensräume zu bieten, ihre Versorgung sicherzustellen und über Vorurteile und Falschinformationen sachlich aufzuklären.

Autor:

Sebastian Everding aus Dortmund-Süd

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