Ausgerechnet beim Piksen hakt es!
Bürger sauer, Kreis verärgert und KVWL in der Kritik: Riesen Ärger um Impfterminvergabe im EN-Kreis

Der Wartebereich zum Ausfüllen der Dokumente beim Probelauf im Impfzentrum des Ennepe-Ruhr-Kreises in Ennepetal.
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  • Der Wartebereich zum Ausfüllen der Dokumente beim Probelauf im Impfzentrum des Ennepe-Ruhr-Kreises in Ennepetal.
  • Foto: UvK/Ennepe-Ruhr-Kreis
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Bürger sauer, Kreis verärgert und KVWL in der Kritik: Riesen Ärger um Impfterminvergabe im Ennepe-Ruhr-Kreis In vielen Wohnzimmern im Südkreis haben in den vergangenen Wochen Senioren beim Thema "Corona-Impftermin" die Hände über den Kopf zusammengeschlagen, denn: Beim Thema Pieksen harkt es ganz gewaltig.

von Nina Sikora

Die WAP-Redaktion erreichen immer mehr Berichte von Bürgern, die aufgrund der Impfterminvergabe verzweifeln. Am vergangenen Montag, 8. Februar, startete der Betrieb im Impfzentrum, aber längst nicht alle impfwilligen über 80-Jährigen haben es bisher geschafft, einen Termin zu vereinbaren.

System zu kompliziert

Laut Aussage von Betroffenen, Betreuern sowie auch Angehörigen, ist es für die meisten älteren Menschen nicht möglich Termine alleine zu vereinbaren, da das System viel zu kompliziert ist. "Ich habe sechs Personen weit über 80, die ich betreue und für die ich seit Beginn der Möglichkeit Impftermine zu vereinbaren, telefoniere um entsprechende Termine zu bekommen, parallel versuche ich es per Internet. Alle sechs Personen sind aufgrund der komplizierten Terminvergabe leider nicht in der Lage, selbst einen Termin zu vereinbaren", schreibt uns Heike Hunsdieck, WAP-Leserin aus Gevelsberg. Und auch Leser Marc Münster hat negative Erfahrungen bei der Impfterminvergabe gemacht: "Ich habe es seit Tag eins natürlich probiert und wurde direkt mit dem maximal benutzerunfreundlichem System bekannt gemacht. Online war eigentlich bis vorgestern nichts zu erreichen. Termine die da standen waren alle bereits vergeben."
Da vergeht einem ja die Impflust! Zumindest berichtet das eine weitere WAP-Leserin: "Wenn man nach unendlich vielen Versuchen endlich durch kommt, heißt es, wir haben keine Termine, weil wir nicht wissen, wann und wie viel Impfstoff wir bekommen. Sie müssen es immer wieder versuchen. Darauf hat meine Mutter keinen Nerv mehr. Dann eben nicht, sagt sie. Sie wird diesen Monat 85 Jahre alt."
Die WAP-Redaktion erreichten noch viele weitere Zuschriften, die davon berichten, wie kompliziert das System ist und das immer wieder keine Termine verfügbar sind. Deshalb hat die WAP die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) um eine Stellungnahme gebeten. "In den vergangenen zwei Wochen wurde mehrfach die Komplexität des Online-Anmeldeprozesses kritisiert. Diese Kritik ist sicherlich nicht von der Hand zu weisen", gibt KVWL-Pressesprecherin Vanessa Pudlo zu.

Kritik ist nachvollziehbar

Man müsse aber auch die Hintergründe kennen, so Pudlo. Die Bundesregierung habe die Kassenärztliche Bundesvereinigung und die kv.digital mit der Entwicklung einer bundeseinheitlichen Terminsoftware für alle Impfzentren beauftragt. Pudlo: "Die genutzte Software basiert auf einer Anwendung, die seit mehreren Jahren innerhalb der Terminservicestellen im Einsatz ist. Vor dem Hintergrund der bereits vorhandenen Erfahrungen mit der Software im Kontext des eTerminservices innerhalb der Terminservicestellen hat sich die KVWL dazu entschieden, dieses System auch für den Impfterminservice zu nutzen." Zudem erklärt die Pressesprecherin: "Das System muss hohe Sicherheitsanforderungen erfüllen, damit beispielsweise ein Missbrauch der Terminvergabe verhindert wird – z.B. indem Termine durch einen Roboter blockiert werden. Die Anforderungen an das System wurden vom Bundesgesundheitsministerium formuliert. Die Kritik ist wie gesagt sicherlich nachvollziehbar, allerdings sind wir bzw. die kv.digital an die Erfüllung der politischen Vorgaben gebunden."

Lokalpolitiker sind unzufrieden und verärgert

Den Unmut der Bürger können auch die Lokalpolitiker gut verstehen: "Wir sind unzufrieden und verärgert, weil unsere Bürger unzufrieden und verärgert sind", berichtet Landrat Olaf Schade über das Stimmungsbild aus der wöchentlichen Videokonferenz mit den Bürgermeistern aus dem Ennepe-Ruhr-Kreis. Die Politiker haben sich daraufhin mit einem Schreiben an den NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann gewendet. Darin heißt es unter anderem: "Die Telefonhotline war und ist heillos unterdimensioniert und in der Qualität - wenn man denn durchkommt - viel zu oft mangelhaft. Das Onlinesystem ist für die angesprochene Zielgruppe und deren Angehörige weder logisch noch methodisch noch barrierefrei und damit für die Praxis ungeeignet." Zudem wurde Laumann dazu aufgefordert, "die Terminbuchung auf ein System umzustellen, das einfach, logisch, selbsterklärend und damit für jeden handhabbar ist."
Einen Tipp, wie man die Impfterminvergabe besser hätte gestalten können, hat Heike Hunsdieck aus Gevelsberg: "Warum konnte man in dieser Altersgruppe nicht einfach wie bei den Terminen für die Mammographie z.B. einen festen Termin vorgeben. Dieser hätte dann, wenn man ihn nicht wahrnehmen konnte tel. verschoben werden. Bei der Mammographie funktioniert dies ja auch. Und diese Altersgruppe hat ja in diesen besonderen Zeiten auch nicht so viele Termine. Dies wäre bestimmt eine besser Lösung gewesen."

Zuweisung fester Termine wäre eine Alternative

Auch dazu befragte die WAP die Pressesprecherin der KVWL, die Zugibt: "Die Zuweisung fester Termine wäre sicherlich ein Weg gewesen, wie man die Terminvergabe ebenfalls hätte durchführen können." Allerdings sei die Entscheidung darüber, welches Verfahren genau bei der Vergabe der Impf-Termine gewählt werden sollte, in enger Abstimmung mit dem NRW-Gesundheitsministerium getroffen worden. Die KVWL habe den ihr übertragenen Auftrag übernommen und erfüllt, die grundlegenden Entscheidungen zur Impf-Strategie sei jedoch seitens der Politik getroffen worden. Schiebt man bei der KVWL also die Verantwortung von sich? Nicht ganz. Vanessa Pudlo räumt ein: "Es ist klar, dass für die Terminvergabe für die weiteren Priorisierungsgruppen dringend Änderungen am Verfahren nötig sein werden." Zudem verweist sie darauf, dass sich der KVWL-Vorstand in aller Form bei den Bürgern für das Durcheinander entschuldigt. Bereits am 29. Januar erklärte der KVWL-Gesamtvorstand Dr. Dirk Spelmeyer, Dr. Volker Schrage und Thomas Müller: „Wir entschuldigen uns bei allen Bürgerinnen und Bürgern, die mit Problemen bei der Vereinbarung eines Impf-Termins zu kämpfen hatten. Wir haben kein Geheimnis daraus gemacht, dass wir mit Schwierigkeiten bei der Terminvergabe rechnen, wenn der Großteil der fast eine Million Impfberechtigten in NRW sich gleichzeitig an eine Hotline und ein Online-Portal wendet. Dass sich der Start jedoch so schwierig gestaltet hat, bedauern wir sehr.“

Tipp zur Terminvereinbarung

Nach einem Tipp gefragt verweist Vanessa Pudlo auf FAQ-Seite der KVWL, die "regelmäßig aktualisiert wird und die häufigsten Fragen rund um die Terminvereinbarung beantwortet." Erreichbar ist die Seite unter www.corona-kvwl.de/impftermin.

Infos zur Impfung:

  • Anfang Februar wurde das Termin-Buchungsfenster von der kv.digital bis Ende April erweitert. Es wurden weitere 100.000 Termine eingestellt.
  • Sobald das NRW-Gesundheitsministerium weitere Impfstofflieferungen bestätigt, können weitere Termine freigeschaltet werden.
  • Wenn keine Termine mehr buchbar sind, kann dies damit zusammenhängen, dass die abrufbaren Termine für den jeweiligen Tag für ein bestimmtes Zentrum vergeben sind. Es kommen jedoch täglich weitere Termine hinzu, sodass Bürger, die noch keinen Termin haben, es weiterhin telefonisch und online versuchen können.
Autor:

Nina Sikora aus Essen

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