Ein Mann, an dem sich die Geister schieden
Ex-RWO-Boss Hermann Schulz gestorben

Meinungsstarke Männer, die Vereine prägten: Hermann Schulz (links) mit dem langjährigen Schalke-Manager Rudi Assauer. Foto: Bahn
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Er führte Rot-Weiß Oberhausen nach oben. Einmal sogar bis fast in die Bundesliga. Und auch geradewegs wieder in den sportlichen Abgrund. Hermann Schulz war, abgesehen von einer kurzen Pause Ende der 1980er, Anfang der 1990er Jahre, mehr als 25 Jahre lang der starke Mann bei RWO. Nun ist er 80-jährig gestorben.

Große Namen lockte er zu den Kleeblättern, weil er bereit war, reichlich Geld in den Verein zu stecken. Manfred Burgsmüller kickte hier, Aleksandar Ristic coachte den Club gleich zweimal. Bei "König Aleks" sprang Schulz sogar einmal, ganz gegen seine sonstigen Gewohnheiten, über seinen Schatten. Nachdem er Ristic, der mit Rot-Weiß 1999 das DFB-Pokalhalbfinale erreicht hatte und die Zweitligasaison 1999/2000 auf dem sechsten Platz abschloss im Sommer 2000 mit wenig freundlichen Worten verabschiedete, holte er diesen im Dezember 2001 zurück. Höchste Abstiegsgefahr, die Ristic wieder einmal bannen konnte, bevor er im April 2003 von Schulz entlassen wurde.

Bauunternehmer Hermann Schulz ließ nie einen Zweifel daran, wer das Sagen hat. In den früheren Jahren durften die jeweiligen Präsidenten repräsentieren, der mal als Vizepräsident und mal als Obmann amtierende Schulz entschied. Kritische Anmerkungen waren ihm stets zuwider, gerne diktierte er auch seinen jeweiligen Trainern ihre Arbeitsweise. Ein Vereins-Patriarch, ähnlich dem Chef des langjährigen Liga-Konkurrenten Fortuna Köln, Hans "Jean" Löring. Der begründete eine Trainerentlassung einmal mit den Worten: "Ich als Verein musste reagieren". Das hätte auch ein Schulz-Zitat sein können.

Profitiert und gelitten

RWO profitierte von der Gunst Schulz´ und litt unter seinem Erbe. Sehr deutlich wurde dies in den Jahren 2003 bis 2005. Jörn Andersen übernahm seine erste Trainerstelle in Deutschland und schaffte es, mit einer kunterbunt aus allen Teilen der Welt zusammengewürfelten Truppe tatsächlich Herbstmeister der 2. Liga zu werden und bis zum Saisonfinale um den Aufstieg zu spielen. In der folgenden Saison folgte ein Einbruch, der Trainerwechsel und viele erfolglose Nachverpflichtungen belasteten die Finanzen des Vereins über Gebühr. Nach dem folgenden Abstieg trat Hermann Schulz ab und hinterließ seinen Nachfolgern einen untauglichen Kader und verhältnismäßig hohe Schulden. Rot-Weiß wurde in der Folge direkt in die vierte Spielklasse durchgereicht, bis sich das "Wunder von Bruns" einstellte.

Der Verein schrieb zum Tod des langjährigen Präsidenten unter anderem: "Bis zu seinem Abgang im September 2005 hatte Schulz dem Verein mehrfach aus der Patsche geholfen. Das ist und bleibt unbestritten. Aber er hatte ihn auch mehrfach in die Gleiche hineinmanövriert. Auch hier war Schulz eben ein Mann mit zwei Lebenswerken, an dem sich die Meinungen teilten. Der SC Rot-Weiß Oberhausen wird Hermann Schulz stets ein ehrendes Andenken bewahren und ist auch über seinen Tod hinaus für sein Engagement dankbar."

Autor:

Marc Keiterling aus Essen

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