Frage der Woche
Was muss sich in der Katholischen Kirche ändern, um Missbrauch zu vermeiden?

Auch dem emeritierten Papst Benedikt XVI werden im Münchener Missbrauchsskandal Versäumnisse vorgeworfen.
  • Auch dem emeritierten Papst Benedikt XVI werden im Münchener Missbrauchsskandal Versäumnisse vorgeworfen.
  • Foto: Bild: heblo auf Pixabay
  • hochgeladen von Miriam Dabitsch

Fast 500 Opfer benennt das neue Missbrauchsgutachten für das Erzbistum München und Freising  und noch einmal fast halb so viele Täter. 235 Täter, das ist klar, sind bei Weitem keine Einzelfälle. Die katholische Kirche hat ein Problem; ein Glaubwürdigkeitsproblem, aber auch einen immensen Imageschaden. 

Beispielhaft der Fall des Priesters H., der in den 70er Jahren im Erzbistum Essen Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht hatte. Als die Vorwürfe bekannt wurden, wurde der Priester unter Beobachtung gestellt und nach Bayern versetzt. Trotz einer Verurteilung im Jahr 1986 durfte er weiter mit Kindern arbeiten - und nutzte dies schamlos aus. In mindestens 23 Fällen soll der Geistliche sexuelle Forderungen gestellt haben, indem er seine Machtposition missbrauchte. Ein unvergleichlicher Skandal, denn nicht nur in dieser Personalie haben mächtige Kirchenmänner weggeschaut, darunter auch der emeritierte Papst Benedikt XVI.
 

Kaum Veränderungen 

Zwar versucht die Kirche seit nunmehr einem Jahrzehnt, den Missbrauch in den eigenen Reihen aufzuarbeiten. Allein, es fehlen Konsequenzen. "Die detaillierte juristische Bewertung durch das jetzt vorliegende Gutachten ist das eine, Schuldeingeständnis und Übernahme von persönlicher Verantwortung sowie ein unabdingbarer Systemwechsel das andere", betonte die Diözesanvorsitzende des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend Jana Wulf im Interview mit katholisch.de. Sie bedauere, dass der Vatikan weiterhin keine Ansätze zur Veränderung erkennen ließe. 

Vatikan lobt das Verhalten Benedikts XVI

Dazu passt eine Stellungnahme des Vatikans zu dem neuesten Gutachten und dem Verhalten Benedikts XVI. Er habe als erster Papst den Kontakt zu Missbrauchsopfern gesucht und "das Gesicht einer bußfertigen Kirche gezeigt", heißt es in der Stellungnahme von "Vatican News", über die kathlisch.de berichtet. Dass Ratzinger in dem Gutachten der Falschaussage überführt wurde, bleibt hingegen unkommentiert. 

Mögliche Maßnahmen

Aber inwiefern begünstigen die Strukturen in der Katholischen Kirche Missbrauch? Zu der Frage hatte der Koordinator einer Studie über sexuellen Missbrauch in der Kirche, Harald Dreßing, bereits 2018 gesagt: "Dazu gehören der Missbrauch klerikaler Macht, aber auch der Zölibat und der Umgang mit Sexualität, insbesondere mit Homosexualität". Auch die Rolle der Beichte müsse überdacht werden, sagte der Psychiater auf kirchenbote.de. 

In unserer Frage der Woche wollen wir von euch wissen, was sich in der Katholischen Kirche ändern muss, um Missbrauch vorzubeugen? Sind es die Strukturen? Ein falscher Umgang mit Tätern? Zu wenige Konsequenzen für Täter? Die beliebte Taktik der Verschleierung? Was meint ihr? 

Autor:

Miriam Dabitsch aus Velbert

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