S04 zementiert Platz zwei, BVB zittert sich in Champions League und HSV steigt ab

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Optische Täuschung: Nicht Naldo (m.) köpft aufs Tor der Frankfurter. Guido Burgstaller (l.) war es, der das runde Leder kurz zuvor berührt hatte. Mit Erfolg. Kurz danach schlug der Ball zur Schalker Führung ein, dem Siegtreffer zugleich, wie sich später herausstellen sollte. (Foto: Gerd Kaemper)

Wegen anstehender Relegationsspiele ist die Saison 2017/2018 noch nicht beendet. Doch der 34. Spieltag bot spektakuläre Ergebnisse und brachte nahezu alle Entscheidungen. So baute der FC Schalke 04 noch den Vorsprung auf Platz drei aus, während Bayer Leverkusen unter dem Strich nur vier Tore fehlten, um den BVB von einem Champions League-Platz zu verdrängen. Der VfL Wolfsburg rettete sich mit einem klaren Sieg in die Relegation, während der Hamburger SV erstmals aus der Bundesliga abstieg.

Theoretisch war die Chance nicht klein, die Eintracht Frankfurt hatte, um wenigstens über Platz sieben und (undankbaren) Qualifikationsspielen im Sommer noch in die Europa League zu ziehen. Zumindest trauten Experten der Eintracht eher zu, am 34. Spieltag auf Schalke zu gewinnen, als eine Woche später im DFB-Pokal-Finale gegen Bayern München. Letzteres ist immerhin noch möglich und würde den direkten Europa League-Einzug bescheren. Ersteres warfen die Frankfurter mit einer schwachen Leistung relativ einfach weg.

Der S04 hätte am Ende wesentlich höher als 1:0 gewinnen müssen. Es lag nicht nur an einer eher schwachen Gäste-Vorstellung, sondern vor allem an einer starken der Gastgeber. Ein so konsequentes Spiel über fast die gesamte Spieldauer zeigten die Königsblauen diese Saison selten, auch wenn der zweite Rang durch den Heimsieg zementiert wurde. Guido Burgstaller köpfte eine Freistoßflanke von Daniel Caligiuri in der ersten Halbzeit ins Tor. Da der Revierrivale aus Dortmund als erster Verfolger parallel verlor, beträgt der Vorsprung auf Platz drei für die „Knappen“ nach dieser Saison sogar satte acht Zähler!


Auf Platz drei schloss nun übrigens die TSG Hoffenheim die Spielzeit ab. Punktgleich mit Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen. Beinahe wäre der BVB-Albtraum in Sinsheim wahr geworden. Zehn Minuten vor Spielende lagen die Schwarz-Gelben bei der TSG 1:3 zurück und Leverkusen führte zum selben Zeitpunkt 3:0, als die Bayer-Elf gegen Hannover einen Elfmeter zugesprochen bekam. Hätte Leverkusen am Ende 5:0 gewonnen, wäre Dortmund nun sogar nur Fünfter und müsste in der Europa League spielen. Es kam aber alles anders. Der Elfmeter für Leverkusen wurde per Videobeweis überprüft - und zurückgenommen! In der Nachspielzeit der Partie schossen die Hannoveraner dann sogar noch zwei Treffer. Sie konnten die Niederlage nicht verhindern. Aber sie sorgten für beruhigte BVB-Gemüter.

BVB dank Hannover in der Champions League

Kuriose Bilder spielten sich dann auf dem Hoffenheimer Rasen ab: Die TSG feierte, weil der erstmalige Champions League-Einzug perfekt war. In der Königsklasse wird der BVB auch spielen. Doch die Partie war ein Spiegelbild der vergangenen Monate. Nach Abpfiff fielen deswegen deutliche Worte von Spielern und Verantwortlichen. Ein Umbruch in der Sommerpause wird unumgänglich sein. Dann übrigens ohne Trainer Peter Stöger. Der gab bekannt, was alle seit Wochen wussten: Er hört als BVB-Trainer auf. Sein auslaufender Vertrag wird nicht verlängert (die USA-Reise inklusive Testspiele begleitet er kurioserweise aber noch in den nächsten Wochen). Dortmund verkündete zwar keinen Nachfolger. Doch die Medien sind sich alle einig: Sobald Lucien Favre mit OGC Nizza den letzten Spieltag in Frankreich nächste Woche absolviert hat, wird der Wechsel bekanntgegeben.

Indiskutable Bayern-Vorstellung gegen Stuttgart

Einen Trainer-Wechsel wird es auch beim Deutschen Meister Bayern München geben. Doch das letzte Bundesligaspiel für Jupp Heynckes hatte dieser sich wohl ganz anders vorgestellt. 1:4 (!) verlor der FCB daheim gegen den VfB Stuttgart und bot eine indiskutable Leistung. Die Stuttgarter - zweitbestes Rückrundenteam - schoss sich so noch an Frankfurt auf Platz sieben vorbei. Jenes Frankfurt, das im DFB-Pokal-Finale auf den FCB trifft. Jenes Frankfurt, das Trainer Niko Kovac im Sommer an die Bayern verliert.

HSV-Chaoten sorgen fast für Spielabbruch

Keinen Trainer-Wechsel gibt es beim HSV. Der gab bereits vor dem Spieltag bekannt, dass Christian Titz unabhängig von der Ligazugehörigkeit verantwortlich an der Seitenlinie bleibt. Doch auch diese Nachricht in Kombination mit einem 2:1-Heimsieg über Borussia Mönchengladbach konnte den erstmaligen Bundesliga-Abstieg nicht verhindern. Weil der VfL Wolfsburg parallel mit 4:1 gegen den Tabellenletzten Köln gewann. Beinahe hätte übrigens das HSV-Spiel abgebrochen werden müssen. Rund 150 Chaoten hatten kurz vor Schlusspfiff Rauchbomben, Böller und Feuerwerkskörper in einen Strafraum geworfen. Schiedsrichter Felix Brych unterbrach das Spiel. Dutzende Polizisten zu Fuß und auf Pferden kamen auf das Spielfeld. Nach über 15 Minuten Pause konnte die Partie dann fortgesetzt werden. Brych ließ noch einen langen Ball schlagen und pfiff dann ab. Für manchen Beobachter lächerlich, doch regelkonform. So verhinderte er einen Spielabbruch und handelte im Sinne aller Fußballer.

Ab Donnerstag: Wolfsburg gegen Kiel

Die Wolfsburger hingegen treffen nun am kommenden Donnerstag und am 21. Mai (Montag) in der Relegation auf Holstein Kiel. Denn der FC Augsburg half nicht, das Wunder der „Wölfe“ zu realisieren. Der FCA verlor beim SC Freiburg mit 0:2, der nur bei einer Niederlage noch vom VfL hätte eingeholt werden können.

Braunschweig in Liga 3 abgeschossen

Dass mit Kiel alles andere als ein leichter Gegner auf Wolfsburg zukommt, zeigte der Sonntag noch einmal eindrucksvoll. Die „Störche“ schossen Eintracht Braunschweig mit 6:2 ab. Dabei führte die Eintracht in Halbzeit eins zweimal (!) und ging trotzdem mit einem 2:4-Rückstand in die Halbzeitpause. Das deftige Endergebnis hatte für Braunschweig heftige Folgen: der Abstieg in die 3. Liga! Ob Erzgebirge Auge, das Ex-Team von Schalke-Trainer Domenico Tedesco, dorthin folgen muss, werden die Relegationsspiele zeigen. In denen treffen die „Veilchen“ auf den Karlsruher SC, nachdem sie den Abstiegskampf-Knaller beim SV Darmstadt 98 mit 0:1 verloren.

Für die Revierklubs im Unterhaus gab es ein versöhnliches Ende. Die Fortuna aus Düsseldorf sicherte sich in der Nachspielzeit den Titel und Platz eins. Obwohl der Tabellenzweite zur Halbzeit beim Tabellenersten Nürnberg 1:2 zurücklag, gelang noch der Sieg. In der 91. Spielminute!

Sogar vier Minuten später traf der MSV Duisburg. Aber auch zum 2:0. Das Spiel um die „Goldene Ananas“ gegen den FC St. Pauli hatte keine sportliche Bedeutung mehr. Ebenso wenig wie das zwischen dem VfL Bochum und Jahn Regensburg. Die Bochumer glichen kurz vor Spielende zum 1:1 aus und beendeten die turbulente Saison, die lange Zeit von Abstiegsängsten begleitet war, auf Platz sieben. Punktgleich vor dem MSV Duisburg.
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Christian Tiemeßen aus Emmerich am Rhein | 14.05.2018 | 10:00  
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