Entsorgungsbetriebe installieren Kümmerer für die Essener Innenstadt
Vernetzt für mehr Sauberkeit

Hoffen auf gute Ergebnisse in der City (v.l.): EBE-Geschäftsführer Stephan Tschentscher, Kümmerer Dirk Bläser, Manuel Ceballos Roman, stellv. Leiter der Straßenreinigung, und Anja Wuschof, Leiterin der Straßenreinigung.
  • Hoffen auf gute Ergebnisse in der City (v.l.): EBE-Geschäftsführer Stephan Tschentscher, Kümmerer Dirk Bläser, Manuel Ceballos Roman, stellv. Leiter der Straßenreinigung, und Anja Wuschof, Leiterin der Straßenreinigung.
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Was Dirk Bläser ist, steht unübersehbar auf seinem Rücken: Der „Kümmerer“. Der Begriff vereint sehr treffend, was der EBE-Mitarbeiter künftig in der Innenstadt leisten will: sich um ein gutes Erscheinungsbild kümmern. Die Idee kommt aus den eigenen Reihen. Das Kümmerer-Konzept ist das Resultat vieler Jahre an Reinigungserfahrung in der City – und auch der eigenen Grenzen für die Essener Entsorgungsbetriebe.

Es sind sehr viele Kleinigkeiten, die die Wahrnehmung einer ansprechenden Umgebung ausmachen. Natürlich gehören die Papierkörbe dazu, auch Wurfmüll und Dreckecken, die die EBE standardmäßig reinigt. Aber da gibt es auch unschöne Details, Beschädigungen, Stolpersteine oder Verschmutzungen, die nicht im Handlungsbereich der EBE liegen. „Vieles sehen unsere Mitarbeiter zwar im Vorbeigehen. Sie haben aber konkrete Reinigungsaufgaben. Es bleibt weder die Zeit, diese Details zu kommunizieren, noch die Möglichkeit direkt einzugreifen“, erläutert Anja Wuschof, Leiterin der Straßenreinigung.
Ausgewählt als erster Kümmerer der EBE wurde Dirk Bläser. Der 53-Jährige ist gebürtiger Essener, wohnt in Kray und ist sehr interessiert daran, an der Lebensqualität in seiner Heimatstadt aktiv mit zu arbeiten. „Ich möchte mithelfen, das Flair der Innenstadt zu verbessern“, beschreibt Bläser. „Der Müll bleibt natürlich, das geht nicht anders, aber das Publikum muss ihn ja nicht so sehen.“
Bereits seit 30 Jahren arbeitet Dirk Bläser in vielen Bereichen des Betriebes. Nach Einsätzen in der Straßenreinigung, der Müllabfuhr und im Tonnentausch kommt er nun auf einer ganz anderen Ebene an. Er wird als Kümmerer erkennbar und rechnet auch damit, von Passanten angesprochen zu werden. „Ich arbeite gerne im Team und mit anderen“, ist er sicher. Dass es bunt zugehen kann, ist ihm auch klar: „Ich mag multikulti“, sagt er lächelnd. Dirk Bläser hat griechisch-orthodox geheiratet und sogar die griechische Staatsbürgerschaft.

Testphase im Jahr 2019

Anja Wuschof ist die gedankliche Schöpferin des Aufgabenbildes „Kümmerer“. „Er soll hinschauen und auf Defizite aufmerksam machen“, sagt sie. „Sauberkeit ist so viel mehr als nur Müll aufheben. Es geht darum, den verantwortlichen Akteuren Hinweise zu geben, damit sie tätig werden können.“ Das Denken und Handeln des Kümmerers gehe also deutlich über die reinen EBE-Belange hinaus.
Diesen übergreifenden Ansatz nimmt die EBE nun in eigener Initiative auf. „Wir möchten 2019 testen, ob und wie sich der Kümmerer für die Innenstadt bewährt“, blickt Anja Wuschof voraus. „Hierzu zählen auch der Sommer und die Wochen mit vielen Großveranstaltungen nach dem Sommer, zum Beispiel Essen Original, Lichtwochen und Weihnachtsmarkt.“ Im Anschluss müsse man die Erfahrungen auswerten und mit dem Auftraggeber Stadt Essen überlegen, ob aus dem Test eine stetige Stelle werden kann.
Sei etwa die Brunnenanlage auf der Kettwiger Straße verstopft, könne er das Amt für Straßen und Verkehr informieren. Wilde Ablagerungen kann er über den Mängelmelder eingeben, Beschädigungen aufnehmen, diverse Zuständige vernetzen, Informationen weiterreichen. So helfe der Kümmerer mit, die Dinge im sensiblen Innenstadtbereich positiv weiter zu entwickeln. Es gehe auch darum, Menschen zu motivieren. „Der Kümmerer nimmt keinen Besen selbst in die Hand und repariert auch kein Schild“, so Wuschof, „aber er kann dafür sorgen, dass es jemand tut. Er bildet und stärkt das Netz zwischen den Akteuren.“

Erster Eindruck: viel zu tun

Gesehen hat er schon einiges – und einige ihn. In den ersten beiden Wochen stand zunächst eine Kennenlern-Runde für Dirk Bläser an: sein künftiges Revier zwischen Bahnhof und Uni-Park, die wichtigsten Kontaktpartner, die typischen Aufgabenstellungen seiner neuen Tätigkeit. Was ihm auffiel? Stolperfallen auf dem Kennedyplatz, eine defekte Baumscheiben-Einfassung, Flugmüll natürlich, ein herrenloser Koffer, eine ungepflegte Plakatsäule und tote Blumen. „Den Besitzer der Kästen habe ich angesprochen. Er hat sich über meine Aufgabe gefreut und sofort neue Blumen bestellt“, freut sich Kümmerer Bläser über erste Erfolge. „So soll es sein, jetzt trinken wir ab und zu Kaffee zusammen.“

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