Essen auf Rädern: Mahlzeit in den eigenen vier Wänden mit einem kurzen Plausch

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  Seit knapp einem Jahr fährt Christopher Block für das Rote Kreuz das Essen aus und kennt die Kunden in Wattenscheid und Bochum mittlerweile ganz genau.

Morgens um 10 Uhr geht es los. Im DRK-Zentrum an der Sommerdellenstraße werden die einzelnen Menüs nach Wunsch der Kunden fertig gegart und in die Transportboxen eingepackt, die garantieren, dass das Essen auch warm beim Kunden ankommt. Die Tour durch Wattenscheid dauert für Christopher Block etwa 2,5 Stunden, wenn alles glatt läuft. Trotzdem kann es vorkommen, dass sie jeden Tag unterschiedlich verläuft.

"Nicht alle unsere Kunden bestellen jeden Tag ein Essen", erklärt Daniel Eisenkopf, der beim Roten Kreuz für „Essen auf Rädern“ zuständig ist. „Manche nehmen eine Portion für zwei Tage, andere werden teilweise von der Familie versorgt. Viele werden aber auch täglich mit einer Heißanlieferung in der Mittagszeit beliefert. Knapp 15 Kunden beziehen unser Angebot als Tiefkühlvariante einmal wöchentlich.“ Sieben Tage in der Woche gibt es alle Mahlzeiten in verschiedenen Varianten – als Vollkost, Schonkost, als „Schlemmerausführung”, die auch schon mal Wildkeule oder Fischvariationen im Angebot hat, und natürlich auch ohne Fleisch. Dazu kommen jegliche Variationen – von püriert über natriumarm bis hochkalorisch.

Christopher Block hat mit der Zeit ein Auge für die alten Leute bekommen. Als Zivildienstleistender hat er seinen Dienst beim DRK begonnen und wird nach dem Auslaufen des Dienstes dem Verband als Honorarkraft erhalten bleiben. Er hat in der Tagestour 1 den Auftrag, die Essensportionen persönlich zu überreichen. Macht jemand die Tür nicht auf, muss er die DRK-Geschäftsstelle alarmieren. "Es kann immer sein, dass eine alte Dame hingefallen oder ein Herr mit einem Schlaganfall umgekippt ist", erklärt der 21jährige Essensbote. "Dann versuchen wir Verwandte, Nachbarn oder den Pflegedienst zu erreichen, um nach dem Rechten sehen zu können."

Für viele Wohnungen besitzt er zudem einen Schlüssel. Viele ältere Menschen sind schwerhörig oder es kostet sie zu viel Kraft, bis zur Tür zu kommen. Außerdem wird den DRK-Kunden eingeprägt, sich abzumelden, falls sie zur Lieferzeit nicht zu Hause sein sollten. "Das klappt meistens ganz gut", findet Christopher Block. "So wissen wir, dass wir uns keine Sorgen machen müssen." Trotzdem bleibt es nicht aus, dass mal etwas passiert. "Dann bleibe ich vor Ort, bis der Notarzt kommt und die Tour verschiebt sich halt etwas nach hinten", erklärt der Rotkreuzler. Damit die anderen Kunden nicht nervös werden, rufen Mitarbeiter der DRK-Geschäftsstelle sie an und erklären, warum das Essen etwas später kommt.

Heute kommt es pünktlich zu Ingeborg Lehrke. Christopher Block kennt den Weg. Kurz aus dem Auto gesprungen geht es über einen kurzen Weg direkt zum Hauseingang des Mehrfamilienhauses. Sein Finger drückt ein eingespieltes Türklingelzeichen. Drinnen geht es sofort ein paar Stufen hinauf – und oben, wie alle Tage um die Mittagszeit, wartet Ingeborg Lehrke schon. Eine Kundin von 25 heute auf der Liste der Tour – eine, deren Essen auf Rädern kommt.

„Ich selbst will gar nicht mehr kochen, denn die Einkäufe fallen nicht mehr so leicht wie früher.“ Seit zwei Jahren bekommt sie das Essen geliefert. „Ich bin mehr als zufrieden. Das kann man zu dem Preis selbst nicht besser machen und lecker ist es auch noch“, schätzt die 86-Jährige den Bringdienst. . „Ich bin froh, dass so gutes Essen gebracht wird und probiere immer einige neue Menüs aus dem abwechslungsreichen Angebot aus“, sagt die rüstige Wattenscheiderin. Solange es irgend geht, möchte die Seniorin den gewohnten Lebensrhythmus in ihrer Wohnung weiterleben, und hierfür die praktischen Vorteile der DRK-Angebote nutzen. Angebote „ihres“ Vereins, bei dem sie bereits seit 31 Jahren Fördermitglied ist.

Wie die anderen Menüfahrer ist auch Christopher Block um das Wohlergehen jedes einzelnen Kunden bemüht, denn für das Rote Kreuz ist die Hilfe für den Menschen ein wichtiges Anliegen und gehört zu den Grundsätzen der DRK-Arbeit. Dass Kunden wie Ingeborg Lehrke mit dem Menü-Service vollauf zufrieden sind, wird durch ihre oftmals langjährige Treue zum Roten Kreuz unterstrichen. „So bleibt mir einfach eine gewisse Lebensqualität erhalten, wenn ich mittags mit einem leckeren Essen versorgt werde“, schließt sich Ingeborg Lehrke an, „und die jungen Leute sind wirklich immer nett und bemüht, so dass auch meine Verwandten hier einfach beruhigt sind. Zeit für einen kleinen Plausch finden wir immer.“

Als Christopher Block ihr das Essen serviert, strahlt sie: „Die Küche kriegt alles hin.” Es gibt Hähnchenfilets „Gärtnerinnen Art“. „Das habe ich mir neu ausgewählt zum Probieren”, sagt Ingeborg Lehrke. Bestellt hat sie es beim Roten Kreuz mit einem Wochen-Essensplan, den Daniel Eisenkopf in der DRK-Geschäftsstelle (Telefon 0 23 27 – 8 70 19) bearbeitet und die Bestellungen koordiniert.

Anschließend ist für den Rotkreuzler der Endspurt angesagt. Gegen 13.30 Uhr liefert er das letzte der 25 Essen auf dieser Tour aus. Am nächsten Tag fängt alles wieder von vorne an. Mit dem Erhitzen der Menüs, dem Packen der Transportboxen und den Besuchen bei den älteren Kunden. Und den DRK-Fahrern, die leider manchmal die einzige Bezugsperson für die Senioren sind.
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