Hoesch-Hafenbahn-Radweg: Naturschützer kritisieren den RVR nach Rodungen scharf
"Fakten geschaffen" zulasten der Natur

Die einst wilde zugewucherte Trasse des künftigen Hoesch-Hafenbahn-Radweges ist nach der jüngsten Rodungsmaßnahme, hier im Blick von der Max-Eyth-Straße in Richtung Nordwesten zur Bundesstraße 1 hin, nicht wiederzuerkennen.
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  • Die einst wilde zugewucherte Trasse des künftigen Hoesch-Hafenbahn-Radweges ist nach der jüngsten Rodungsmaßnahme, hier im Blick von der Max-Eyth-Straße in Richtung Nordwesten zur Bundesstraße 1 hin, nicht wiederzuerkennen.
  • Foto: Stephanie Wetzold-Schubert/AGARD
  • hochgeladen von Ralf K. Braun

Dortmunds Naturschutzverbände begrüßen die Stärkung des regionalen Radverkehrs und unterstützen die Bau von Radwegen. Aber: "Leider hat es schon bei der bisherigen Ausführung und Vorbereitung im Bereich des Gartenstadt-Radweges zahlreiche tiefgreifende Eingriffe in die Natur gegeben", kritisiert Stephanie Wetzold-Schubert, 1. Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Amphibien- und Reptilienschutz in Dortmund (AGARD), scharf den beim Wegebau federführenden RVR.

Diese Eingriffe wären bei Beachtung der Entscheidungen an den zahlreichen runden Tischen und Begehungen während der Planungen des Radweges vermeidbar gewesen wären, ergänzt die Naturschützerin aus Körne: "Bei den damaligen Besprechungen, Begehungen und Planungen wurden uns naturnahe Ausgleiche, Verbesserungen und Aufwertungen zugesagt, deren Basis nun in den letzten Jahren durch zahlreiche Rodungen zerstört wurden."

Im Zuge des Ende März vom Regionalverband Ruhr (RVR) gestarteten zweiwöchigen Beteiligungsverfahrens in Sachen Hoesch-Hafenbahn-Radweg hat Wetzold-Schubert namens der drei Dortmunder Naturschutzverbände AGARD, BUND und NABU ein geharnischtes Schreiben mit einer ganzen Reihe von Forderungen, Anregungen und Beschwerden an den RVR nach Essen geschickt.

Der Regionalverband Ruhr baut den 7,3 Kilometer langen Hoesch-Hafenbahn-Weg, der auch als Gartenstadt-Radweg bekannt ist, vom Phoenix-See bis zur Westfalenhütte in Dortmund. Für das erste 3,9 Kilometer lange Teilstück von Hörde bis zur Paderborner Straße, dem Alten Bahnhof in Körne, wurden die Freischnitt- und Rodungsmaßnahmen bereits abgeschlossen.

"Frühere Vorschläge und Planungen komplett ignoriert"

Im Brief an den RVR monieren die drei Naturschutzverbände: "Erste Rodungen fanden statt, bei denen die vorherigen Vorschläge und Planungen komplett ignoriert wurden." Die AGARD-Vorsitzende hebt im Gegenzug hervor, dass die bisherige verwilderte Bahnstrecke als Vernetzungsstruktur für zahlreiche, auch seltene Tiere und Pflanzen fungierte. Beispielhaft benennt Wetzold-Schubert die Westliche Beißschrecke, ein Insekt, das auf der Roten Liste 3 steht.

Und mit der letzten Rodung seien nun Fakten auf der ehemaligen Bahntrasse geschaffen worden. Der gerodete Weg sei nun so breit, dass überall genug Platz ist, um den Weg - inklusive ein Meter Bankette links und rechts - anzulegen. "Was am Anfang der Planungen nicht kommuniziert wurde", ergänzt Wetzold-Schubert.

Und die AGARD-Vorsitzende listet die "geschaffenen Fakten" gleich mal auf: So sei von den ehemals naturnahen Strukturen nichts mehr da. "Was vorher erhalten werden sollte, Spechtbäume und Totholzhaufen, könne nicht mehr geschaffen werden, weil alle unerwünschten Bäume und Sträucher rigoros gefällt und abtransportiert wurden. Nur die Fledermauskästen müssen angebracht werden, da es sich ja um planungsrelevante Arten handelt."

Ausgleichsmaßnahmen für Eingriffe gefordert

Insgesamt sei die Planung aus Perspektive des Naturschutzes mehr als schlecht gelaufen. Zahlreiche Bürger, Anwohner und Naturschützer hätten sich über das Vorgehen des RVR, speziell wegen der rigorosen Rodungen, "mehr als enttäuscht" geäußert, so Stephanie Wetzold-Schubert.

Deshalb fordern die Dortmunder Naturschützen in ihrem Schreiben an den RVR, auch als Ausgleichsmaßnahmen für die weggefallenen und versiegelten Flächen, entlang der gesamten Strecke naturnahe Aufwertungen. Konkret listen sie auf: Nistkästen für verschiedene Vogelarten und Fledermauskästen entlang der gesamten Strecke und nicht nur im Bereich der Brücken, Benjeshecken und Totholzhaufen, Wildblumenwiesen, Magerwiesenbereiche sowie Streuobstwiesen.

Und falls im Bereich des Radweges weitere Bäume weichen müssten, sollten auch Spechtbäume geschaffen werden. Zudem sollten fruchttragende Hecken angepflanzt werden. "Die ja aufgrund ihrer Dornen auch für die Anwohner als Schutz vor Einbrechern interessant sein können", weiß Wetzold-Schubert. Schließlich sollten naturnahe und ortstypischen Strukturen als Rückzugsorte erhalten bleiben, bilde der Bahndamm doch eine funktionelle Einheit mit den vorhandenen Gärten zum Beispiel als Winterquartier für Amphibien und andere Tiere.

Autor:

Ralf K. Braun aus Dortmund-Ost

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