„Wir benehmen uns dämlich“
Professor Dr. Dirk Reiser referierte vor Gästen der Deutschen Stadtmarketingbörse

Ebenso überzeugend wie deutlich begegnete Professor Dr. Dirk Reiser von der Hochschule Rhein-Waal den interessierten Gästen.
  • Ebenso überzeugend wie deutlich begegnete Professor Dr. Dirk Reiser von der Hochschule Rhein-Waal den interessierten Gästen.
  • Foto: Wirtschaftsförderung Kreis Kleve GmbH
  • hochgeladen von Petra Zellhofer-Trausch

Professor Dr. Dirk Reiser, an der Hochschule Rhein-Waal als Fachmann für das Nachhaltige Tourismusmanagement bekannt, sagte es ebenso deutlich wie drastisch: „Wir benehmen uns dämlich“. Der Fußabdruck, den wir auf unserer Erde hinterlassen, sei sehr hoch, viel zu hoch. Die Welt sei ein lebender Planet, und gerade diesen bringen wir in Gefahr. Professor Reiser war Gastreferent auf der Deutschen Stadtmarketingbörse 2021 der Bundesvereinigung City- und Stadtmarketing Deutschland (bcsd) in Geldern. Und er ließ vor den Gästen aus der gesamten Republik keinen Zweifel daran, dass der Tourismus nach den deutlichen Umsatzeinbußen zur gesamten Corona-Zeit sich nicht vor Ende 2024 – also in drei Jahren – leicht erholt habe.

Kreis Kleve. Vor allen Dingen – und da blickte er auch nach Venedig oder Barcelona – sollten wir alle uns die Zukunft der Reiseziele bewahren. Wir alle setzten nur eine begrenzte Wahrnehmung ein – beispielsweise handelten wir lediglich auf unmittelbar erkennbare Risiken. Insbesondere die Ideologien der freien Marktwirtschaft verteidigten, so Professor Reiser, den Status Quo. Auch ökonomisch mache nachhaltiges Verhalten auf jeden Fall Sinn, behauptete er. Und da das Bewusstsein für nachhaltiges Handeln in der Bevölkerung durchaus vorhanden sei, glaube er nicht, dass die Menschheit den Ast, auf dem sie sitze, wirklich absäge.
Nachdenklich mache ihn dennoch, dass gerade im Corona-Jahr 2021 die Verkäufe von Reisekoffern um stolze 800 Prozent geradezu explodiert seien.

Auf besonderes Interesse in den Vortragsräumen des Hotels See Park Janssen stieß auch Dieter van Acken von der Tobit.Software aus Ahaus. Hier in Ahaus hat man ein digitalisiertes Kaufhaus ohne Personal als Treffpunkt und Verkaufsort für Waren lokaler Händler geschaffen. Rund um die Uhr geöffnet an sieben Tagen in der Woche. „Warum denn auch nicht? Ich kann ja nichts verlieren, nur gewinnen“, wurde hier der örtliche Spielwarenhändler Peter Tiemann zitiert, der einer von 90 Kaufhaus-Partnern ist. Auf 1.200 Quadratmetern Fläche zeigen sie in der 20.000 Einwohner Stadt Ahaus 2.250 Produkte, die man in einem ehemaligen Leerstand zeigt und per QR-Code jederzeit käuflich erwerben kann.

„Hier sehen wir die künftige Welt durch die Linse unseres Smartphone“, sagte van Acken bei der bcsd-Stadtmarketingbörse. Jeder zehnte Besucher der Verkaufsräume tätige hier seinen Umsatz. „Auf, auf, auf, das Haus hat auf…“ wirbt man in Ahaus für die Idee und erinnert damit an die unvergessliche Radio-Reportage zur Fußball-Weltmeisterschaft 1954, als Deutschland den Treffer zum 3:2 erzielte.

Autor:

Lokalkompass Emmerich aus Emmerich am Rhein

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