Sicherheitsgefühl, Polizeistatistik - und viele offene Fragen
Endruschat: Defizite in Prävention, Kriminalitätserfassung und konsequentem Handeln eklatant

Mit kritischem Blick nimmt die Ratsfraktion Tierschutz/Sozial Liberales Bündnis Essen die jetzt erfolgte erste Berichterstattung zur Studie 'Si-Qua', die seitens der Stadt Essen zusammen mit der Deutschen Hochschule der Polizei in 2019 gestartet worden ist, zur Kenntnis. "Auch wenn derzeit nur erste Ergebnisse der Studie vorliegen, zeigt sich bereits jetzt, dass die Annäherung an das Thema 'Sicherheit in Essen' offenbar unterkomplex erfolgt," so Ratsherr Karlheinz Endruschat, Sozial Liberales Bündnis Essen SLB.

Sicherheit in Essen? Diskrepanz zwischen Bürgerwahrnehmung und Polizeistatistik
Aus Sicht der Ratsfraktion Tierschutz/Sozial Liberales Bündnis fehlt die relevante Betrachtung des Respekts zwischen den verschiedenen Ethnien, die hinsichtlich des Sicherheitsgefühls mindestens ebenso wichtig ist. "Hier spielt sich vieles in einzelnen Stadtteilen unterhalb der Grenze zum Straftatbestand ab, es ist ein allgemeines Gefühl des Missempfindens, des Wegbrechens des vertrauten, sicheren Bewegungsraumes im eigenen Stadtteil entstanden," so das SLB in seiner Stellungnahme.

Absurd: Mehr Polizeipräsenz führe laut Polizeisprecher zur Verunsicherung der Bürgerschaft
In aller Schärfe kritisiert die Ratsfraktion die Stellungnahme der Polizei zu einem 'subjektiven' Unsicherheitsgefühl der Bürgerschaft abseits einer vermeintlich eigentlichen, niedrigeren Kriminalität. "Wenn die Polizei erklärt, eine verstärkte Polizeipräsenz in Problemstadtteilen führe zu einem subjektiven Gefühl in der Bevölkerung, es gebe ein Mehr an Kriminalität, dann ist dieser gezogene Rückschluss so unlogisch wie in der behaupteten Totalität falsch," unterstreicht Ratsherr Peter Lotz aus Frintrop, Sprecher des Sozial Liberalen Bündnisses SLB Essen.

Fehlende Strafanzeigen - Resignation der alteingesessenen Bürgerschaft?
Interessant ist allerdings die Feststellung, dass Straftaten häufig nicht zur Anzeige gebracht werden und dass es wahrscheinlich erhebliche Unterschiede im Anzeigeverhalten gibt. "Dies wäre im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitung der Studie unbedingt aufzuklären. Was sind die Motive für das Nichtanzeigen von Straftaten?", hinterfragt die Ratsfraktion. 
"Wenn Gründe für das Nichtanzeigen die Resignation der Bürgerschaft in einzelnen Stadtteilen oder auch das Fehlen, der Verlust des Vertrauens in Polizei und Strafverfolgungsbehörden sind, die Wahrnehmung, als alteingesessene Bevölkerung mit den eigenen Vorstellungen und Erwartungen an den angestammten Heimatort nicht mehr Ernst genommen zu werden, gar stigmatisiert zu werden - dann ist dies im hohen Maße alarmierend und kann nicht so stehen bleiben," betont Endruschat, Ratsherr aus Altenessen. Ganz offensichtlich gebe es in Essen massive Defizite in der Kriminalitätsprävention, der klaren Benennung und Erfassung von Straftaten ebenso wie in der konsequenten Strafverfolgung.

Autor:

Elisabeth Maria van Heesch aus Essen

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