Täglich erleben Frauen Zuhause Gewalt
Polizei, Zonta, Ärzte, Apotheken und die Frauenberatungsstelle helfen schnell

Machen gemeinsame Sache: Claudia Vorländer (r.) vom Zonta Club Dortmund Phoenix, Apothekerin Kattrin Hildebrandt (M.) und Kathrin Eickhoff von Zonta helfen im Netzwerk mit der Frauenberatungsstelle Mädchen und Frauen, bei häuslicher Gewalt Hilfe, Schutz und Sicherheit zu bekommen.
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  • Machen gemeinsame Sache: Claudia Vorländer (r.) vom Zonta Club Dortmund Phoenix, Apothekerin Kattrin Hildebrandt (M.) und Kathrin Eickhoff von Zonta helfen im Netzwerk mit der Frauenberatungsstelle Mädchen und Frauen, bei häuslicher Gewalt Hilfe, Schutz und Sicherheit zu bekommen.
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Erst wird er lauter, beleidigt, tobt und irgendwann schlägt er zu. Nicht irgendein Unbekannter nachts, sondern der eigene Mann Zuhause. Die Opfer: verängstigte Verlobte, blutende Ehefrauen und verprügelte Mütter, die wegen der Kinder Angst haben, zu fliehen. Gewalt verborgen hinter Gartenzäunen und Wohnungstüren passiert überall in Dortmund von Kirchhörde bis Brechten.
 "Sie sind nicht allein!", sagt Kathrin Eickhoff vom Zonta-Club Dortmund Phoenix. Zusammen mit der Frauenberatungsstelle, der Polizei, Apotheken und Ärzten hat ihr Club ein Netz geknüpft, um Dortmunderinnen aufzufangen, die in einer gewalttätigen Beziehung verstrickt sind. "Wir sprechen hier über Körperverletzung, schwere und gefährliche, Nötigung, und sexuelle Gewalt", berichtet Polizeipräsident Gregor Lange über die in diesem Jahr bereits 855 Frauen, die in ihrer Not die Polizei riefen. "Wir danken dem Zusammenschluss von Frauen, die die Initiative ergreifen und sich um die Schicksale kümmern", weiß er, dass häusliche Gewalt kein Einzelfall sei, dass Frauen und Kinder über lange Zeit Gewalt erleiden. "Es ist schwierig einen Weg daraus zu finden", kennt er das große Dunkelfeld hinter den Frauen, die sich trauten, den Notruf zu wählen.

98 Anzeigen im April beim Lockdown

Und auch die 97 angezeigten Fälle im April im Lockdown, sogar weniger als im April 2019 (130), spiegelten nicht wider, was sich tatsächlich abspiele. "Es passiert ja schleichend", berichtet Martina Breuer von der Frauenberatungsstelle, warum Frauen so lange das Martyrium daheim erdulden. "Erst hat ihr Mann ihre Kontakte kontrolliert und stark eingeschränkt", erzählt sie von einer Frau, "sie immer wieder beleidigt, ihr gesagt, dass sie nichts wert sei und dann hat er sie das erste Mal geschlagen, als sie das erste Kind hatte. Er hat sich entschuldigt und sie hat sich so geschämt, dass sie mit niemandem darüber gesprochen hat", berichtet sie.

Kinder kriegen viel mit 

Erst viel, viel später, als er sie vor den Kindern angegriffen hat, habe sie unter Schock die Polizei gerufen, aufgeregt, aber auch sehr erleichtert. "Kinder kriegen viel mit, manchmal mehr, als Frauen denken", weiß die Trauma-Therapeutin. 548 gewalttätige Dortmunder wurden in den vergangenen neun Monaten für zehn Tage ihrer Wohnung verwiesen. Als Ausweg vor der häuslichen Gewalt hilft die Frauenberatungsstelle Frauen, dass sie für sechs Monate die Wohnung zugewiesen bekommen können.

Täter üben Kontrolle aus

"Wenn die äußere Sicherheit hergestellt ist, was die Finanzen und den Umgang mit den Kindern angeht, helfen wir auch die innere Sicherheit wieder zu gewinnen", beschreibt Martina Breuer, dass es um mehr gehe, als blaue Flecken oder Knochenbrücke auszukurieren. Im Frauenhaus oder anderswo werde für Frauen, auch wenn sie unter Quarantäne stehen, immer ein sicherer Ort gefunden. Im April, als viele Zuhause waren, hätten betroffene Frauen schwere Gewalt erlebt und kaum eine Möglichkeit gehabt, Hilfe zu holen. "Es hat sich zugespitzt", berichtet Martina Breuer. "Täter üben Kontrolle aus, auch psychisch", fügt Kathrin Eickhoff vom Zonta Club hinzu, "das macht es Frauen so schwer, Hilfe zu holen."

Apotheken helfen sofort

Deshalb hilft ihr Club weitere Apotheken und Arztpraxen zu finden, die betroffenen Frauen schnell helfen. "In dem Moment, wo eine Frau dort 'Maske 19' sagt, wird sofort ein Notruf angesetzt und sie wird nicht alleine gelassen", erklärt sie. Kattrin Hildebrandt hat in der Westfalia-Apotheke so einen Hinweis für Frauen angebracht: "Wir freuen uns helfen zu können und haben Beratungsräume, die Schutz bieten", meint sie.
"Wenn an jeder Apotheke und an jeder Arztpraxis der Hinweis ist, das wäre großartig", freut sich Kathrin Eickhoff über weitere Helfer. Auch das Klinikum Dortmund wolle mitmachen. Hilfe wird dringend gebraucht.

Von der Nötigung bis zur Tötung

Von Nachstellung, Hausfriedensbruch, Erpressung, über Freiheitsberaubung, Kindesentziehung, Vergewaltigung bis zu zu Tötungsdelikten reicht die Liste der Straftaten, die hinter geschlossenen Türen geschehen. In Dortmund in den vergangenen fünf Jahren über 6.300 mal. Von 613 Frauen, die 2020 Zuhause Verletzungen erlitten, erfuhr die Polizei, 104 wurden daheim bedroht. 548 gewalttätige Männer wurden 2020 schon der Wohnung verwiesen, durften zehn Tage lang nicht zurückkommen.

Ein Leben ohne Gewalt führen

Irgendwann nach vielen Schlägen, Blutergüssen und blauen Augen, nimmt abends eine Dortmunderin weinend im Bad ihr Handy in die Hand und wählt 110. Und bevor ihr Mann die Tür aufgebrochen hat, steht die Polizei vor der Tür und bietet sofort Schutz. Ein Fax geht zur Frauenberatungsstelle raus, welche die Frau, die endlich zur Ruhe kommen kann, anruft und hilft. Nicht nur mit der Wohnung, den Finanzen, den Kindern und dem Gericht, sondern langfristig, ein Leben ohne Gewalt zu führen. 

Ein Code-Wort für schnelle Hilfe

  • Das Codewort "Maske 19" genügt von häuslicher Gewalt Betroffenen in Apotheken, bei Gynäkologen oder Kinderärzten, die einen Hinweis zu "Maske 19" haben, dass unauffällig sofort die Polizei verständigt wird.
  •  Im Notfall rufen von Gewalt betroffene Frauen Zuhause die 110.
  •  Die Frauen-Beratungsstelle hilft Frauen unter Tel: 0231-521008.
Autor:

Antje Geiß aus Dortmund-City

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