Forensik: Lünen zeigt Ministerin rote Karte

Sie zeigen die rote Karte für die Forensik.
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Das hatten sich die Forensik-Demonstranten anders vorgestellt: Vor dem Hansesaal schrillten am Abend die Trillerpfeifen, wurden Transparente geschwenkt, um die Gesundheitsministerin zu empfangen. Barbara Steffens aber wählte den Hintereingang - und ließ die Lüner wütend stehen.

Die Standortdiskussion - für Gesundheitsministerin Barbara Steffens scheint sie abgeschlossen. Gleich zu Beginn machte sie deutlich: "Ihre Proteste werden nicht dazu führen, dass wir auf der Stelle umdrehen und einen anderen Standort wählen." Die Ministerin war nach eigenen Angaben nach Lünen gekommen, um Fragen der Bürger zu beanworten. Doch von denen waren am Ende nicht wenige enttäuscht: "Ich hatte mir klare Antworten gewünscht, kein Geschwafel", so ein Anwohner der Barbara-Siedlung. Zum Zeitraum äußerte sich Steffens in einem Nebensatz. Vier bis fünf Jahre sollen Planung und Bau dauern.

Der Auftakt zur großen Bürgerversammlung stand unter einem schlechten Stern. Während vorne die Bürgerinitiative "Lünen ohne Forensik" mobil machte, fuhr die Ministerin in einem schwarzen Audi fast unbemerkt zur Rückseite des Hansesaals und verschwand zum Treffen mit Lüner Politikern. Damit machte sie sich nicht gerade beliebter. Als diese Nachricht die wartenden Demonstranten erreicht, werden Buh-Rufe laut, das Trillerpfeifen-Konzert wird ohrenbetäubend. "Pfui, so etwas feiges", spricht ein Mann das aus, was in diesem Moment wohl viele denken. Auf der Bühne ruft Michael Zawisch (CDU) dazu auf, die neue Bürgerinitiative zu unterstützen. Mit einer Mitgliedschaft, Spenden oder einer Unterschrift in den Protestlisten. Seit der Gründung der Initiative seien schon 10.000 Unterschriften zusammen gekommen.

Einlass in den Hansesaal ist um 19 Uhr. Schnell füllen sich die Plätze. Broschüren liegen auf den Stühlen, gedruckt vom Land Nordrhein-Westfalen. Der Titel: "Neue forensische Kliniken = mehr Sicherheit". Ob das die Lüner auch so sehen werden, ist mehr als fraglich. Zudem erreicht die Information viele Bürger nicht. Die Broschüren werden zerrissen und in die Luft geworfen. Als Bürgermeister Hans Wilhelm Stodollick und die Verwaltungsspitze den Saal betreten, schwillt der Protest wieder an. Papierkugeln fliegen. Immer wieder werden Rufe laut. "Wir sind das Volk!" Minuten später kommt auch Ministerin Steffens. Lauter kann es nun wohl nicht mehr werden. Als Steffens zusammen mit Uwe Dönisch-Seidel, dem Landesbeauftragten für den Maßregelvollzug die Bühne betritt, werfen Besucher erneut Papier und zeigen rote Karten.

Die Ministerin aus Düsseldorf kann kaum einen Satz aussprechen, ohne von Pfeifkonzerten und wütenden Zwischenrufen unterbrochen zu werden. Steffens wiederholte sich dabei öfter, betonte ein ums andere Mal, dass die Victoria-Brache der beste Standort sei, der im Landgerichtsbezirk zur Verfügung stehe. Entgegen der Einwände der Bürger, die immer wieder die Nähe zu Kindergärten, Schulen und der Siedlung ins Feld führen. Dr. Kai-Uwe Neumann ist Anwalt in Düsseldorf und in der Victoria-Siedlung aufgewachsen. Er fragt nach den Alternativgrundstücken und der Vergleichbarkeit der Standorte. Steffens antwortet: "Da kann ich Ihnen sagen, dass ich diese Frage nicht beantworten werde." So bleibt die Ministerin auch weitesgehend schuldig, warum gerade Lünen gewählt wurde.

Für Dirk Hartmann, den Vorsitzenden der neuen Bürgerinitiative, ist das eine Katastrophe. Eine Forensik sei für Lünen eine zusätzliche unzumutbare Belastung für Lünen. Hartmann: Wir wollen kein Image ,Lünen, die Stadt mit der Forensik!'" Lünen sei bei der Ansiedlung von positiven Landeseinrichtungen immer wieder vergessen worden, beispielsweise beim Thema Fachhochschule. Hartmann gab Barbara Steffens noch etwas mit auf den Heimweg: "Frau Ministerin, sie werden Lünen noch kennenlernen." Die Stadt stehe wie ein Mann.

Stimmen zum Hansesaal:

Ministerin Barbara Steffens: "Nicht in Lünen, das würden alle anderen Städte auch sagen."

Anwohnerin: "Sie reden von Gerechtigkeit, aber warum hat uns niemand gefragt?

Ministerin Barbara Steffens: "Ich bin weder für die Täter verantwortlich, noch macht es mir Spaß Standorte zu suchen."

Anwohnerin: "Warum müssen die (die Straftäter, Anm. d. Red.) in einem Wohngebiet untergebracht werden?"

Kind: "Frau Ministerin, ich habe Angst. Wie können Sie mich trösten?"

Anwohnerin: "Sie haben mit Ihrer Entscheidung uns allen die Chance genommen, von diesem Platz wegzuziehen. Wer kauft dort ein Haus?"

Steffens zu einem Kind: "Wenn du gerne mit Kindern an einem anderen Forensik-Standort reden möchtest, dann können wir das organisieren."

Mehr zum Thema:
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Autor:

Daniel Magalski aus Lünen

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