Staatssekretär Mathias Richter stellte sich im Mariengymnasium den Fragen der Schüler
Die Schule der Zukunft

Staatssekretär Mathias Richter aus dem Schulministerium stellte sich den Fragen der Jugendlichen.
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Dafür sind die Schüler an diesem Freitagmittag sogar länger geblieben. Jugendliche fragen nach bei Themen, die sie bewegen. Der Staatssekretär gibt Antworten.

Das Forum des Mariengymnasiums ist restlos gefüllt. Mathias Richter aus dem Schulministerium sitzt auf dem Podium. Seine Ministerin Yvonne Gebauer war verhindert und daher steht er jetzt Rede und Antwort. Der Freidemokrat wirbt engagiert für eine Vereinheitlichung der x verschiedenen Schulsysteme in Deutschland: „Wir müssen Qualität und Transparenz schaffen. Wie läuft das zukünftig beim Zentralabitur? Welche Fächer werden geprüft? Welche Aufgaben werden gestellt? Die Zuständigkeit der Länder soll bleiben, doch sie müssen für Transparenz sorgen. Bei den großen Themen wie Digitalisierung, Integration oder Ganztag kann der Bund mit eingebunden werden und in die Finanzierung gehen. Im Digitalpakt stecken fünf Milliarden Euro.“

Schule auch mal in Ruhe lassen

Warum ist Bildung überhaupt Ländersache? Richter zählt auf, schon die Zahlen fürs eigene Bundesland beeindrucken: „NRW ist ein großes Land. Hier sind 200.000 Lehrkräfte für zweieinhalb Millionen Schüler da. Wir haben rund 400 verschiedene Schulträger.“ Aber wie sollen die Schulsysteme denn angeglichen werden? Da wird der Herr Staatssekretär vorsichtig: „Das sind vertrauliche Verhandlungen. Da darf ich gar nicht so viel ausplaudern.“ So viel aber doch: „Wir sollten Ordnung und Vergleichbarkeit rein bekommen. Das kann man den normalen Menschen sonst gar nicht mehr erklären.“ Wo steht das Schulsystem im internationalen Vergleich? „Als Gesamtsystem hat Deutschland in allen Bereichen einen deutlichen Aufholprozess hinbekommen. Aber insgesamt liegen wir höchstens im gesunden Mittelmaß mit Tendenz nach oben. So wie Schalke 04 etwa.“ So wichtig Überprüfung und Rankings auch sein mögen: „Man muss von Seiten der Politik Schule auch mal in Ruhe lassen. Nicht immer rein in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln.“ Zustimmendes Gemurmel der anwesenden Lehrer.

Digitalisierung kommt spät

Der Staatssekretär legt nach. Anstatt immer alles neu erfinden zu wollen, solle man erst einmal bestehende Schulen verbessern. Das fange schon bei Fassade und Innenausstattung an: „Wir brauchen eine angemessene Personalausstattung und moderne Schulräume. Da müssen die Schulträger noch mehr tun.“ Warum kommt die Digitalisierung des Unterrichts erst so spät? „Man hätte früher auf den Zug aufspringen müssen. Wir haben drei Jahre verloren bei den Diskussionen über den Digitalpakt. Doch nun fließen die Mittel, nach NRW über eine Millionen Euro.“ Digitalisierung sei aber kein Selbstzweck: „Sie muss klug und vernünftig im Unterricht eingesetzt werden. Nur durch unter pädagogischen Aspekten eingesetzte Digitalisierung wird Unterricht interessanter. Nur so kann sich Lernerfolg einstellen.“ Auf die Frage nach einem Fach „Medienkompetenz“ erläutert Richter: „Als Fach gibt es das nicht bei uns. Wir haben einen Rahmen mit 24 Handlungsfeldern. Das Fach Informatik werden wir in der Sekundarstufe I stärker verankern als bisher.“ Dazu gehöre sicherlich auch die Riesenaufgabe der Qualifizierung von 200.000 Lehrkräften: „Doch die nützt nichts, wenn in den Schulen das schnelle Internet fehlt. Die Schulträger wissen aber, dass da zusätzliche Mittel für Infrastruktur bereit stehen.“ Warum gibt es in Essen nur zwei Talentschulen? Wo bleibt da die Bildungsgleichheit? „Es ist ein Versuch. Wir schauen uns die Schulen an, die sich auf den Weg machen wollen aus einem besonders schwierigen sozialen Umfeld. Da wollen wir Zeichen setzen. Und unsere Schlüsse daraus ziehen für einen schulscharfen Sozialindex, der über Mehrbedarfe und zusätzliche Stellen entscheidet. Nicht alles mit der Gießkanne verteilen. Da behandeln wir Ungleiches auch ungleich.“ Aber warum ist gerade in Deutschland die soziale Herkunft so wichtig für den Bildungserfolg? „Das Elternhaus hat immer noch großen Einfluss. Wir wollen nach und nach die Schulen mit besonderen Herausforderungen auch besonders unterstützen. Aber das kann Schule alleine auch nicht lösen. Man muss die Eltern besser erreichen und sie gewinnen für mehr Mitarbeit. Aber da liegt oft das Problem.“

Schulleiterin greift zum Mikro

Als aus der Schülerschaft moniert wird, in der Oberstufe gebe es kaum noch Politikunterricht, greift Schulleiterin Christiane Schmidt zum Mikro: „Das liegt an unserem individuellen Profil mit sehr vielen Fächern in diesem Bereich. Da gibt es einen Geschichts-LK, sehr hohe Akzeptanz für Erdkunde und eine große Beliebtheit von Pädagogik. Wie können aber nur so viele Fächer anbieten wie personell möglich. Deswegen bieten wir ja solche Veranstaltungen wie die heutige zur politischen Bildung an.“ Der Staatsekretär ergänzt: „Natürlich hat Schule die Aufgabe, Sie zu mündigen Bürgern zu erziehen. Gerade in heutigen Zeiten.“
Wie sieht denn Richters persönliche Schule der Zukunft aus? „Modern ausgestatteter Schulraum mit pädagogisch ausgerichteter Architektur, die von klassischer Ausgestaltung ein Stück weit abweicht. Die sich den Anforderungen stellt. Ausreichend Lehrkräfte, aber da sind wir längst nicht am Ziel. Multiprofessionelle Teams mit Sozialarbeitern und sozialpädagogischen Fachkräften. Eine Schule, die fest in ihrem Quartier verankert ist, die mitten in der Gesellschaft und mit politischer Bildung für Toleranz und Vielfalt steht.“ Das sei ein großes Ziel, welches aber bitte nicht nur Wunschdenken bleiben solle.

Autor:

Daniel Henschke aus Essen-Werden

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