Karstadt/Kaufhof-Mitarbeiter sammeln in Dortmund Unterschriften für Erhalt der Warenhäuser
Nach der Hiobsbotschaft wollen Beschäftigte kämpfen

Gegen die Pläne des Warenhauskonzerns Galeria Karstadt Kaufhof, alle drei Standorte der Dortmunder Warenhäuser zu schließen, wehren sich die Mitarbeiter. Sie sammeln jetzt Unterschriften in den Häusern und ab morgen auch vorm Eingang des Sporthauses am Alten Markt und auch am Westenhellweg vor Karstadt und Kaufhof.
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  • Gegen die Pläne des Warenhauskonzerns Galeria Karstadt Kaufhof, alle drei Standorte der Dortmunder Warenhäuser zu schließen, wehren sich die Mitarbeiter. Sie sammeln jetzt Unterschriften in den Häusern und ab morgen auch vorm Eingang des Sporthauses am Alten Markt und auch am Westenhellweg vor Karstadt und Kaufhof.
  • hochgeladen von Antje Geiß

Die Tage der Warenhäuser Karstadt und Kaufhof am Westenhellweg sind, wenn die Konzernzentrale im Schutzschirmverfahren ihre Pläne wahr macht, gezählt. Galeria Karstadt Kaufhof hat vor, 62 Warenhäuser in 47 Städten zu schließen. Und dies trifft nicht nur bei den rund 420 Dortmunder Beschäftigten auf Unverständnis. Sie wollen sich wehren, haben Tische organisiert, Listen ausgedruckt und sammeln Unterschriften für den Erhalt, auch online.

Eine Online-Petition für den Erhalt von Galeria Karstadt, Kaufhof und Karstadt Sport in Dortmund hat Petra Müller auf change.org gestartet. "Es geht um den Erhalt vieler Arbeitsplätze. Es geht um viele menschliche Existenzen", schreibt sie.

Online-Petition gestartet

Für die Häuser zu kämpfen, heiße auch, um viele Arbeitsplätze und den Erhalt der Innenstadt zu kämpfen. Bis Dienstagmorgen unterschrieben 2.154 Unterstützer ihren Aufruf "Kämpfen um den Erhalt von Galeria Karstadt, Kaufhof und Sports in Dortmund". Traditionshäuser wie diese seien ein Kunden-Magnet, ohne sie fürchtet sie um die Frequenz in der City. "Wir fordern die Politik, die Vermieter, aber an erster Stelle unsere Unternehmensleitung auf, endlich damit anzufangen, ein tragfähiges Konzept zu entwickeln, um Galeria Karstadt, Kaufhof und Karstadt Sport wettbewerbsfähig zu machen", schreibt sie.

Resolution des Rates

Noch zurückhaltend reagiert Cityring Vorsitzender Dirk Rutenhofer auf die bekannt gewordene Streichliste der Einkaufshäuser, erst müsse klar sein, was wirklich passiere.  Setzt der Kaufhaus-Konzern seine Schließungspläne für beide großen Warenhäuser an der frequenzstarken Einkaufsmeile um, würde dies Dortmund hart treffen. Daher hat der Rat der Stadt umgehend zu den bekannt gewordenen Standort-Schließungsplänen für die Galeria Karstadt Kaufhof Häuser in Dortmund folgende Resolution verabschiedet: 

Solidarität mit Beschäftigten

"Der Rat der Stadt Dortmund hat in seiner heutigen Sitzung mit großer Bestürzung die Nachricht über die Schließung von zwei Standorten der Galeria Karstadt Kaufhof in Dortmund zur Kenntnis nehmen müssen.  Der Rat steht unmissverständlich an der Seite der Beschäftigten und spricht ihnen seine volle Solidarität aus. Sie haben mit Ihrer Arbeit und ihren Tarifkompromissen maßgeblich dazu beigetragen, dass die Dortmunder Häuser immer zu den umsatzstärksten Standorten innerhalb des gesamten Konzerns gehörten.
Karstadt ist ein Stück Dortmunder Geschichte und hat auch heute noch eine große Bedeutung für die Einkaufsstadt Dortmund und für die Attraktivität unserer City. Die Tatsache, dass die Schließung mit keinerlei Begründungen verkündet wurde hat großes Befremden im Rat der Stadt Dortmund ausgelöst.

Viele offene Fragen

Diese Situation erzeugt nun viele offene Fragen: Warum schließt der Konzern die Dortmunder Häuser, obgleich sie in den letzten Jahren zu den Umsatzbringern zählten und eben nicht auf der sogenannten „roten Liste“ der zu schließenden Standorte stand? Warum wird ein Haus wie das Karstadtgebäude geschlossen, obgleich noch vor wenigen Jahren hier rund 8 Mio. Euro in den Ausbau investiert wurden? Warum spielten Kundenpotentiale, Zentralitätskennziffern, Frequenzen und die regionale Einzugsgröße von zwei bis drei Millionen Kundenen für diese Kaufhäuser bei der Entscheidung offenbar keine Rolle?
Aufgrund dieser offenen Fragen drängt sich für den Rat der Stadt Dortmund der Eindruck auf, dass die Entscheidung nicht unter finanziellen und betriebswirtschaftlichen Bewertungen der hiesigen Standorte getroffen wurde. Auch die Coronabedingten Umsatzeinbußen scheinen hier nicht maßgeblich zu sein. Vielmehr scheint es so, dass die Dortmunder Häuser bei den weiteren Verhandlungen über öffentliche Hilfe zur Disposition gestellt werden sollen.

Auf Erhalt drängen

Der Rat der Stadt Dortmund bittet die Verwaltung daher unmittelbar Kontakt zu den Verantwortlichen des Rettungsschirmverfahrens und zum Signa-Konzern aufzunehmen, um diese offenen Fragen zu klären und auf den Erhalt der Häuser am Standort Dortmund zu drängen.
Darüber hinaus wird die Verwaltung gebeten, gemeinsam mit den anderen betroffenen Städten auf die Landesregierung NRW zuzugehen, um diese Schließungen zu verhindern." 

Runder Tisch im Rathaus

Aus der Schockstarre seien die Karstadt/Kaufhof-Mitarbeiter jetzt in Aktion getreten, um für ihre Arbeitsplätze zu kämpfen, und Unterschriften für den Erhalt der Dortmunder Warenhäuser zu sammeln, berichtet Karsten Rupprecht, bei Verdi für den Dortmunder Handel zuständig. Doch neben dem Interesse seiner Gewerkschaft, die Arbeitsplätze zu erhalten, gehe es um mehr: So habe Verdi am Montag mit dem Oberbürgermeister, Stadtplanern, der Wirtschaftsförderung, der IHK und dem Handelsverband am runden Tisch gesessen, um die Interessen für den Erhalt von Karstadt und Kaufhof in der City zu bündeln. Zu den Schließungsankündigungen der Konzern-Zentrale im Hinblick auf die Rentabilität der Dortmunder Warenhäuser meint Kasten Rupprecht: "Kein Mensch versteht, was dahinter steckt, da ist kein Konzept zu erkennen."
Entsetzt äußert sich auch die SPD Dortmund zum Aus für die Warenhäuser am Westenhellweg: "Mit Fassungslosigkeit haben wir die Mitteilung aufgenommen, dass der Konzern „Galeria Karstadt Kaufhof“ beabsichtigt, die beiden Warenhäuser Karstadt und Kaufhof in Dortmund zu schließen. Die Beschäftigten sind seit Jahren die Leidtragenden gravierender Fehlentscheidungen des Managements.

Die profitabelsten Häuser

Es ist für uns nicht nachvollziehbar, warum gerade Häuser geschlossen werden sollen, die an einer der am stärksten frequentierten Einkaufsstraßen Deutschlands liegen und nach unserer Kenntnis die profitabelsten Häuser der Kette waren.
Besonders scharf wäre dieses Vorgehen zu verurteilen, sollte es nur ein Versuch sein, Druck auf die Beschäftigten und den Vermieter auszuüben, um die Personalkosten und die Miete zu senken.
Wir stehen an der Seite der Beschäftigten und fordern das Management des Konzerns auf, endlich ihrer Verantwortung gerecht zu werden und in dieser Situation einen soliden Sanierungsplan aufzustellen, bei dem die Beschäftigungssicherung und nicht das Gewinninteresse des Unternehmens im Vordergrund steht."

"Nicht tatenlos zusehen"

Und auch die Grünen in Dortmund nehmen Stellung und fordern das Engagement der Politik für Mitarbeiter und den Einzelhandel: "Angesichts der Ankündigung, beide Kaufhäuser von Karstadt Kaufhof auf dem Westenhellweg zu schließen, fordern die Grünen in Dortmund die Dortmunder Politik sowie das Land auf, dieser Entscheidung nicht tatenlos zuzusehen. Die Politik muss sich nun solidarisieren mit den Mitarbeitern der beiden Kaufhäuser, sowie den Vertreter*innen des Einzelhandels in Dortmund.

Kahlschlag für unsere Stadt

Dazu erklärt die OB-Kandidatin der Grünen für Dortmund, Daniela Schneckenburger:
„Zwei der drei Häuser schließen zu wollen, ist ein angedrohter Kahlschlag für unsere Stadt, den wir nicht hinnehmen dürfen. Sollte diese Entscheidung für Dortmund umgesetzt werden, so droht nicht nur den Mitarbeiter*innen der Arbeitsplatzverlust, sondern auch unserer Innenstadt ein massiver Kahlschlag. Und das in einer Zeit, in der der Einzelhandel ohnehin in schwerer Bedrängnis ist. Ministerpräsident Laschet muss angesichts dieser Drohlage alle Beteiligten inklusive der Oberbürgermeister an den Tisch holen. Und der Eigentümer muss sich klar sein: eine Vermarktung und Neuaufstellung der leer stehenden Immobilien ohne die Unterstützung der betroffenen Städte wird auch für ihn zum Problem werden.“

Um Erhalt eines Hauses kämpfen

Schockiert reagieren auch die Dortmunder SPD-Landtagsabgeordneten Volkan Baran, Anja Butschkau, Armin Jahl und Nadja Lüders in ihrer Stellungnahme:
„Die Absicht von Galeria Karstadt Kaufhof, beide Dortmunder Warenhausstandorte zu schließen, hat uns schockiert. Den 350 Kolleginnen und Kollegen, die von den Schließung betroffen sein werden, gilt unsere uneingeschränkte Solidarität. Wir werden in den nächsten Tagen das erneute Gespräch mit dem Betriebsrat und Ver.di suchen, um zu besprechen, wie wir gemeinsam für den Erhalt zumindest eines Hauses kämpfen können. Wir erwarten nun auch von der Landesregierung, dass sie wach wird und sich für den Erhalt von Arbeitsplätzen und des Einzelhandelsstandorts Dortmund einsetzt. Gerade Nordrhein-Westfalen ist mit 17 Filialschließungen am stärksten betroffen. Das darf Laschet, Pinkwart und Laumann nicht kalt lassen. Das Management von Karstadt/Kaufhof ist bis heute ein nachhaltiges Sanierungskonzept schuldig geblieben."
Mit der Ankündigung des Warenhauskonzerns Karstadt Kaufhof bangen 7.500 Beschäftigte deutschlandweit ihren Job. Die Landtagsabgeordnete Anja Butschkau (SPD) findet hierfür kritische Worte für die Konzernleitung, aber auch an die NRW-Landesregierung. Mit einer Kleinen Anfrage will Butschkau in Erfahrung bringen, ob sich die Landesregierung für die Rettung von Arbeitsplätzen eingesetzt hat und was sie plant, um Beschäftigte, die nun ihren Job verlieren, wieder in Arbeit zu bringen.

"Beschäftigte müssen Versagen ausbaden"

Butschkau: „Die Beschäftigten bei Galeria Karstadt Kaufhof müssen das jahrelange Versagen der Konzernleitung ausbaden. Seit der Fusion im November 2018 fährt der Konzern einen strikten Sparkurs. Die Mitarbeiter haben immer wieder Opfer gebracht, um die Warenhäuser am Leben zu halten, etwa durch Lohnverzicht und Stellenabbau. Das Management ist jedoch bis heute ein nachhaltiges und zukunftsgewandtes Sanierungskonzept schuldig geblieben. Es sucht den einfachsten Weg: das Schließen von Filialen und den Abbau von Arbeitsplätzen anstatt in neue Handels- und Produktkonzepte zu investieren.
Ich bin froh, dass die Unterhändler von Ver.di die Zahl der zu schließenden Filialen und der zu streichenden Arbeitsplätze wenigstens reduzieren konnten. Ursprünglich wollte die Konzernleitung 80 Filialen und 10.000 der 30.000 Arbeitsplätze streichen. Dennoch ist dies kein guter Tag für die Kollegen.

Anfrage im Landtag

In der Krise bei Galeria Karstadt Kaufhof hat man Vertreter der Landesregierung gar nicht wahrgenommen. Gerade in Nordrhein-Westfalen haben Karstadt und Kaufhof eine besondere Stellung. Mit 43 der 172 Filialen liegen hier die meisten. Ich hätte mir ein beherztes Engagement von Ministerpräsident Armin Laschet, Arbeitsminister Karl-Josef Laumann und Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart gewünscht. Durch ihr Vermitteln hätten sie zumindest den ein oder anderen Arbeitsplatz noch retten können.
Daher habe ich mit meiner Kölner Abgeordnetenkollegin Susana dos Santos Herrmann eine Kleine Anfrage an die Landesregierung gestellt, durch die diese ihr Nichts-Tun dokumentieren soll. Wir möchten zudem wissen, was die Landesregierung nun plant, um die Betroffenen möglichst schnell in neue Arbeit zu bringen.“

Autor:

Antje Geiß aus Dortmund-City

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