Ausstellung in Haus Kemnade
Klein aber oho - Mini-Porträts im Fokus

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Mit der Miniaturporträtsammlung von Inge C. Rudowski präsentiert das Kulturhistorische Museum Haus Kemnade ab Samstag, 14. Mai, dauerhaft einen weiteren Schatz. Die Kunstsammlerin Inge C. Rudowski hat in den vergangenen vier Jahrzehnten eine mehr als 300 Werke umfassende Sammlung von Miniaturporträts zusammengetragen.

Die besondere Qualität dieser Kollektion kommt auch in der Vielfalt ihrer Objekte zum Ausdruck: Es ist ein repräsentativer Überblick über die europäische Miniaturenmalerei. Die Eröffnung der neuen Dauerausstellung ist auch ein Neustart für den Museumsbetrieb im Haus Kemnade, nachdem das Jahrhunderthochwasser der Ruhr im Juli 2021 eine umfangreiche Sanierung der Wasserburg erforderte.

„Ich freue mich sehr, dass diese einzigartige Sammlung von filigranen Kunstwerken im Haus Kemnade einen Ausstellungsort gefunden hat. Es ist nicht nur eine äußerst geschmackvolle Sammlung, sondern außerdem eine besonders vielfältige. Sie spannt einen Bogen vom späten 16. bis ins 20. Jahrhundert und beinhaltet Werke verschiedener Stile aus mehreren Ländern Europas“, erzählt Christoph Schlierkamp, Kurator im Kulturhistorischen Museum Haus Kemnade und Mitarbeiter im Kulturbüro der Stadt Bochum.

Die Miniaturen wurden nicht gemalt, um in den großen Sälen eines Hauses präsentiert zu werden – es sind kleine und feine Bildnisse, bei deren Betrachtung die Intimität der Porträtmalerei spürbar ist. Die Porträts sind in der Regel Auftragsarbeiten: individuelle Abbildungen realer Personen, die oftmals mit kostbaren Rahmen versehen an die meist adligen Auftraggeberinnen und Auftraggeber ausgehändigt wurden.

„Porträtminiaturen sind somit nicht nur Kunstwerke, sondern auch Zeugnisse aus einer vergangenen Zeit, Sehnsuchts- und Erinnerungsstücke. Sie zeigen ein Bild der oder des Liebsten, das die Besitzerin oder der Besitzer der Miniatur immer bei sich tragen kann“, erklärt Christoph Schlierkamp.

Die Sammlerin der Porträts, Inge C. Rudowski, ergänzt: „Der zeitgenössische private Gebrauch der Miniaturen ist ebenfalls ein wichtiger Aspekt der Ausstellung. Denn die Rahmungen und Etuis geben uns Auskunft die über die ursprüngliche Verwendung der Miniaturporträts.“ So finden sich mit Samt ausgeschlagene Lederetuis in der Sammlung, die sich gut dazu eigneten, die kleinen und stark wertgeschätzten Kunstwerke auf Reisen mitzunehmen. Als kunstvolle Fassungen dienten außerdem reich verzierte Dosen, Broschen, wertvolle Rahmen zum Aufhängen oder Aufstellen sowie Armbänder aus dem Haar der Porträtierten.

Inge C. Rudowski hat bei ihrer Kollektion ein besonderes Augenmerk auf das sogenannte Brustporträt gelegt. Die meisten ihrer Lieblingsstücke sind Arbeiten aus Großbritannien, denn – wie die Sammlung verdeutlicht – über sämtliche Epochen hinweg brachten Porträtmalerinnen und -maler aus Großbritannien herausragende Miniaturen hervor. So dokumentieren zwei Herrenporträts aus den 1620er Jahren den besonderen zeichnerischen Stil des Engländers Nicholas Hilliard und seines Sohns Laurence.

Eine größere Werkgruppe der Sammlung zeigt Porträts, die Künstlerinnen und Künstler um den englischen Miniaturenmaler Samuel Cooper während der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts malten. „Die Miniaturporträts aus Großbritannien haben zudem häufig sehr sorgfältig und schön gearbeitete Rückseiten“, macht Inge C. Rudowski auf ein Detail aufmerksam, das sie besonders begeistert.

Neben der englischen ist die französische Bildnisminiatur in der Kollektion von Inge C. Rudowski mit einigen besonderen Glanzstücken vertreten. Dazu zählt etwa ein Porträt von Maria Josepha von Sachsen, Gattin des Kronprinzen Ludwig von Frankreich, das in der Mitte des 18. Jahrhunderts entstand. Drei weitere Meisterwerke der französischen Miniaturmalerei stammen von Georges Nicolas Toussaint Augustin aus dem letzten Drittel des 18. Jahrhunderts; sie dokumentieren das mannigfaltige Gestaltungsrepertoire des Malers.

Im 19. Jahrhundert tat sich in Frankreich der Künstler Jean-Baptiste Jacques Augustin hervor. Er porträtierte eine Dame mit blauem Schal sanft und anmutig, ohne aber ihre prägnanten Gesichtszüge zu vertuschen. Die Formenvielfalt und die landestypischen „Moden“ der Miniaturporträtmalerei sind in der Dauerausstellung vor allem im Vergleich von englischen und französischen Miniaturen erkennbar: Während Künstlerinnen und Künstler in England den Hintergrund neutral gestalteten, zeigen französische Werke landschaftliche Details oder Interieurs.

Inge C. Rudowskis Sammlung macht auch unterschiedlichen Techniken der Miniaturmalerei sichtbar. Vornehmlich Künstlerinnen und Künstler aus den Niederlanden, Italien und Deutschland malten im 16. und frühen 17. Jahrhundert kleinformatige Porträts mit Ölfarbe auf Metall. Von Flandern kam die Porträtmalerei mit Wasserfarben und Gouache auf Pergament an den englischen Hof, wo insbesondere Heinrich VIII. und seine Tochter Elizabeth I. diese Kunst förderten.

Aus der Goldschmiede- und Uhrmacherzunft kam um 1650 die Emaillemalerei auf. Dabei wurden die Farben in mehreren Schritten aufgetragen und gebrannt, wodurch die Emaille-Miniaturen ihre leuchtenden Farben weder durch Licht noch Feuchtigkeit verlieren. Um 1700 war die bekannte italienische Pastell- und Miniaturmalerin Rosalba Carriera die Erste, die Elfenbein als Malgrund benutzte.

Diese Technik wurde auf immer dünner werdenden Plättchen zum Standard für die nächsten 150 Jahre. Mit der pastellenen Farbgebung in ihren Bildern bahnte das Gesamtwerk der Venezianerin Rosalba Carrieras, die mit drei ihrer repräsentativen Werke aus dem frühen 18. Jahrhundert in der Sammlung vertreten ist, dem sanft und verspielt anmutenden Rokokobildnis den Weg.

Die Miniaturensammlung von Inge C. Rudowski – in Form einer regelmäßig wechselnden Auswahl ihrer Lieblingsstücke der Porträtmalerei – ist ab dem 14. Mai dauerhaft im Kulturhistorischen Museum Haus Kemnade zu sehen.

Autor:

Florian Peters aus Witten

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