Zweite Chance für Kinder: Stadt Dinslaken sucht Pflegeeltern
Endlich angekommen

Die Eingewöhnung hat mit fünf Monaten verhältnismäßig lange gedauert, über die Jahre sind Britta, Dirk und ihre beiden Pflegekinder aber zu einer richtigen Familie zusammengewachsen.
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"Mittlerweile sind das meine", sagt Britta (43). Weil sie und ihr Mann keine eigenen Kinder bekommen können, haben sie sich vor knapp drei Jahren entschieden, zwei Pflegekinder aufzunehmen.

"Die Schwester meiner besten Freundin hat drei Pflegekinder." Sich von dem Gedanken an eigene Kinder zu verabschieden und stattdessen Kindern einer Fremden eine, wie Mitarbeiterin Daniela Pagonakis findet, "Wahninns-Chance" zu geben, war ein langer Prozess. "Aber wir haben es nie bereut", sagt Dirk (51). Auch wenn die ersten Nächte wirklich schwierig waren.

Darauf einlassen mit allen Konsequenzen

Die "Zwerge", wie der Papa sie liebevoll nennt, sind knapp vier Jahre alt und entwickeln sich prächtig. "Anfangs waren wir unsicher, haben uns immer wieder gefragt: Ist das normal? Machen wir etwas falsch?", sagt Britta. Leibliche Eltern würden ganz anders in die Erziehung der Kinder hineinwachsen. "Aber wenn ich jetzt sehe, dass er etwas macht, dass alle machen - auch wenn es nicht gut ist -, weiß ich: Er ist ein ganz normaler Junge. Und wir haben alles richtig gemacht."

"Zwerge" haben Vertrauen gefasst

Seit August vergangenen Jahres gehen die beiden in den Kindergarten. Die Eingewöhnung habe etwas länger gedauert, daran habe man dann doch gemerkt, sagt die Mutter, dass die Kinder Angst hätten, sie würde nicht wiederkommen. Seitdem die "Zwerge" aber darauf vertrauen, dass sie weder alleine gelassen werden noch erneut die Familie wechseln müssen, klappt es wunderbar.

Rund 100 Kinder leben zurzeit in Pflegefamilien. Der Bedarf ist gedeckt; Bärbel Eder, Leiterin des Fachdienstes für Soziale Dienste würde sich aber wünschen, dass sie und ihre Mitarbeiter auf eine zumindest kleine Auswahl Eltern zurückgreifen könnten. Denn: Die Chemie zwischen Kind und Pflegeeltern muss einfach stimmen, "es muss Klick machen." Sie seien selber noch nicht ganz dahinter gekommen, warum das Interesse, ein Pflegekind aufzunehmen, zurückgegangen ist, sagt Pagonakis. Klar ist: Die Aufgabe, der sich die Pflegeeltern stellen müssen, ist groß. Und darüber muss man sich bewusst sein. "Wir haben Glück, dass uns auch die Familie und Freunde unterstützen", sagt Britta.

Multiproblematische Situationen der Grund dafür, dass Kinder in einer Pflegefamilie untergebracht werden

Häufig sind multiproblematische Situationen der Grund dafür, dass Kinder in einer Pflegefamilie untergebracht werden müssen. Das können Überforderung oder psychische Probleme der Eltern sein oder Vernachlässigung oder gar Misshandlung. "Jedes Kind", sagt Eder, "hat seinen Rucksack zu tragen." Natürlich versuche man im Vorfeld zu verhindern, dass Eltern und Kind getrennt werden müssen, manchmal aber bliebe den Mitarbeitern des Fachdienstes keine andere Wahl.

Der Kontakt zu der leiblichen Mutter oder den leiblichen Eltern wird auch nach der Vermittlung aufrechterhalten. Das klappe mal gut und mal weniger gut, sagt Eder. Vor allem aber für die Kinder seien regelmäßige Treffen unter Aufsicht besonders wichtig, um von Anfang an Transparenz zu gewährleisten. "Wir gehen ganz offen damit um", sagt Britta. "Das fiel anfangs schwer, aber wenn man einmal die richtigen Worte gefunden hat, gehen sie immer leichter über die Lippen." Und auch nach außen hin verheimlicht das Paar nicht, dass sie Pflegeeltern sind.

Kontakt

  • Wer sich dafür interessiert, ein Pflegekind aufzunehmen - ob in Bereitschaft oder auf Dauer - kann sich unter Tel. 02064-66571 an die Mitarbeiter des Fachdienstes Soziale Dienste der Stadt Dinslaken wenden.
  • Zusätzlich ist am Dienstag, 9. April, 18 Uhr, eine unverbindliche Informationsveranstaltung im Stadthaus an der Wilhelm-Lantermann-Straße 65 geplant.

Voraussetzungen

  • Wer ein Pflegekind bei sich aufnehmen möchte, muss vor allem Zeit, Geduld und auch Humor mit sich bringen. Und die Bereitschaft, sich vollkommen zu öffnen.
  • Ein Muss: Das Einverständnis der leiblichen Mutter/der leiblichen Eltern muss vorliegen.
  • Formale Vorgaben gibt es nur wenige, die Pflegeeltern müssen weder ein ganz bestimmtes Alter haben, noch dürfen nur verheiratete, heterosexuelle Paare ein Kind bei sich aufnehmen.
  • Vorgelegt werden müssen ein Führungszeugnis und eine Bestätigung, dass keinerlei psychische Erkrankungen oder Suchterkrankungen vorliegen.
  • Vermittelt werden vor allem Kinder bis zum dritten Lebensjahr; wenn nötig auch im höheren Alter. Im Normalfall bleiben Pflegekinder bis zum 18. Lebensjahr in den Familien, auf Wunsch auch darüber hinaus.
  • Pflegeeltern werden nicht nur mit Pflegegeld finanziell unterstützt, sie werden auch weiterhin vom Jugendamt begleitet.
  • Eine Rückkehroption zu den leiblichen Eltern besteht; es kommt, sagt Eder, aber nur sehr, sehr selten vor, dass Pflegekinder zurückgehen zur leiblichen Mutter/den leiblichen Eltern. Ebenso selten kommt es vor, dass Pflegeeltern ihre Pflegekinder adoptieren. Bei Einverständnis besteht aber auch diese Möglichkeit.
Die Eingewöhnung hat mit fünf Monaten verhältnismäßig lange gedauert, über die Jahre sind Britta, Dirk und ihre beiden Pflegekinder aber zu einer richtigen Familie zusammengewachsen.
Britta und Dirk: "Der Gedanke, dass es Pflegekinder sind, verschwindet im Alltag."

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