Klimanotstand in Hamminkeln soll nicht zum Klima-Offenbarungseid mutieren
Stadt will Osterfeuer auf dem Genehmigungswege eindämmen und ihre Bürger überzeugen

Von links: Thomas Michaelis, Mandy Panoscha, Bernd Romanski.
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"Wenn nicht jeder dazu bereit ist, seinen kleinen Beitrag zu leisten, dann können wir das komplett vergessen!" So lautet einer der markigen Sätze, die Hamminkelns Bürgermeister Bernd Romanski zum Thema Klimanotstand in die Runde spricht.

Der Verwaltungschef will Nägel mit Köpfen machen, denn in seinen Augen ist es "nicht fünf vor Zwölf, sondern fünf nach Zwölf!" Aber er will nicht nur zwangsläufig auf den Ratsbeschluss reagieren, den die lokalen Mandatsträger der Verwaltung auferlegt haben. Romanski will die Bevölkerung mitnehmen. Überzeugungsarbeit leisten statt Verbote durchziehen - so lautet ab sofort die Hamminkelner Devise. Mitgetragen auch von der städtischen Klimamanagerin Mandy Panoscha und Thomas Michaelis, zuständig für Bauleitplanung, Tourismusförderung, Abfall und Umwelt.

Dass den Dreien das Thema am Herzen liegt, merkt man schnell. Und Bernd Romanski möchte nicht, dass sich der ausgerufene Klimanotstand in einen Klima-Offenbarungseid verwandelt. Deshalb gehe es um so viel mehr, als um Osterfeuer und Feuerwerke. "Ich bin ein Fan von Brauchtum, aber unsere Maßnahmen müssen wehtun!", stellt der Verwaltungschef klar. Hamminkeln nehme in Sachen Klimaschutz eine Vorreiterrolle ein und ernte landesweit Bewunderung. Doch: "Müssen 168 Osterfeuer sein? Da sind wir vom Brauchtum ganz weit entfernt!", findet Romanski.

Das zukünftige Verfahren: Die Verwaltung setzt eine Obergrenze für Osterfeuer fest und prüft die eingehenden Anträge. 75, maximal 100 Brauchtumsfeuer kann sich Romanski vorstellen, auf keinen Fall mehr. Daher der offizielle Appell an die Veranstalter und Vereine: "Schließt Euch zusammen!" Über Fallstricke in Zuge der Genehmigung ist das Verwaltungstrio sich im Klaren (Stichwort: Personalmangel), will aber im Zukunft "genauer hinschauen".

Nicht ohne Stolz trägt Mandy Panoscha die Details vor, die Hamminkeln zur Vorzeigekommune im Klimaschutz machen: Carsharing und E-Ladesäulen (zwölf Stück) vorneweg. Selbst in Moers, der größten Stadt im Kreis, gibt's nicht mehr davon. Dem lokalen Klimakonzept soll bald durch sogenannte Mobilstationen in die Puschen geholfen werden. Das sind überdachte Fahrradunterstellplätze (ggf. mit Verleih), die eine aktive Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs befeuern sollen. Die Prüfungsphase läuft bereits. 

Und dann ist da noch ein Punkt, der viele Betroffene bestimmt schmerzen wird. Bernd Romanski: "Wenn wir die Lkw von der Straße bringen wollen, müssen wir Betuwe vorantreiben!" Doch - so viel ist sicher - auch wenn's die meisten noch nicht geschnallt haben: Klimaschutz muss wehtun, wenn er gelingen soll!

Autor:

Dirk Bohlen aus Wesel

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