Redakteur Marc Keiterling stellt 2000-er-Cassetten im Museum aus
Video Gaga aus den 1980-ern

STADTSPIEGEL ESSEN- und LOKALKOMPASS-Redakteur Marc Keiterling zwischen einem Teil seiner 54 Exponate zählenden Sammlung von Video 2000-Cassetten, die im Ruhr Museum ausgestellt wird. Foto: dib
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Für die Ausstellung „Kindheiten im Ruhrgebiet“ suchte das Ruhr Museum Objekte, die mit einer persönlichen Geschichte verbunden sind. STADTSPIEGEL ESSEN- und LOKALKOMPASS-Redakteur Marc Keiterling bewarb sich mit seiner 54 Exponate zählenden Sammlung von Video 2000-Cassetten - und bekam den Zuschlag!

Von Marc Keiterling und Dirk Bütefür

„Video 2000“ werden Sie, unsere jüngeren Leser, jetzt grübeln - was sind das denn für Cassetten? Richtig! Das sind Magnetbänder für einen besonderen Typen von Videorekordern. In den 1980-er Jahren waren die Systeme „Video 2000“, „Betamax“ und „VHS“ marktführend. In den 1980-er und 1990-er Jahren kam kaum ein Haushalt ohne diese Abspielgeräte aus.

Mit den japanischen Standards VHS von JVC und Betamax (Sony) sowie dem europäischen Format VCR/Video 2000 von Grundig und Philips kämpften anfangs drei Systeme um die Vorherrschaft. Mit VHS setzte sich ausgerechnet das technisch schwächste - aber auch das preisgünstigste - System durch.

Die Älteren erinnern sich an die großen schwarzen Cassetten, das leidige Vor- und Zurückspulen, leiernde Tapes und den Supergau: Bandsalat. Das Wochenende wurde gerne in Videotheken eingeleitet. Man stattete sich für lange Filmnächte aus, wobei die angesagtesten Hollywood-Streifen meistens vergriffen waren. Cineasten trafen sich hier zum Fachsimpeln.

So weit zum Hintergrund. Nun kommt der museale Aspekt. Für die Ausstellung "Kindheiten im Ruhrgebiet" fahndete das Ruhr Museum nach Exponaten. Dies konnten etwa alte Fußballbilder, Schulbücher oder die Carrerabahn sein, vorzugsweise aus den Jahren 1960 bis 1989.

Seit 20 Jahren im Keller

 
Nicht nur Relikte waren gefragt. Auch die Geschichten dahinter seien von Interesse für die Ausstellungsmacher. Thematisch soll sich die Ausstellung um Freizeit, Mobilität, Familie und Technik drehen. Technik? Geschichte? Schnell fiel mir, Marc Keiterling, eine Sporttasche ein, die seit knapp 20 Jahren im Keller steht. Der Inhalt: für viele einfach Sondermüll, für mich eine bunte Erinnerung. Selbst wenn ich die Bilder nicht mehr zum Laufen kriege.

Darum handelt es sich: 1983 sollte es zur Anschaffung eines Videorekorders im Hause Keiterling kommen. Damals existierten die Systeme Betamax, VHS und Video 2000 parallel. Die meisten meiner Kollegen - beziehungsweise deren Eltern - hatten sich auf VHS festgelegt. Ich, seinerzeit 14 Jahre alt, hielt mich für clever und setzte die Anschaffung eines Video 2000-Rekorders durch. Diese Cassetten konnten im Gegensatz zu VHS und Betamax beidseitig bespielt werden. Acht Stunden Spielzeit boten die 480-Minuten-Bänder, doppelt so viel wie das längste VHS-Exemplar. Das musste doch die Zukunft sein, das würden die Kollegen auch noch merken!

"Zu Keite? Nee, der hat Video 2000!"

Der einzige "Merker" war ich. Ich merkte, dass ich total auf falsche Pferd gesetzt hatte. VHS hatte sich längst sehr etabliert, die Videotheken priorisierten VHS, alle hatten VHS. Wenn in der Schule Bänder getauscht wurden, war ich immer der Doofe. Beim Videoverleih gab es schon bald gar keine Video 2000-Cassetten mehr. "Gucken wir heute zusammen Video? Zu Keite brauchen wir aber nicht gehen - der hat 2000!" Lautes Gelächter, totales Abseits. Das war annähernd so blöd wie die Situation, wie wenn man mit C&A-Turnschuhen der Marke Topfit zur Schule kam und von der Adidas/Puma-Front verbal zerlegt wurde.

Also nix mit Tauschen oder Leihen. So zeichnete ich aus den damals verfügbaren drei Fernsehprogrammen vieles auf. Durchaus sehr verschiedene Beiträge. So landete auf einem Band auch mal ein heißer Streifen wie "Zehn- die Traumfrau" hinter eine Folge der ZDF-Serie "Ich heirate eine Familie". Eben ein breitgefächertes Interesse. Überspielt habe ich selten etwas, kaufte immer wieder Leerkassetten hinzu. Damit auf denen keine Minute verschwendet wurde, nahm ich an den zwischen drei und 30 Minuten langen Bandenden Fußballberichte aus der ARD-Sportschau auf.
Noch recht lange war der Rekorder betriebsbereit. Doch in den späten 1990-er Jahren war er dann nicht mehr zum Abspielen zu bewegen. Das Gerät wanderte auf den Müll, die 54 gesammelten Kassetten mit mehr als 25.000 Sendeminuten in die besagte Sporttasche und letztlich in den Keller. Ohne eine wirklich schlüssige Antwort auf die Frage: "Warum schmeißt du die Dinger nicht weg?"

Schenkung? Ich denke: Nein!

Jetzt kann ich das beantworten: Weil ich schon immer wusste, dass sich eines Tages im 21. Jahrhundert ein Museum für die Dinger und die Geschichte dazu interessiert! Das Ruhr Museum bot mir an, meinen "Schatz" als Leihgabe abzugeben oder als Schenkung zu übergeben. Naja, den Platz im Kellerregal könnte ich tatsächlich sinnvoller füllen. Aber verschenken? Ich denke: Nein! Man muss ja auch mal irrationale Dinge tun.

Der clevere Kollege

Cleverer ging ich, Dirk Bütefür, vor. Ausgiebig informierte ich mich damals vor dem Kauf des Videorekorders bei den Inhabern zahlreicher Elektrofachgeschäfte, welches System sich denn im Endeffekt durchsetzen wird - und mir wurde von den meisten Experten das VHS-System empfohlen. Mit einem VHS-Gerät der Firma Hitachi unter dem Arm verließ ich den Laden. Fast zehn Jahre lang tat der Rekorder seinen Dienst. Selbstverständlich hatte die lange Lebensdauer ihren Grund in der hervorragenden Geräte-Pflege. Regelmäßig schraubte ich das Teil auseinander, um die Tonköpfe zu reinigen. Auch Verschleißteile wurden eigenhändig gewechselt. Mein Folgemodell war von der Firma Sharp und konnte als absolutes Novum auch Musik in HiFi-Qualität abspielen. Dieses Gerät "lebt" heute noch!

Suche nach Exponaten ist beendet

Zum guten Schluss: Die Suche nach Exponaten für die Ausstellung im kommenden Jahr ist beendet. Das Ruhr Museum verfügt über genug Material, um die "Kindheiten im Ruhrgebiet" 2020 präsentieren zu können.

Autor:

Marc Keiterling aus Essen

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