Schurenbachhalde: Aus illegal abgekipptem Wall das Beste machen

Über die gesamte Nordseite der Halde zieht sich der illegal aufgeschüttete Erdwall. Seit 2010 hat die Natur schon für Begrünung gesorgt. Jetzt will der RVR ein Drittel des Erdreiches abtransportieren und mit dem Rest die wannenartige Vertiefung der Gleistrasse (links) modellieren. Der Kohleturm wird abgerissen.
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  • Über die gesamte Nordseite der Halde zieht sich der illegal aufgeschüttete Erdwall. Seit 2010 hat die Natur schon für Begrünung gesorgt. Jetzt will der RVR ein Drittel des Erdreiches abtransportieren und mit dem Rest die wannenartige Vertiefung der Gleistrasse (links) modellieren. Der Kohleturm wird abgerissen.
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Ab 4. Juni rollen wieder LKW über die Emscherstraße zum Nordhang der Schurenbachhalde. Dann wird der illegal abgekippte Erdwall zu einem Drittel abgetragen. Alles Übrige soll so modelliert werden, dass es in die Landschaft passt. Auch der alte Verladeturm und die Förderbrücke kommen weg.

Abtragen und abreißen bedeutet auch abtransportieren. Allerdings ist die Belastung der Anwohner geringer als 2010. Damals hatte, wie berichtet, ein Mitarbeiter des Regionalverband Ruhr (RVR) das Abkippen von Erdaushub am nördlichen Haldenfuß genehmigt. Was er nicht durfte, wie der RVR jetzt nochmal bestätigte: Eine „nicht vorher verabredete Maßnahme“ sei das gewesen. Hinterher wurde festgestellt, dass der Boden aus Altendorf stammte, wo der Niederfeldsee angelegt wird. Aber nicht nur von dort. Bis heute ist nicht klar, wie viele Transportfirmen von woher Material zur Schurenbachhalde brachten. Klar ist aber, das betonen die Verantwortlichen von RVR und Entsorgern: Die Belastung des Bodens mit Schadstoffen sei so gering, dass zwei Drittel (rund 14.000 Kubikmeter) vor Ort belassen würden. Die übrigen 7.000 würden abtransportiert.
Für die Maßnahme ist ab Montag eine Sperrung des Fuß-/Radweges unmittelbar am Fuß der Halde angekündigt. Der Weg am Kanal bleibt offen.

„Es liegt nahe, etwas Besseres daraus zu machen als vorher mit Bahntrasse und Fernwärmerohr“, sagt Ulrich Carow. Damit will der Bereichsleiter Umwelt beim Regionalverband Ruhr (RVR) aber nicht ausdrücken, dass er mit dem, was an der Schurenbachhalde geschah, rundum zufrieden ist.

An der von einem Mitarbeiter genehmigten, aber eigentlich unerlaubten Ablagerung von über 20.000 Kubikmeter Boden am Nordhang der Schurenbachhalde knapst der RVR noch einige Zeit herum. Etwa 500.000 Euro Schaden sind entstanden, die der Verband - somit letztlich die ihm angeschlossenen Ruhrgebietskommunen - vorerst alleine trägt.
Zwar hatten die Verantwortlichen auf einen Vergleich mit den beteiligten Firmen gehofft, doch nachdem gegen eine in Bochum ein Prozess wegen ähnlich gelagerter Fälle läuft, hat sich das erst einmal erledigt. Um so unverständlicher ist für Ulrich Carow, dass die Staatsanwaltschaft Essen das Verfahren in Sachen Schurenbachhalde einstellte.
Wie auch immer der juristische Streit weiter geht, die ökologische Umgestaltung soll ab Montag ihren Lauf nehmen. Erst rückt Spezialgerät an, um den alten Kohlebunker samt Verladerampe - beides steht zwischen Halde und Rhein-Herne-Kanal - abzureißen. Die Trümmer sowie etwa 7.000 Kubikmeter des Erdwalls werden abgefahren und entsorgt.
Ist man damit fertig, sollen die verbleibenden 14.000 Kubikmeter die wannenartige Vertiefung am Haldenfuß füllen. Von der Emscherstraße aus gen Westen wird an der kompletten Halde entlang der Boden modelliert. In ihn wird auch der Schotter eingebracht, der als Hügel nahe der Fußgängerbrücke liegt und aus der Gleistrasse stammt.

Abriss und Abtransport nehmen bis zu vier Wochen in Anspruch, alles Übrige maximal ein halbes Jahr. Dann will RVR Ruhr Grün aus der Not eine Tugend gemacht und etwas geschaffen haben, was es bei uns nicht mehr oft gibt: eine Grünfläche mit ausgesprochen magerem Boden. Dort können sich Pflanzen- und Tierarten ansiedeln, die nur noch selten Lebensraum finden. Pflegemaßnahmen seien dann kaum nötig, erklärt Jörg Wipf (RVR Ruhr Grün): „Einmal im Jahre mähen, das dürfte reichen.“ Gehölze sind an dem Standort ebenso vorgesehen wie flache Mulden, die nur nach längeren Regenfällen Wasser führen, sonst austrocknen.

Der alte Kohleturm war im Rahmen der Kulturhauptstadt als Kunststandort im Gespräch. Doch trotz allen Bemühens fand sich bis heute keine neue Nutzung. Da sei es praktisch, sagt Carow, dass der Abbruch in die Logistik der jetzt bevorstehenden Maßnahme passe.
Wenn da nur nicht die 500.000 Euro Kosten wären... Ulrich Carow hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass der Regionalverband letztlich nicht alleine darauf sitzen bleiben wird.

Doch noch ist vieles ungeklärt: War es Zufall, dass die Aktion kurz nach Ende der RVR-Arbeiten am Nordsternweg passierte (wenn sich Anwohner über ein paar LKW mehr nicht wundern würden)? Woher stammt ein großer Teil des Erdaushubs? Jedenfalls nicht vom Niederfeldsee in Altendorf. Fand da ein munterer Abkipp-Tourismus statt (bei dem einer dem anderen die Gelegenheit weiter sagte, wo man 17 Euro/Tonne Gebühren sparen konnte)?
Das und mehr sind Fragen, die sich nicht nur der RVR stellt, erstaunlicherweise nicht jedoch die Staatsanwaltschaft in Essen. Die hat das Verfahren eingestellt.
Der Regionalverband versucht, aus dem Schlamassel das Beste zu machen, und wir alle dürfen froh sein, dass bei der ganzen Kipperei kein hochbelastetes Material dabei war.

Autor:

Sabine Pfeffer aus Essen-Kettwig

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