"Fluch und Segen. Kirchen der Moderne" - Ausstellung zur Kirchen-Umnutzung ab 9.9. in Köln

Kirche St. Gertrud von Gottfried Böhm
  • Kirche St. Gertrud von Gottfried Böhm
  • Foto: Michael Rasche
  • hochgeladen von Laura Wiehn

Die Kirche St. Gertrud in Köln wird zum erlebbaren Exponat: Für die Ausstellung „Fluch und Segen. Kirchen der Moderne“ inszeniert das M:AI – Museum für Architektur und Ingenieurkunst NRW die Kirche von Gottfried Böhm. Themen der Ausstellung sind die Bedeutung von Kirchenbauten und der Umgang mit diesen außergewöhnlichen Räumen – angesichts der zunehmenden Leerstände. Am 8. September wird die Ausstellung um 15 Uhr eröffnet, zu sehen ist sie vom 9. September bis zum 10. November 2019.

Der Kirchenraum von St. Gertrud wird mit einer Lichtinstallation inszeniert: Grafische Elemente, kurze Erläuterungen und Zitate werden dazu an die Wände projiziert. Diese Impulse sollen einerseits das Besondere dieser Räume hervorheben und anderseits die Bedeutung des modernen Kirchenbaus aus dem zeitgeschichtlichen Kontext heraus erklären. Die Böhm-Kirche steht in der Ausstellung als zentrales Exponat stellvertretend für viele Kirchen der Nachkriegsmoderne.

Das M:AI betrachtet in der Ausstellung wichtige liturgische Bereiche wie den Gemeinderaum und den Altarbereich, und es erläutert, wie dort liturgische Funktion und theologische Aussage die spezifische Raumgestalt geprägt haben. St. Gertrud verfügt noch über alle wichtigen liturgischen Ausstattungsstücke, unter anderem Altar, Taufbecken und Tabernakel – alle nach Entwürfen von Gottfried Böhm. Die Position dieser Prinzipalstücke im Raum, ihre liturgische Funktion und ihre besondere Gestalt werden erklärt. Kirchen sind Gebäude für den Ritus, aber auch gebaute Theologie. Das war zu allen Zeiten eine besondere gestalterische Herausforderung für Architekten.Der zweite Teil der Ausstellung veranschaulicht an rund 20 aktuellen Projekten in Text und Bild gelungene Konzepte für die Umgestaltung von Kirchengebäuden für andere Nutzungen. Dabei wird zum einen der Umgang mit dem Gebäude im Stadtraum betrachtet und zum anderen mit dem spezifischen Kircheninnenraum.

St. Gertrud, fertiggestellt im Jahr 1965, bietet mit ihrer Fassade aus Sicht- und Waschbeton sowie ihrer asymmetrischen Form den idealen Raum für die Ausstellung. Darüber hinaus verkörpert der Ort selbst das Thema des veränderten Umgangs mit Kirchen: St. Gertrud ist seit 2010 unter anderem auch Veranstaltungsraum für Ausstellungen und Installationen.

Vor der Entscheidung über Abriss, Umbau und Neunutzung stehen viele Kirchen-gebäude. Wie gehen wir mit diesen Bauten um, die in architektonischer, religiöser, aber auch kultureller Weise außergewöhnliche Räume erzeugen? In NRW gibt es rund 6.000 christliche Kirchen, von denen in den nächsten Jahren etwa 30 Prozent leer stehen werden (Jörg Beste, Synergon 2018). Gründe dafür sind unter anderem der demografische Wandel und eine säkularisierte Gesellschaft. Leerstehende Kirchen ohne neue Nutzung werden langfristig aus unseren Dörfern, Städten und Wohnquartieren verschwinden. Der Umgang mit diesem christlichen Erbe hat sich zu einer gesamtgesellschaftlichen Diskussion entwickelt.

Mit der Ausstellung verbunden ist das Projekt „Zukunft – Kirchen – Räume. Kirchengebäude erhalten, anpassen und umnutzen“ von StadtBauKultur NRW, die Partner der Ausstellung ist. Das Ziel des Projekts ist, unter anderem Kirchengemeinden und Initiativen zu unterstützen, die am Erhalt, dem Umbau oder der Umnutzung von Kirchengebäuden beteiligt sind. Zentral ist dabei die Website zukunft-kirchen-raeume.de. Dort werden realisierte Projekte aus ganz Nordrhein-Westfalen vorgestellt, Ansprechpersonen sowie Fachinformationen vermittelt.

Autor:

Laura Wiehn aus Oberhausen

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