"OPERATION HURRICANE" - Die Duisburger Schreckenstage vom 14. / 15. Oktober 1944 - Ein Rückblick

Altstadt - Luftbild nach den Angriffen
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Die ZEITZEUGENBÖRSE DUISBURG erinnert an die schlimmsten Tage für die Stadt Duisburg im 2. Weltkrieg!

Duisburg ist Wirtschafts- und Handelszentrum am Zusammenfluss von Rhein und Ruhr. Wenn heute die Menschen am Abend das Licht in ihren Häusern löschen, erhellt der Schein der großen Stahlwerke oftmals den Nachthimmel über der Stadt. In den Jahren des 2. Weltkrieges brachte jedoch jeder Lichtschein Zerstörung und Tod über die deutschen Städte.

Dieser Weltenbrand tobte im Jahr 1944 mittlerweile seit 5 Jahren und auch Duisburg stand seit 1940 im Zeichen der Luftangriffe der britischen Royal Air Force (RAF). Auch heute begegnen uns Zeugnisse jener Schreckensjahre im Stadtgebiet, und lassen diese nicht in Vergessenheit geraten.

Angefangen bei den zahllosen LS Bunkern in allen Stadtteilen, über Hausruinen, Schutzraumhinweise an Hauswänden, bis zu den immer noch Tod und Verderben bringenden Bombenfunden.

Wir wollen heute auf jene beiden Tage im Luftkrieg auf die Stadt zurückblicken, an denen das Grauen vom Himmel fiel und die mit Tränen in die Stadtgeschichte eingetragen sind, den

14. / 15. Oktober 1944

Dieser Bericht weckt die Erinnerung an die grauenvollste Zeit, die die Stadt Duisburg je erleben mußte. Die 66 Jahre, die seitdem vergangen sind, haben die apokalyptischen Erlebnisse vielleicht verblassen lassen. Aber sie sollten niemals vergessen werden und künftigen Generationen stets Mahnung und Warnung sein.

Was machte diesen Tag im Luftkrieg jedoch für die Bewohner so unvergesslich? Diese Frage begleitet Historiker seit Jahren. Die Forschungen wurden nicht nur auf die Duisburger Quellen beschränkt, sondern auch auf die Archive der Briten und Amerikaner.

Auch heute noch ist es ein nicht geringer Teil der Bevölkerung Duisburgs und der anderen betroffenen Städte der OPERATION HURRICANE, der, zumindest als Kind oder Jugendlicher den Krieg noch miterlebt hat.

Wenn die Menschen während der Bombenangriffe in den Luftschutzkellern und Bunkern um ihr Leben bangten und viele von ihnen auf schrecklichste Art und Weise zu Opfern dieses Krieges wurden, gab es zur gleichen Zeit und am gleichen Ort teilweise erst 15 - 16 Jahre alte Jungen, die als Flakhelfer oder Feuerwehrhelfer dem Bombenhagel schutzlos ausgeliefert waren, und Frauen, die im Kriegshilfsdienst ihren Dienst taten.

Es kam der Punkt, der aufzeigte, daß es sich bei den Ereignissen am 14./15. Oktober 1944 nicht nur um einen der vielen Luftangriffe auf die Stadt Duisburg handelte, sondern um die größte Luftoperation des 2. Weltkrieges überhaupt.

Bei einem Besuch im Public Record Office in London erkannte man sehr schnell, daß die Ereignisse in Tausenden von Akten und auf ebenso vielen Mikrofilmen minutiös festgehalten worden sind. Die Einheiten des Bomber Command (BC) erstellten eine zuverlässige Dokumentation ihrer Operationen.

Ein weitsichtiges Luftfahrtministerium bestellte Standard Formulare, die Air Force Forms 540 und 541 welche von jeder einzelnen Maschine nach jedem Einsatz ausgefüllt werden mussten. Die Seriennummer der Maschine, die Crew, die Bombenladung und die Startzeit wurden notiert. Wenn die Maschine sicher zurückkam, wurde die Zeit der Landung und ein Kurzbericht der Erfahrungen der Crew während des Fluges hinzugefügt.

Im Public Record Office in dem schönen Themsestädtchen Kew in der Grafschaft Surrey gibt es über 250 dieser Operation Record Books von der Ebene des Bombers über die Squadrons, Wings, Groups bis hin zu den Airfields, den Flugplätzen. Hinzu kommen noch einmal fast 200 Appendices, Anhänge mit weiteren detaillierten Informationen. Insgesamt wurden über 2000 Akten gesichtet.

Das Bomber Command Headquarter fertigte den Abschlußbericht eines jeden Angriffes an. Da sich alle Glieder der Kette auf britischem Territorium befanden, blieben die Dokumente erhalten.

Ein Besuch im Royal Air Force Museum in Hendon im Norden Londons führte dann die Boten des Schreckens in ihrer originären Form vor Augen. Dort gab es ein Treffen mit Mr. Douglas Radcliffe, Secretary der Bomber Command Association, der sich im zufälligen Gespräch an eigene Erlebnisse über Duisburg erinnerte.

Aus diesem entwickelte sich eine Suchaktion, die in einem Aufruf von Mr. Radcliffe an die Veteranen des Bomber Command mündete. Fast 3.500 ehemalige RAF Mitglieder antworteten und teilten ihnen ihre Erinnerungen mit.

Und unweit der Waterloo-Station findet man in der britischen Hauptstadt noch ein weiteres Museum, in dem ebenfalls die Erinnerungen an die beiden Weltkriege ausgestellt sind, das „Imperial War Museum“, das zudem über einen reichhaltigen Bildbestand verfügt, und in dem auch die Angriffsfilme vom Tagangriff auf Duisburg am 14. Oktober 1944 sowie vom Nachtangriff am 15. Oktober 1944 auf Braunschweig zu finden sind.

Es kam eine übergroße Menge an Informationen zusammen und eine nicht zu beschreibende Hilfe derer, die mit ihren Erinnerungen zur Lebendigkeit dieser Veröffentlichung beitrugen. Dokumente, die man bislang noch nie gesehen hat machen vielleicht den Wert dieses Buches aus, das sich hervorheben soll unter den zahllosen Büchern über den Luftkrieg und insbesondere über den Bombenkrieg.

Dieser Beitrag kann vielleicht eine Antwort auf Fragen von Menschen sein, die nahe Verwandte oder Hab und Gut verloren haben und die kaum an Zufall oder schicksalhaft und unausweichlich vorherbestimmte Geschehensabläufe glauben mögen. Der Hergang der OPERATION HURRICANE lässt sich ziemlich authentisch schildern und eine Identifikation mit den Schauplätzen ist möglich.

Bei den Bezeichnungen der britischen und amerikanischen Truppenteile wurden diese im Original übernommen. Aus einer Squadron wird somit keine Schwadron. Gleiches gilt für die Dienstgradbezeichnungen und die Bombengewichte.

Auch soll die bislang immer wieder falsche Geschichtsschreibung korrigiert werden. Die Recherchen in den zahllosen Archiven zeigten, daß sich in Duisburg die Stadtgeschichtsschreiber bislang nur sehr oberflächlich mit den Hintergründen der Geschichte des Luftkrieges beschäftigt hatten und diese neu geschrieben werden muß.

Die Toten des der OPERATION HURRICANE, die auf so tragische Weise umkamen, dürfen nicht unerwähnt bleiben. Alleine die Zahl der Opfer im Rahmen dieser Operation war nach bisherigen Recherchen fast doppelt so hoch wie bislang immer wieder angegeben.

Auch die Menge der abgeworfenen Sprengmittel wurde seit Anbeginn immer wieder falsch wiedergegeben. Auch muß die Gesamtzahl der Luftangriffe auf die Stadt an der Ruhrmündung neu betrachtet werden. Bislang sprach man immer von markanten 299 Luftangriffen. Die notwendigen Korrekturen, insbesondere unter Einbeziehung der erst weit nach Kriegsende zugänglichen, insbesondere britischen Quellen, ergeben allerdings 311 Angriffe.

Der Blick in diesem Beitrag wurde über die den Bombern vorgegebenen Zielorte im Rahmen der Operation, auch ausgedehnt auf die angrenzenden Nachbarstädte. Der Bomber machte keinen Unterschied zwischen Duisburgern, Essenern, Oberhausenern oder Mülheimern. Die Bomben trafen in der Nacht nie das ihnen vorgegebene Ziel sondern fielen wahllos in die von aufkommenden Bränden sich erhellende Dunkelheit der Städte.

Denken wir an diejenigen, die diese Stunden nicht überlebten und die, die zurückblieben. Denken wir also an jenen schicksalhaften 14. / 15. Oktober 1944, als eines der Ziele dieser OPERATION HURRICANE „Duisburg“ hieß.

OPERATION HURRICANE 1944

Am 4. September 1940 hatte Adolf Hitler in seiner Rede zur Eröffnung des Winter Hilfswerkes mit der folgenden Aussage über den Luftkrieg zwischen Deutschland und England den Wind gesät, den die Engländer 4 Jahre später zum Sturm werden ließen, denn nicht ohne Grund gab man der größten Luftoperation des 2. Weltkrieges am 14. / 15. Oktober 1944, bei der ein Hauptziel die Stadt Duisburg war, den Namen

„HURRICANE“

„Wenn die britische Luftwaffe 2 oder 3 oder 4000 Kilogramm Bomben wirft, dann werfen wir jetzt in einer Nacht 150.000, 180.000, 230.000, 300.000, 400.000 und mehr Kilo! Und wenn sie erklären, sie werden unsere Städte in großem Maßstabe angreifen - wir werden ihre Städte ausradieren!“

Vier Jahre dauerte es, bis im Oktober 1944 die Squadrons des BC wieder aufgefüllt und die elektronischen Störgeräte weiterentwickelt waren, um die gefürchteten Jäger auszuschalten.

In einer geheimen Mitteilung vom 01. Oktober 1944 wurde die strategische Bedeutung der Stadt Duisburg noch einmal detailliert beschrieben. Sie stand in der Prioritätenliste der

„Deutschen Städte zwischen 30 und 50 Meilen von der Front“

in der ersten Kategorie. Mit 440.000 Einwohnern auch im 5. Kriegsjahr immer noch sehr dicht besiedelt, war die angenommene intakte Fläche in dem in verschiedene Zonen eingeteilten Stadtgebiet mit ca. 405 - 607 qkm in einer „roten Zone“ und ca. 2428 qkm in einer „grünen Zone“ noch sehr groß.

Ebenso hatten Aufklärungsfotos und Agentenmeldungen bewiesen, daß die Stadt sich relativ gut erholt hatte. Mit einem einzigen, massiven Schlag sollte ihr jetzt der Garaus gemacht werden.

Mit einem Großangriff, wie ihn die großen Nachbarstädte schon hatten erdulden müssen, rechneten im Grunde alle Duisburger, zumal die feindlichen Geschwader bei der Nähe der Front vor den deutschen Grenzen keinen weiten Anflug mehr hatten und eine eigene Luftflotte, mit der man Gegenangriffe hätte fliegen können, nicht mehr existierte.

Auch die anscheinend seit Ende 1943 in den Wäldern des Duisburger Südens eingesetzten, modernsten Radar Anlagen konnten den Einflug der feindlichen Bomber nicht verhindern, da Abwehrwaffen nicht mehr ausreichend vorhanden waren.

Die OPERATION HURRICANE im Überblick

Im „Kriegstagebuch der RAF“ ist zu lesen:

14. Oktober 1944

DUISBURG

Dieser Angriff war Teil einer speziellen Operation, die in den Geschichtsbüchern bislang nur wenig Beachtung gefunden hatte. Am 13. Oktober erhielt Sir Arthur Harris den Befehl für die Operation

„HURRICANE“

Das BC war wahrscheinlich von diesem Befehl vorgewarnt worden, da es bereits kurz nach der Morgendämmerung am 14. Oktober in der Lage war, den ersten Teil der Operation durchzuführen.

Schwere Bomber hatten seit 48 Stunden keine Operationen mehr geflogen und 1013 Maschinen: 519 Lancaster, 474 Halifax und 20 Mosquitos starteten mit Ziel auf Duisburg, begleitet von einer RAF Fighter Eskorte. 957 Bomber warfen ihre Bomben zwischen 8.45 und 9.05 Uhr über der Stadt ab.

3.574 Tonnen Sprengbomben und 820 Tonnen Brandbomben auf Duisburg. 14 Maschinen werden vermisst, 13 Lancaster und 1 Halifax. Es war möglich, daß die Lancaster die früheren Wellen des Angriffs geflogen waren und die Aufmerksamkeit der deutschen Flak auf sich gezogen haben, bevor die Flakstellungen durch die Bombardierung überrollt worden waren.

Für ihren Teil der Operation „HURRICANE“, startete die 8. USAAF 1.251 schwere Bomber, von 749 Fightern begleitet. Mehr als 1.000 der schweren Amerikaner bombardierten Ziele im Raum Köln. Die amerikanischen Verluste bestehen aus 5 schweren Bombern und 1 Jäger. Es wurde kein Flugzeug der Luftwaffe gesehen.

Das BC flog zur Bomberunterstützung an diesem Tag noch mehre „Radio Counter Measure“ (Funkstör) Angriffe.

Wer nun meint, man hätte für längere Zeit erst einmal Ruhe vor weiteren Angriffen, täuschte sich sehr. Bereits in der darauf folgenden Nacht vom 14./15.10. erfolgen zwischen 1.30 und 2.00 Uhr und zwischen 3.55 und 4.15 Uhr zwei weitere Angriffe gegen die Stadt an der Ruhrmündung.

15. Oktober 1944

DUISBURG

Das BC beendet die Operation „HURRICANE“ durch den Start von weiteren 1.005 Maschinen, 498 Lancasters, 468 Halifaxes und 39 Mosquitos, um die bereits aus allen Wunden blutende Stadt Duisburg in der folgenden Nacht noch einmal anzugreifen.

941 Flugzeuge warfen in dieser Nacht 4.040 Tonnen Sprengbomben und 500 Tonnen Brandbomben. 5 Lancasters und 2 Halifaxes gingen verloren.

In der Angriffsliste wird die Zahl der abgeworfenen Bomben mit 258 Luftminen, 11.933 Sprengbomben und 209.170 Stabbrandbomben angegeben.

Aus den drei Angriffen der „OPERATION HURRICANE“ macht die offizielle Angriffstatistik jedoch nur zwei Angriffe, denn die beiden Nachtangriffe werden zu einem zusammengefasst.

Rund 9.000 Tonnen Bomben fielen somit in weniger als 18 Stunden auf Duisburg.

BRAUNSCHWEIG

Das BC konnte jedoch nicht nur mehr als 2000 Maschinen in weniger als 24 Stunden gegen Duisburg in die Luft bringen, nein es gab immer noch genug Kraft für die 5. BG um Braunschweig mit 233 Lancasters und 7 Mosquitos anzugreifen. Die verschiedenen Ablenkungsmanöver und Jäger Begleitungen, die vom BC vorgenommen worden waren, waren so erfolgreich, daß nur 1 Lancaster bei diesem Angriff verloren ging.

Viermal hatte man in diesem Jahr versucht, Braunschweig, die Stadt „Heinrich des Löwen“, zu zerstören und die 5. BG erreicht dieses Ziel unter Nutzung ihrer eigenen Markierungsmethode in dieser Nacht. Es war der schlimmste Angriff des Krieges und die Altstadt wurde komplett zerstört.

BEGLEITENDE UND KLEINERE OPERATIONEN

141 Trainings Flugzeuge machten einen Ablenkungsflug auf Helgoland, 20 Mosquitos auf Hamburg, 16 auf Berlin, 8 auf Mannheim und 2 auf Düsseldorf.

132 Flugzeuge der 100. BG waren auf „Radio Counter Measure“, „Serrate“ und „Intruder“ Flügen, um das Küstenradar zu stören. 8 Flugzeuge befanden sich auf Abwehr Flügen, 1 Halifax ging auf dem Ablenkungsflug verloren, sie wurde gesehen, als sie brennend in die See stürzt. Eine Mosquito wurde bei dem Angriff auf Berlin zerstört. Insgesamt gab es in dieser Nacht 1.572 Starts. Nur 10 Flugzeuge gingen verloren.

Die totale Einsatzstärke innerhalb der vergangenen 24 Stunden betrug 2.589 Starts. Hierbei verlor die RAF 24 Flugzeuge. Die totale Bombenmenge, die in diesen 24 Stunden abgeworfen wurde betrug 10050 Tonnen. Davon fielen alleine 9000 Tonnen auf Duisburg. Diese Rekordzahlen wurden im ganzen weiteren Kriegsverlauf nie wieder erreicht !!!

18 Lancaster der 9 Squadron, 5. BG griffen an diesem Tag noch den „Sorpe Staudamm“ an, das zweitwichtigste Wasserreservoir für das Ruhrgebiet, der bereits eines der Ziele für den großen „Dam raid“ der 617. Squadron im Jahr 1943 war. 16 Maschinen warfen die sogenannten „Tallboys“ und weitere Bomben ab und trafen den Damm. Dieser hielt jedoch.

Die Auswertung der gesamten OPERATION HURRICANE durch das BC stellte alle Erwartungen in den Schatten. Hierüber gaben die abschließenden Berichte und Zusammenfassungen noch einmal einen Überblick. Die Gesamtdarstellung der OPERATION HURRICANE wurde am 16. Oktober herausgegeben.

ANGRIFFS BERICHT UND R.C.M. BERICHT für die Nacht 14./15.10.1944

GESAMTDARSTELLUNG

„Das bislang größte durchgeführte Unternehmen das jemals stattfand wurde zur Unterstützung der schweren Angriffe in dieser Nacht angesetzt und war äußerst erfolgreich. Eine vorläufige Analyse zeigt, daß der Erfolg von einer kompletten Verwirrung des feindlichen Verteidigungssystems herrührte und soweit man es bisher feststellen konnte, war dieser nicht in der Lage, irgendeinen der Kampfverbände genau zu lokalisieren und seine Jäger gezielt und frühzeitig zu entsenden um irgendeine effektive Abwehr zu gewährleisten.

Die beiden Verbände, die den ersten Angriff auf Duisburg und den auf Braunschweig flogen, erreichten befreites Gebiet unter Einhaltung der Funkstille bis 05 Grad Ost. Der Duisburger Verband flog eine kurze Strecke über feindlichem Gebiet während der Verband nach Braunschweig einen weitaus größeren Anflugweg vor sich hatte. Als dieser Verband den Rhein überflog, drehte eine kleine Anzahl von Flugzeugen der 100. BG zum Abwurf von Window zur Ablenkung der Abwehr nach Südosten in Richtung Frankfurt / Mainz ab.

Der erste Funkspruch mit Bezug Duisburg erfolgte um 1.24 Uhr, 5 Minuten vor dem Hauptangriff, aber nachdem bereits das erste Flugzeug über dem Ziel war. Es scheint, daß diese Überraschung gelungen war, und obwohl Bomben über Duisburg zwischen 1.27 und 1.43 Uhr gemeldet wurden, gab es keinerlei Jäger Reaktionen bis 1.45 Uhr, als Flugzeuge des III / NJG 2 von Gütersloh nach Süden geschickt wurden, Richtung Emmerich.

Diese Reaktion war augenscheinlich zu gering und viel zu spät, war aber repräsentativ für die Jäger Aktivitäten, von denen wir positive Kenntnisse haben. Dem II / NJG 2 aus dem Raum Köln wurde um 2.30 Uhr die Landung befohlen und war in Verbindung mit diesem Angriff möglicherweise auch im Lufteinsatz.

Der Braunschweig Verband, der mit einer etwas schwierigeren Aufgabe betraut war, wurde westlich von Koblenz gemeldet. Es waren letztendlich die Window Abwürfe, die die größte Aufmerksamkeit auf sich zogen, was die große Verwirrung erkennen läßt. Die Meldungen kamen aus dem Mainzer Gebiet während der Hauptkampfverband Braunschweig fast unbeachtet erreichte und dann auch nur als kleine Formation bezeichnet wurde. Es gab einige Meldungen entlang der Rückflug Route aber keinerlei Anzeichen von Jäger Abwehr.

Kurz bevor die Flugzeuge der 5. BG Braunschweig erreichten, fand ein Ablenkungsflug nördlich der Friesischen Inseln statt und durchflog den „Mandrel“ Radarschirm und wurde durch feindliches Radar in Norddeutschland erkannt. Hinzu kam ein weiterer Window Ablenkungsflug nördlich von Helgoland bis in die Nähe der Küste von Schleswig.

Dieser Ablenkungsflug wurde 60 Meilen Nord Nordwest von Den Holder um 1.49 Uhr gemeldet und einige Meldungen gab es entlang der Route entlang der deutschen Küste um 2.54 Uhr. Es erfolgte in Anbetracht dieser Meldungen keine Jäger Abwehr und es war bemerkenswert, daß diesem Ablenkungsflug mehr Aufmerksamkeit geschenkt wurde, als dem Angriff auf Braunschweig.

Der zweite Angriff auf Duisburg, der nach all diesen Aktivitäten erfolgte und der der gleichen Route wie bei dem ersten Angriff entsprach, wurde etwas schneller erkannt, 15 Meilen bevor das Ziel erreicht wurde gab es Meldungen im Bereich des Zielgebietes. Um 3.26 Uhr wurde dem III / NJG 2 Duisburg als Ziel angegeben und bis 3.55 Uhr gab es Meldungen auf dem Heimflug.

Später wurde diese Einheit von ihrer Heimatbasis in Gütersloh abberufen möglicherweise die Folge der Präsenz von „Intruders“. Es gab Anzeichen, daß das IV / NJG 1 aus Dortmund zu diesem Zeitpunkt ebenfalls aktiv war, aber da sie um 3.49 Uhr zum ersten Mal gehört wurden und bereits um 3.55 Uhr die Landung befohlen wurde, scheint es so, daß sie keinen Erfolg hatten.

Die einzigen Flieger Abwehr Funksprüche, die man während dieser Nacht hörte, waren auf H.F. W/T wo es auf vier Kanälen Aktivitäten gab. Einer hiervon war während der ganzen Operation zu hören, einer stand möglicherweise in Zusammenhang mit dem Mosquito Angriff auf Berlin und die anderen beiden erst kurz vor dem zweiten Angriff auf Duisburg. Keiner von diesen hatte überaus großen Funkverkehr wenn man sich die sehr geringen Jäger Reaktionen ansieht, aber alle vier wurden durch „Drumstick“ mit mäßigem Erfolg gestört.

Die H.F. R / T „Corona“, „Special Tinsel“ und „Jostle“ wurden gegen den Boden Funkverkehr eingesetzt. Es gab keine V.H.F. und M.F. Funksprüche.“

16.10.44

8th US AIR FORCE

Insgesamt 1251 Flugzeuge, bestehend aus 816 Fortresses und 435 Liberators, starteten in 5 Geschwadern, um Rangierbahnhöfe in Saarbrücken und Kaiserslautern sowie 5 weitere Rangierbahnhöfe und andere Ziele in Köln anzugreifen. 1106 Flugzeuge warfen 3013 Tonnen unter Anwendung der Pfadfinder Technik ab.

10 Me 410 wurden nordwestlich von Kaiserslautern von einer Bomber Group, die die Stadt angriff gesehen, aber die Feindmaschinen griffen nicht an. 8 Fortresses und 4 Liberators werden vermißt. Die schweren US Bomber, die Köln, Saarbrücken und Kaiserslautern angriffen, fanden ebenfalls keine Luftabwehr an.“

Noch am gleichen Tage flogen Mosquitos Aufklärungsflüge hoch über Duisburg und machten gestochen scharfe Aufnahmen. Experten der Auswertung beim BC stellten fest:

„Die zwei Angriffe, zusammen mit dem vom Kommando ein paar Stunden früher geflogenen Tagesangriff, verursachten enormen Schaden. 16 von 36 klassifizierten Industriebetrieben wurden beschädigt, zusammen mit weiteren 24 nicht klassifizierten Industriebetrieben.

Die August Thyssen Hütte AG und die DEMAG AG wurden verschiedentlich beeinträchtigt. Fünf der 14 verzeichneten öffentlichen Einrichtungen wurden getroffen, feststellbar die Thyssen Gas- und Wasser Werke und zwei Gas betriebene Kraftwerke bei Hamborn Alsum und das Gaswerk Homberg.

Ausgedehnte Zerstörungen wurden bei den Eisenbahneinrichtungen angerichtet. Viele Bombentrichter wurden im Gebiet des Hafens festgestellt, wo auch einige Lastkähne versenkt wurden. 516,8 Hektar der Stadt wurden, so wird geschätzt, verwüstet.“

Die Bombenlast bestand zum großen Teil aus Langzeitzündern, die erst nach Stunden detonierten und die Rettungsarbeiten hemmten.

Der Versuch, die Stadt zu vernichten, darf als gelungen bezeichnet werden. Duisburg war ein Ruinenfeld. Zum erstenmal hatte man auch „Wohnblockknacker“ und „Litfaßsäulen“ eingesetzt, Riesenbomben von ungeheurer Sprengwirkung.

Der Polizeipräsident in Duisburg sprach offiziell von folgenden Gebäudeschäden und Menschenopfern: 2541 Tote, 946 Verwundete, 335 Vermißte, 11.200 Obdachlose und 175 Viehverlusten wurden beklagt.

An Häuserschäden gab es: 6448 Totalschaden, 3541 Schwerbeschädigt, 3367 Mittelschwer beschädigt und 13.098 Leicht beschädigt

110 Industrieanlagen, 6 Eisenbahnanlagen, 5 Einrichtungen der Straßenbahn und 2 Hafenanlagen wurden zerstört. 111 Schiffe waren gesunken und 230 beschädigt.

DIE OPFER DER OPERATION HURRICANE

Doch auch die bisherige Zahl der Todesopfer wird immer wieder als endgültiges Resultat der Angriffe wiedergegeben. Die wirkliche Zahl der Toten liegt wesentlich höher. Die 2541 Toten sind alleine diejenigen Personen, die damals in Duisburg gemeldet waren.

Es fehlen jedoch die zahllosen Fremd- und Zwangsarbeiter, Schiffer, die im Ruhrorter Hafen umkamen oder auch die zahllosen Helfer aus den Nachbarstädten und Wehrmachtsangehörige, die z.B. bei der Flak ihren Dienst verrichteten. Aber auch die Opfer, die die drei Angriffe in unseren Nachbarstädten forderten, tauchen in der bisherigen Geschichtsschreibung nicht auf.

Nachfolgend eine Zusammenfassung der bisherigen Forschung zu den Opfern der Operation:

14. Oktober 1944

DUISBURG: 1162 – DINSLAKEN: 34 – MÜLHEIM:17 – OBERHAUSEN: 21 – WALSUM: 9 – ANDERE STÄDTE (Besucher, Schiffer etc): 8 – WEHRMACHTSANGEHÖRIGE (OT, Flak, Lg Postamt etc.): 6

AUSLÄNDER (Fremdarbeiter, Schiffer etc.)

BELGIER: Jägerlager DEMAG: 1 – Sonstige Lager: 14
FRANZOSEN: Jägerlager DEMAG: 51 – Sonstige Lager: 10
HOLLÄNDER: Jägerlager DEMAG: 36 – Sonstige Lager: 27
ITALIENER: Jägerlager DEMAG: 2 – Lager Rönsbergshof: 19 – Sonstige Lager: 6
RUSSEN: Lager Rönsbergshof: 15 – Sonstige Lager: 7 – Lager Dinslaken: 8 –Lager Mülheim: 1
UNBEK. NATIONALITÄT: 5

GESAMT: 1469

15. Oktober 1944

DUISBURG: 1487 – RHEINHAUSEN: 10 – ANDERE STÄDTE: 14 – WEHRMACHTSANGEHÖRIGE: 14

AUSLÄNDER

BELGIER: Sonstige Lager: 4
FRANZOSEN: Sonstige Lager: 1
HOLLÄNDER: Sonstige Lager: 6
ITALIENER: Sonstige Lager: 1
RUSSEN: Lager Sonstige Lager: 3 – Wehrmacht (HIWIS): 9
UNBEK. NATIONALITÄT: 3

GESAMT: 1580

14. / 15. Oktober 1944 (Datum nicht genau zuzuordnen)

DUISBURG: 149 – HOMBERG: 71 – MÜLHEIM:1 – OBERHAUSEN: 1

AUSLÄNDER

BELGIER: Sonstige Lager: 1
HOLLÄNDER: Sonstige Lager: 1
ITALIENER: Homberg: 1
RUSSEN: 3 – Homberg: 2
UNBEK. NATIONALITÄT: 8

GESAMT: 238

BOMBENOPFER BIS ZUM NÄCHSTEN LUFTANGRIFF AM 23. OKTOBER 1944

DUISBURG: 56 – WEHRMACHTSANGEHÖRIGE: 1

AUSLÄNDER

BELGIER: 1
HOLLÄNDER: 3
ITALIENER: 1
RUSSEN: 7

GESAMT: 69

UNBEKANNTE OPFER

DUISBURG: 47
RUSSEN: 2

GESAMT: 49

Somit betrug die Gesamtzahl der Opfer:

3405

Über mehrere Wochen erstreckt sich in der National Zeitung zwischen dem 15.10.1944 und 03.11.1944 die Veröffentlichung von Todesanzeigen der Opfer der Angriffe vom 14./15. Oktober. Hier lesen die Duisburger zum Teil auf drei bis vier ganzen und eng bedruckten Zeitungsseiten vom Tod ihrer Freunde und Nachbarn.

Nach diesen Angriffen hatte Duisburg sein Gesicht verloren.

"Die Stadt war nicht mehr !!!"

Eine größere Katastrophe hatte die Stadt in ihrer ganzen Geschichte noch nicht erlebt.

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