Strom lagert in diesen Hallen im Regal

Die Hallen sind unscheinbar, doch ihr Inhalt steht unter Spannung.
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Daimler-Chef Dr. Dieter Zetsche kam zum Spatenstich vor zwei Jahren persönlich nach Lünen. Kein Wunder, der Batteriespeicher bei Remondis an der Brunnenstraße ist ein echtes Vorzeigeprojekt und laut Daimler die weltweit größte Anlage dieser Art. Strom lagert hier in Regalen – in „alten“ Batterien aus E-Fahrzeugen.

Remondis in Lünen ist Recycling-Spezialist, nach eigenen Angaben ist das Lippewerk Europas größtes Zentrum für industrielles Recycling mit einer Fläche von über dreihundert Fußballfeldern. Fette aus der Gastronomie werden hier zum Beispiel zu Bio-Diesel. Und Chemikalien-Reste mit Hilfe einer patentierten Verfahrens zur Wandfarbe mit Lebensmittelzertifikat. Im Osten des Geländes stehen zwei eher unscheinbare Hallen: Der Batteriespeicher, ein Gemeinschaftsprojekt von Daimler, Remondis, The Mobility House und der Getec-Gruppe. Im November vor zwei Jahren machte Daimler-Boss Zetsche zusammen mit Klemens Rethmann, Vorstandsmitglied der Rethmann-Gruppe, und weiteren Verantwortlichen im Rahmen eines Festakts den ersten Spatenstich, seit letztem Jahr ist der Speicher am Netz. Was Benzinern die Tankstelle ist, das ist dem Elektro-Auto die Ladestation. E-Fahrzeuge brauchen viel Energie – und die speichert und liefert ein leistungsstarker Akkus im Wagen. Das Problem: Die Hightech-Batterien verlieren nach etwa drei Jahren ihre volle Leistung und eignen sich damit nicht mehr ohne Einschränkungen für den Betrieb im Elektro-Auto. Kritiker der E-Mobilität sprechen unter anderem aus diesem Grund oft von der schlechten Umweltbilanz der Elektriker.

Batterien kein Fall für die "Tonne"

Autohersteller sind sich des Themas bewusst und suchen nach Lösungen. „Die Weiterverwendung der Module aus Elektroautos in einem Batteriespeicher verdoppelt deren wirtschaftlichen Nutzen und steigert außerdem nachweislich deren Umweltbilanz“, heißt es in einer Pressemitteilung von Daimler. Die Batterien sind nach drei Jahren nämlich kein Fall für die „Tonne“. Zehn Jahre erreichen die Akkus noch eine Leistung von bis zu neunzig Prozent und das nutzt der Batteriespeicher. „Betreten verboten“ gilt für das Innere, denn hier herrscht Hochspannung. In Regalen liegen bis zu tausend Batteriesysteme aus dem Daimler-Zwerg Smart Fortwo Electric Drive und speichern bis zu dreizehn Megawattstunden, beispielsweise als Überschüsse aus dem Stromnetz. „Nach Zuschlag in den wöchentlichen Auktionen der Netzbetreiber für Primärregelleistung erfolgt der Abruf, Speicherung wie Einspeisung der Leistungen voll automatisch“, schildert Daimler. In Spitzenzeiten mit hohem Energieverbrauch - das klassische Beispiel sind die Morgenstunden, wenn viele Menschen aufstehen - stellt der Speicher wieder Strom zur Verfügung.

Recycling der Alt-Akkus bei Remondis

Dreizehn Megawattstunden decken in einer Stadt wie Lünen in einer durchschnittlichen Nacht nach Auskunft von Stadtwerke-Chef Dr. Achim Grunenberg rein rechnerisch den Bedarf von etwas weniger als eine Dreiviertelstunde und an einem durchschnittlichen Wintertag nicht einmal eine Viertelstunde. Ein Rechenbeispiel, das allerdings sehr theoretisch ist, denn ein Batteriespeicher dient nicht zur lang-, sondern zur kurzfristigen Versorgung. Batteriespeicher seien bei bei zunehmender Einspeisung von Strom aus fluktuierenden erneuerbaren Energien wie aus Windkraftanlagen und Solarkraftwerken der Schlüssel zur Stabilisierung der Stromnetze, so Daimler. Ist das Ende des Batterielebens dann irgendwann tatsächlich erreicht, geht sie auf dem Remondis-Gelände ein paar Hallen weiter ins Recycling. Wertvolle Rohstoffe aus den Batterien gelangen so zurück in den Wirtschafts-Kreislauf.

Thema "Elektro-Mobilität" im Lokalkompass: > Elektro-Tankstellen sind "made in Lünen" > E-Mobilität: Auto tanken an der Steckdose > Auto-Test: Löwe, Blitz und Co. unter Strom

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